Bäckermeister Adrian Kießling träumte schon immer von einem eigenen Laden. Noch bevor er den Meisterbrief in der Tasche hatte, bot sich eine Gelegenheit.

Schon während seiner Ausbildung zum Bäcker war ihm klar: "In diesem Beruf möchte ich mich gerne selbstständig machen." Nach ein paar Gesellenjahren absolvierte Adrian Kießling konsequenterweise an der HWK für Oberfranken die Meisterschule für das Bäckerhandwerk. Während dieser Weiterbildung kam er mit einer alteingesessenen Bäckerfamilie in Marktschorgast in Kontakt, die ihren Betrieb aufgeben und das Gebäude verkaufen wollte. Diese Chance packte er beim Schopf und wurde mit der Familie einig, noch bevor er seinen Meisterbrief in der Tasche hatte. Nach einem guten Jahr Leerstand eröffnete der 26-jährige Bäckermeister zum 1. August seine eigene Bäckerei.
Treffpunkt für den Ort
Nach der ersten Anlaufphase, in der Adrian Kießling den genauen Bedarf und die Wünsche seiner Kunden abgecheckt hat, läuft die Produktion seiner Backwaren rund. Er selbst hat seinen Rhythmus gefunden und die Einwohner der 1.500-Seelen-Gemeinde sind froh, wieder eine Bäckerei mit kleinem Café direkt vor Ort zu haben. "Bereits die Eröffnungswoche lief bombastisch und mittlerweile habe ich schon viele Stammkunden gewonnen", freut sich der Bäckermeister über seinen Erfolg. Und auch Marc Benker, Bürgermeister der Marktgemeinde Marktschorgast, ist froh über die Bereicherung: "Es ist für jeden Ort wichtig, einen Bäcker zu haben – nicht nur, weil die Menschen dort Lebensmittel einkaufen können, sondern auch, weil die Bäckerei als Informationsstelle fungiert."
Nur natürliche Rohstoffe
Bei seinen Produkten setzt er ganz auf natürliche Rohstoffe, verwendet keine Backmittel, stellt seinen Drei-Stufen-Sauerteig selbst her, weil er handwerklich backen und bekömmliche Backwaren anbieten möchte. Ein Weg, den auch seine Kunden schätzen. Diese Wertschätzung erfährt er persönlich, aber auch durch Internet-Bewertungen: "Der Bäcker weiß auf jeden Fall, was er tut! Das schmeckt man" oder "Liebevoll eingerichtetes Cafè, freundliches Personal, leckere Brötchen, Brot und Kuchen – ich komme gerne wieder" sind da zu lesen. Das bestätigt Adrian Kießling in seinem Tun: "Ich bin Handwerker aus Leidenschaft, weil ich mich selbst und andere Menschen zufriedenstellen, dabei aber auch viel ausprobieren kann."
Geduld und Durchhaltevermögen
Im Rückblick ist er froh, seinen persönlichen Weg zur eigenen Bäckerei so zielstrebig gegangen zu sein. "Ich brauchte schon etwas Geduld und viel Durchhaltevermögen", spielt er auf die oft bürokratischen Formalitäten bis zum Start seines Betriebes an. Bei der Erstellung seines Businessplans und der Beantragung von Fördermitteln über das Amt für landwirtschaftliche Entwicklung half ihm die betriebswirtschaftliche Beratung der Handwerkskammer weiter. "Bis dann alles in trockenen Tüchern war und ich den Umbau des Ladens und die Erneuerung der Backstube angehen konnte, vergingen allerdings ein paar Monate. Das kann tatsächlich ziemlich nervig sein." Mittlerweile ist er in seiner Bäckerei Kießling mit einem zusätzlichen Mitarbeiter in der Backstube und zwei Angestellten sowie einer Aushilfe im Verkauf auf einem guten Kurs, macht sogar schon Pläne für die Zukunft: "Ich möchte gerne die Backstube vergrößern und zukünftig neben Brot, Brötchen und selbstgemachtem Kuchen auch Torten anbieten."