Innungen "Nur echte Mehrwerte überzeugen zur Innungsmitgliedschaft"

Michael Frikell, Geschäftsführer der Innung München-Ebersberg, erklärt im Interview, warum Dienstleistungen für die Zukunft der Innungen unverzichtbar sind, wieso Fusionen in manchen Fällen sinnvoll sind und welchen politischen Einfluss die Interessenvertretungen des Handwerks haben.

Michael Frikell Geschäftsführer der Bauinnung München-Ebersberg Foto: Bauinnung
Michael Frikell Geschäftsführer der Bauinnung München-Ebersberg. - © Bauinnung

Herr Frikell, viele Innungen benötigen neue Mitglieder, um weiter bestehen zu können. Wie lassen sich Betriebe gewinnen?

Die Zukunft der Innungen liegt im Dienstleistungsgeschäft. Künftige Generationen lassen sich nur durch echte Mehrwerte für den eigenen Betrieb von einer Mitgliedschaft überzeugen. Das ist nicht nur der monatliche Stammtisch, sondern etwa die Rechtsberatung, die bei einem konkreten Thema helfen kann oder ein innovatives Format mit praktischem Nutzen für die Handwerksunternehmer.

Solche Leistungen können auch durch Kooperationen der Innungen untereinander oder vom Verband angeboten werden. Es muss für den Betrieb klar ersichtlich sein, welche Dienstleistungen er für seinen Mitgliedsbeitrag bekommt. Am Ende muss das Preis-Leistungs-­Verhältnis stimmen.

Kann ich als Betrieb ausprobieren, ob sich eine Mitgliedschaft in der Innung für mich lohnt?

Die Bauinnung München-Ebersberg bietet eine dreimonatige Schnuppermitgliedschaft an. Diese ist kostenlos, mit einem eingeschränkten Leistungsumfang, nutzbar. Wer zu uns kommt, hat meistens ein konkretes Problem und möchte wissen, ob wir ihn professionell unterstützen können. Schaffen wir es ihm bei seinem Anliegen zu helfen, interessiert sich der Betrieb oftmals auch für die weiteren Leistungen der Innung und bleibt bei uns. Auch andere Innungen bieten solche Möglichkeiten bereits an.

Sind die Mitgliedszahlen in der Bauinnung stabil?

Auch wir haben, wie die meisten Innungen in Deutschland, mit weniger Mitgliedern zu kämpfen und verzeichnen etwa ein Minus von zwei bis drei Prozent im Jahr. Allerdings ist fast niemand dabei, der wegen Unzufriedenheit aus der Innung austritt, sondern meistens ist der Renteneintritt verbunden mit einer Betriebsaufgabe der Grund. Viele Unternehmen finden keine Nachfolger. Und damit endet leider auch die Innungsmitgliedschaft. Erschwerend kommt für unsere Mitglieder zukünftig die Baukrise hinzu, die den Betrieben zu schaffen macht und manche an den Rand der Existenz bringt.

Wären Fusionen mit anderen Innungen eine Option für Sie?

Grundsätzlich sind wir dafür offen und haben bei der zurückliegenden Fusion mit der Bauinnung Wasserburg-Ebersberg sehr gute Erfahrungen gemacht. Wir haben 40 neue Mitglieder gewonnen. Davon haben wir auch wirtschaftlich profitiert. Von einem leichten Defizit haben wir es zu einer schwarzen Null geschafft. Allerdings sind wir bereits eine sehr große Innung und verhalten uns zurückhaltend bei Fusionen. Für kleinere Innungen bieten sich auch Fusionen oder Kooperationen untereinander an, um attraktiv für die Mitglieder zu bleiben.

Wie beschreiben Sie das Verhältnis zwischen den Innungen?

Wir pflegen einen engen und regelmäßigen Austausch zu den anderen. Unser Netzwerk umfasst auch Innungen anderer Gewerke hier in der Region. Als Geschäftsführer bespreche ich mich mit den Kolleginnen und Kollegen und wir nehmen gegenseitig Anregungen mit. Allerdings lässt sich aufgrund der heterogenen Struktur und Größe der Innungen nicht alles einfach auf den eigenen Geschäftsbereich übertragen.

Werden die Innungen von der Politik beachtet?

Man nimmt uns definitiv wahr und wir verleihen unseren Interessen Gehör bei Politikern der Stadt München. Dabei profitieren wir auch von unserem sehr guten Draht zur Handwerkskammer. Allerdings wird bei politischen Entscheidungen eher selten die Meinung der Innung berücksichtigt. Das ist bedauerlich, weil wir durchaus eine gewichtige Stimme sind, wenn man sich allein anschaut, welche Wertschöpfung unsere mehr als 230 Mitgliedsbetriebe für die Region schaffen.