Die Auftragsbestände bröckeln, die Umsätze schrumpfen – doch die Branche verfällt (noch) nicht in Panik. Das zeigt die aktuelle DHZ-Konjunkturumfrage für das dritte Quartal. Gefragt nach der Nachfrageentwicklung bis zum Jahresende, fallen die Prognosen je nach Branche sehr unterschiedlich aus.

Die deutsche Wirtschaft hat Probleme. Zum einen sind sie struktureller Art. Beispielsweise ist die Energieversorgung in Deutschland zu teuer. Fachkräfte sind nicht ausreichend vorhanden und die Digitalisierung ist ins Stocken geraten. Damit ist der Rucksack, den das Land und die Unternehmen schultern müssen, ohnehin schon schwer. Hinzu kommen konjunkturelle Belastungen. So dämpft die hohe Inflation den Konsum. Und die exportabhängige Industrie kämpft mit der schwachen Nachfrage aus dem Ausland. Außerdem hat das hohe Zinsniveau die Investitionen auf Talfahrt geschickt. Darunter leidet vor allem der Bau.
Betriebe verfallen nicht in Panik
Trotz des komplizierten wirtschaftlichen Umfeldes verfällt das Handwerk nicht in Panik. Im Rahmen der von der DHZ untersuchten Umfragen zum 3. Quartal 2023 gaben nur 16 Prozent zu Protokoll, ihre aktuelle Lage sei schlecht. 43 Prozent beurteilten sie mit gut, 41 Prozent mit befriedigend. Aus diesen Angaben resultiert ein Indexwert von 126 Punkten. Damit sinkt das Stimmungsbarometer gegenüber dem Juni-Befund um fünf Punkte. Verglichen mit dem Vorjahreswert, der von der Angst um die Gasversorgung im nahenden Winter geprägt war, stagniert die Lage.
Situation ist noch nicht besorgniserregend
Die Entwicklung der Umsätze gibt keinen Grund zur Zuversicht. 27 Prozent aller Teilnehmer berichteten von schrumpfenden Einnahmen in den Sommermonaten, das sind deutlich mehr als im langjährigen Mittel (19 Prozent). Mit Blick auf die amtlichen Daten, die derzeit das erste Halbjahr 2023 abdecken, erscheint die Situation aber noch nicht besorgniserregend. Danach sind die nominalen Umsätze im deutschen Handwerk gegenüber den ersten sechs Monaten des Vorjahres um 7,7 Prozent gewachsen. Weil aber die Preissteigerung noch höher gewesen sein dürfte, dreht sich das Bild um: Der Absatz handwerklicher Dienste und Produkte geht zurück.
Dazu passen die aktuellen Beschäftigungsdaten. Laut amtlicher Statistik waren Ende Juni 1,2 Prozent weniger Personen im Handwerk tätig als zwölf Monate zuvor. Grundsätzlich hat die Bereitschaft deutscher Unternehmen, neues Personal einzustellen, nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit weiter nachgelassen. Zudem stieg die Zahl der Arbeitslosen im Sommer an. Am Bau wird mit mehr Kurzarbeit gerechnet.
Weniger Beschäftigte bedeuten geringere Kapazitäten. Insofern ist eine stabile Auslastung nicht unbedingt Ausweis einer guten Konjunktur. Zuletzt wurde mit 81 Prozent das Vorjahresniveau erreicht. Allerdings fehlen drei Punkte zum Sommer 2019, also vor der Pandemie. Hier zeigt sich der fehlende Nachschub an Aufträgen. Immer öfter drücken vor allem die Kunden im Wohnungsneubau auf die Stopptaste. Quer über alle Handwerke melden 37 Prozent der Betriebe ein Minus bei den Bestellungen.
Die Preisentwicklung beruhigt sich zunehmend
Mit abkühlender Konjunktur verläuft auch die Preisentwicklung in ruhigeren Bahnen. Nur noch 54 Prozent der Betriebe klagten über gestiegene Einkaufspreise; 2022 waren es im 3. Quartal 89 Prozent.

