Homeoffice2go – mobiles Minibüros Wenn das Homeoffice zum Arbeitnehmer kommt

Eine Zimmerei in Ottobeuren sorgt sich um die Work-Life-Balance. Viele Menschen arbeiten mittlerweile dauerhaft im Homeoffice – ob ganz oder teilweise. Dafür braucht man passende Räumlichkeiten. Josef Hummel baut mobile Minibüros und möchte damit das Bedürfnis nach immer mehr Flexibilität bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern bedienen.

Homeoffice2go
Wenn das Homeoffice mobil ist, kann es sowohl den Einsatzort flexibel ändern als auch den Arbeitnehmer, der es nutzt. - © Louis Zuchtriegel/Hummel Blockhaus

"Wo Homeoffice möglich ist, arbeiten die Beschäftigten im Durchschnitt 1,5 Tage pro Woche von zuhause", meldete erst kürzlich das ifo Institut. Der Anteil der Beschäftigten, die mindestens teilweise im Homeoffice arbeiten, liegt derzeit bei 25 Prozent. Das geht aus einer Unternehmensumfrage des Instituts hervor, das das Homeoffice mittlerweile als einen "integralen Teil der Arbeitskultur in Deutschland" beschreibt.

Zimmereiinhaber Josef Hummel weiß aber auch, dass der Laptop am Küchentisch dafür keine Zukunft hat. "Das war vielleicht kurzfristig während der Pandemie nötig, aber diejenigen, die langfristig im Homeoffice arbeiten, brauchen dafür einen passenden Raum, Ruhe und Konzentration", erklärt er. Dass er als Handwerker eine besondere Verbindung zum Homeoffice hat, ist ungewöhnlich – für ihn aber schon Jahrzehnte Alltag.

Neue Arbeitsmodelle sind gefragt – auch mobile Homeoffices

Josef Hummel baut Homeoffices bzw. eigentlich baut er Holzhäuser. Doch diese haben sich Stück für Stück zum mobilen, flexiblen Homeoffice entwickelt. "Wir haben uns einst auf kleine Nebengebäude aus Holz spezialisiert. Seit über 30 Jahren bauen wir aber auch immer wieder Gartenhäuser so um, dass daraus Homeoffices werden, die ganzjährig zum Arbeiten genutzt werden können", berichtet Hummel. Vom klassischen Büro, über kleine Arztpraxen bis hin zu Räumen für Anwälte waren dabei viele Varianten des Homeoffices darunter.

Durch die Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach neuen Arbeitsmodellen wie diesen aus der Nische gekommen. Um diese an die heutige Arbeitswelt anzupassen und das Homeoffice langfristig für mehr Menschen attraktiv zu halten, hat sich die Zimmerei von Josef Hummel – Blockhaus Hummel aus Ottobeuren im Allgäu – etwas einfallen lassen. Sie bietet ein Homeoffice to go an, ein mobiles Tiny-Office. Man kann es mieten oder kaufen. Arbeitnehmer können so ihr Büro vom Alltag abgrenzen und dennoch zuhause verfügbar sein. Arbeitgeber können mit einem Arbeitsplatz auch gleich ein komplett ausgestattetes Homeoffice anbieten und dabei an Attraktivität gewinnen.

Homeoffice im Tiny-House

Das "Homeoffice2go", so der offizielle Name, ist dabei vergleichbar mit einem Tiny-House. Es ist auf einem Trailer gebaut, hat ein maximales Gewicht von 3,5 Tonnen und Abmessungen, die es erlauben, dass man es sogar mit einem Pkw von einem Ort zum anderen bewegen kann. Alle Wände sind gedämmt, eine Heizung ist integriert und auch sonst erinnert die technische Ausstattung an ein kleines Wohnhaus.

Homeoffice2go
Das Homeoffice2go ist auf einem Trailer gebaut. Es hat ein maximales Gewicht von 3,5 Tonnen, ist gedämmt und technisch ähnlich einem Wohnhaus ausgestattet. - © Louis Zuchtriegel/Hummel Blockhaus

Dabei ist Josef Hummel ehrlich und sagt, dass er den Trend des dauerhaften Wohnens in Tiny-Houses als nicht ganz so einfach und vorteilhaft beschreibt. "Dabei kommt man schnell an die Grenzen durch Bebauungspläne", sagt er. Anders sei das bei Tiny-Offices, die man meistens auf das eigene Grundstück stellt und damit den eigenen Wohnraum erweitert und gleichzeitig davon befreit, gleich mehrere Funktionen erfüllen zu müssen. "Da muss man schon ehrlich sein. Kaum einer kann mitten im normalen Familienalltag konzentriert arbeiten. Aber heutzutage wollen auch immer weniger Arbeitnehmer, die im Büro arbeiten, stundenlang im Stau stehen auf dem Weg dorthin", sagt Hummel.

Er erlebt immer häufiger, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für immer mehr Arbeitnehmer so wichtig ist, dass sie bei der Berufswahl mitbestimmt – und auch, wenn es um die Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber geht. So seien am Homeoffice2go eben nicht nur Selbstständige interessiert oder diejenigen, die ein eigenes Grundstück besitzen. Dass es mobil ist, macht es auch für diejenigen nutzbar, die keine Eigenheimbesitzer sind oder diejenigen, die für den Job immer wieder den Wohnort ändern. Andererseits können Unternehmen es Arbeitnehmern auch anbieten und an eine bestimmte Arbeitsstelle koppeln.

Homeoffice zum Testen

Mobile Einsätze sind aber auch ganz anders möglich. "Wir hatten gerade den Fall, dass sich eine Bäckerei gemeldet hat, die ihre Geschäftsräume sanieren musste. Die haben dann für die Dauer der Sanierung ein Tiny-Office gemietet und neben die Backstube gestellt", erzählt der Zimmereiinahber. Dass man die mobilen Minibüros mieten, nutzen viele Interessierte auch zum Testen, ob sie mit dieser Form des Arbeitens klarkommen. "Die wenigsten bleiben aber dabei. Wenn es für sie passt, ist das Mieten meist nicht die langfristige Wahl", sagt Hummel.