Der Sachverständigenrat legt sein Jahresgutachten vor und fordert darin mehr Investitionen sowie eine Reform der Rente.

Der deutschen Wirtschaft fehlt es an Dynamik. Deutschland kommt langsamer als erwartet aus der konjunkturellen Krise und auch mittelfristig sieht es nicht gut aus. "Um die Wachstumsschwäche zu überwinden, muss Deutschland in seine Zukunft investieren", fordert Monika Schnitzer, die Vorsitzende des Sachverständigenrates für Wirtschaft bei der Vorstellung des Jahresgutachtens. Mehr Investitionen und mehr Innovationen könnten auch die Folgen des demografischen Wandels abfedern helfen. Daneben müsse Deutschland eine langfristig orientierte Rentenreform anpacken, hierfür sollten stark steigende Rentenbeiträge vermieden werden.
Massiver Ausbau der Infrastruktur nötig
Damit wieder mehr investiert wird, ist nach Ansicht von Ratsmitglied Veronika Grimm ein massiver Ausbau der Digital- und Energieinfrastruktur sowie eine Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren nötig. Inwieweit sich die jüngst von Bund und Ländern gefassten Beschlüsse zur Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren positiv auf das Wachstum auswirkten, hänge von deren konkreter Umsetzung ab.
Dittrich: Gutachten zeigt Bedarf an grundlegenden Reformen
Für Handwerkspräsident Jörg Dittrich zeigt das Jahresgutachten, dass die Standortstärke Deutschlands nur mit grundlegenden Reformen wiederzugewinnen ist. Wachstumsorientierte, wettbewerbsfördernde und grundsätzliche strukturelle Reformen seien dringend geboten. "Der Handlungsbedarf ist groß, denn die Liste an Standort-Baustellen ist lang", betonte er. Dabei sei die Fachkräftesicherung eine der entscheidenden Stellschrauben, wenn es um Investitionen in die Zukunft gehe. Nur so ließen sich auch die Klima-, Energie- und Verkehrswende umsetzen.
Sinkende Inflation beflügelt 2024 den privaten Konsum
Kurzfristig belasten nach Einschätzung des Sachverständigenrates noch immer hohe Energiepreise und gesunkene Realeinkommen die wirtschaftliche Entwicklung. Für 2023 sei deshalb bei einer durchschnittlichen Inflationsrate von 6,1 Prozent mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent zu rechnen. Eine niedrigere Inflation und steigende Kaufkraft werden erst 2024 zu mehr privatem Konsum und einer verhaltenen konjunkturellen Erholung führen. Die Weltwirtschaft erhole sich nur langsam. Insgesamt rechnet der Sachverständigenrat für 2024 bei einer Inflationsrate von 2,6 Prozent mit einem Plus des Bruttoinlandsproduktes von 0,7 Prozent. Damit liegt die Prognose deutlich unter der der Bundesregierung, die für 2024 noch von einem Plus von 1,4 Prozent ausgeht.
Automatisierungstechnik und Roboter
Bedeutsamer als die konjunkturelle Schwäche sind nach Ansicht von Ratsmitglied Veronika Grimm die "mittelfristigen Wachstumshemmnisse für das Produktionspotenzial", die vor allem auf das sinkende Arbeitsvolumen zurückzuführen seien. Um dies zu ändern, müssten die Investitionen erhöht und der Rückgang des Arbeitsvolumens etwa durch stärkere Arbeitsanreize oder mehr Zuwanderung verlangsamt werden. Investitionen in Maschinen und Roboter könnten nicht nur die Produktivität erhöhen, sondern teilweise auch die absehbare Verknappung des Arbeitsvolumens kompensieren helfen.
Ohne Rentenreform drohen stark steigende Beitragssätze
Der Renteneintritt der Babyboomer beeinflusst nach Einschätzung des Sachverständigenrates nicht nur den Arbeitsmarkt, er belastet vor allem die Rentenkasse. "Unter dem derzeit geltenden Recht droht der gesetzlichen Rentenversicherung ein sinkendes Sicherungsniveau bei stark steigenden Beitragssätzen", teilte der Sachverständigenrat mit. Kernelement einer Reform sollte die Kopplung des gesetzlichen Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung sein. Dies sollte kombiniert werden mit einer neuen Form der ergänzenden kapitalgedeckten Altersvorsorge.