Branchen
Im Wohnungsbau laufen die Auftragsbücher leer. 2024 dürften in Deutschland weniger als 200.000 neue Wohnungen fertiggestellt werden. 44 Prozent der Wohnungsbaufirmen klagten laut Ifo-Institut im Sommer über Auftragsmangel. Jedes fünfte meldete, bestehende Aufträge seien storniert worden. Neben der Verteuerung der Kredite im Zuge der Zinswende und den gestiegenen Baukosten ist die bislang unzureichende staatliche Förderung zu den Ursachen zu zählen.
Im Ausbaugewerbe zeigen sich Risse in der bislang so stabilen Auftragslage. Alle energetischen Modernisierungsmaßnahmen sowohl im Bereich der Hülle als auch der Gebäudetechnik erlitten zuletzt einen Dämpfer. Branchenexperten machen dafür unter anderem das Hickhack um das Heizungsgesetz verantwortlich. Auch nach dem Bundestagsbeschluss ist noch keine vollständige Planungssicherheit gegeben. Viele Kunden dürften den Heizungskauf hinauszögern, bis die kommunale Wärmeplanung abgeschlossen ist.
Kfz-Gewerbe: Seit 1. September bekommen gewerbliche Käufer keinen Zuschuss mehr, wenn sie hierzulande ein E-Auto kaufen. Infolgedessen brach der Boom bei den Neuzulassungen im September zusammen, die Anmeldungen neuer Pkw mit Elektroantrieb sanken um 29 Prozent gegenüber 2022. Gegen einen selbst tragenden Aufschwung sprechen das löchrige Netz bei der Ladeinfrastruktur und das überschaubare Angebot an günstigen Elektro-Kleinwagen.
Industriezulieferer profitierten bis weit in das laufende Jahr hinein von nachlassenden Lieferengpässen und hohen Auftragspolstern ihrer Kunden. Diese Phase neigt sich jedoch dem Ende zu. Vor allem der Maschinenbau und die Hersteller elektrischer Ausrüstung meldeten im Sommer eine stark rückläufige Nachfrage gegenüber 2022.
Die Verbraucher hielten bis zuletzt ihr Geld zusammen. Kräftige Lohnerhöhungen stützten zwar den privaten Konsum, die steigende Arbeitslosigkeit und die hartnäckige Inflation sorgten jedoch für Zurückhaltung. Unterm Strich fehlten Impulse für den Dienstleistungssektor und die Lebensmittelhandwerke.
Ausblick: Konjunkturwende noch nicht in Sicht
In ihrem Gemeinschaftsgutachten rechnen die führenden Wirtschaftsforscher mit einem Abklingen des Abschwungs erst zum Jahreswechsel. Kumulative Belastungen geben dem Wirtschaftswachstum derzeit wenig Raum. Immerhin dürfte die Notenbank die geldpolitischen Zügel nicht mehr weiter anziehen. Die Inflation ist auf dem Rückzug. Daraus ergibt sich ein Erholungspotenzial für den Konsum und eine verbesserte Planbarkeit bei Investitionen. Zudem ist mit einem Hochlauf der öffentlichen Ausrüstungsinvestitionen zu rechnen.
Die Bauwirtschaft muss auf dem Weg der Konsolidierung noch eine gewaltige Strecke zurücklegen. Der Neubau von Eigenheimen wird auf mittlere Sicht deutlich schrumpfen. Auch im Mehrfamilienhausbau werden Projekte storniert, denn die hohen Bau- und Zinskosten lassen keine marktgängigen Mieten mehr zu. Erst im Laufe des kommenden Jahres dürften sinkende Preise in Kombination mit steigenden Realeinkommen die Finanzierbarkeit von Wohnbauvorhaben verbessern.
Vor diesem Hintergrund schätzt das Handwerk die Geschäftsaussichten schlechter ein als noch vor drei Monaten. Acht Prozent glauben an eine Aufhellung der Lage bis zum Jahresende, für 29 Prozent zeigt der Trend nach unten. Alle anderen prognostizieren stabile Verhältnisse. Der daraus errechnete Index nimmt mit 79 Punkten um elf Zähler ab.


