Kolumne Schlechte Stimmung in der Ausbildung: Das hilft

Wenn Azubi und Ausbilder eine zunehmend getrübte Stimmung im Betrieb wahrnehmen, kann dies zu Konflikten führen. Ausbildungsberater Peter Braune kennt solche Fälle und hat Tipps.

Smiley traurig
Wenn Azubis sich nicht mehr wohl fühlen auf der Arbeit, sollten sie mit ihrem Ausbilder reden. Ein Gespräch unter vier Augen hilft oft Konflikte zu lösen. - © Cagkan - stock.adobe.com

Die Tochter einer guten Bekannten macht seit eineinhalb Jahren eine Ausbildung zur Friseurin. Ihre Ausbilderin und die Chefin sind mit den Leistungen zufrieden. Die Chefin hält allerdings ihr Auftreten, im Umgang mit den Kundinnen und Kunden, für zu locker. Bisher hatte sie es vermieden, das Verhalten direkt anzusprechen, weil es ihr nicht leichtfällt, die Kritik zu üben. Die junge Frau spürt aber, dass sie beobachtet wird und wie sich die Chefin zunehmend ärgert. Deshalb ist die Stimmung zwischen den beiden schon seit einiger Zeit getrübt. Sie ahnt, dass es etwas mit ihrem Verhalten zu tun hat. Nun wollte sie von mir wissen, was bei so einem schwelenden Konflikt die sinnvollste Lösung wäre.

Ständiger enger Kontakt kann anstrengend sein

Ich meine, dass die enge Zusammenarbeit mit der Chefin, sowie die ständige Anwesenheit der Kundschaft anstrengend sein kann. Es kann recht gut sein, dass hier die Grundlage für die Konflikte liegt. Besonders im Friseurhandwerk sind die Kundinnen und Kunden ständig anwesend, man ist mit ihnen auf Tuchfühlung. Zudem stehen sie unter der ständigen Beobachtung durch die Chefin, was durch die vielen Spiegel im Salon noch verstärkt wird.

Wird ein Konflikt, sowohl im Privatleben wie auch im Berufsleben, lange Zeit verdrängt oder verniedlicht, kann er sich an den Nebensächlichkeiten entzünden und dann zu einer heftigen Auseinandersetzung führen. So ist auch ihre Chefin seit längerer Zeit unzufrieden mit ihrem Verhalten. Sie hat aber bisher ihren Unmut nicht geäußert. Daher hatte sich bei ihr bereits eine Menge Ärger angestaut. Der Konflikt schwelt und wird sich heftig sicher bald entladen.

Offenes Gespräch empfehlenswert

Für beide gilt gleichermaßen, möglichst schnell das Gespräch miteinander zu suchen und zwar bevor die Probleme sich häufen. Sie könnten so die Verschlimmerung der Lage durch ein offenes Gespräch vermeiden. Häufig ist es nicht leicht, sich die eigene Position klar zu machen und zu erkennen, was genau stört und welche Erwartungen bestehen. Das ist allerdings erforderlich, um die Kritikpunkte auch genau besprechen zu können.

In so einem Fall helfen nur die unmissverständlichen Regeln, um die erforderliche Klarheit zu schaffen. Die Chefin sollte in dem Gespräch genau erklären, was sie in ihrem Betrieb erwartet, welche Regeln gelten und was verändert werden muss. Sie sollten daher einen geeigneten Zeitpunkt für ein Gespräch suchen. Das findet unter vier Augen und mit ausreichend Zeit statt.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.