Kolumne Wie eine Einstiegsqualifikation gelingen kann

Gut qualifizierte Jugendliche, die eine allgemeinbildende Schule verlassen, sind unter Umständen schwer zu finden. Ausbildungsberater Peter Braune findet, dass Betriebe daher immer wieder die vielen Möglichkeiten prüfen und systematisch nutzen sollten, auch den schwächeren oder benachteiligten Jugendlichen ein Angebot zu machen.

Bohrer mit Zollstock
Betriebe sollten auch schwächer qualifizierten Jugendlichen eine Chance bieten, den Berufsalltag im Handwerk kennenzulernen. Dies kann mit einer Einstiegsqualifizierung gelingen. - © maho - stock.adobe.com

Der Einstieg in eine Lehre wird durch viele Förderprogramme und berufsvorbereitende Maßnahmen unterstützt. Hier wäre zum Beispiel für diesen Zweck die Einstiegsqualifizierung zu nutzen. Das Ziel von diesem Angebot ist, noch nicht ausbildungsreife Jugendliche oder junge Erwachsene, an die Aufnahme einer Lehre im Betrieb heranzuführen.

Die Maßnahmen dienen zur Vermittlung von Grundlagen, für den Erwerb beruflicher Handlungsfähigkeit. Sie werden sozialpädagogisch begleitet. Mit so einer Einstiegsqualifikation bekommen die jungen Leute eine Chance, zum Kennenlernen von einem Lehrberuf, betrieblichen Abläufen und den Regeln für das Berufsleben. Außerdem können sie ihr Geschick unter Beweis stellen.

Dafür absolvieren sie ein sechs- bis zwölfmonatiges Praktikum in einem Betrieb. Die Meisterin oder der Meister lernen in dieser Zeit die Betroffenen näher kennen. Das ist besser als jeder Einstellungstest. Wenn die Zeit vorbei ist, können sie nahtlos in ein Lehrverhältnis einmünden.

Die Probezeit der Qualifizierungsmaßnahme beträgt zwei Monate, die tägliche Qualifizierungszeit, für unter achtzehnjährige, sieben und für ältere Jugendliche acht Stunden. Es handelt sich um ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis. Auf vorherigen Antrag, bei der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter, wird die Vergütung, bis zu einem Höchstbetrag und die Sozialversicherung, mit einer Pauschale, erstattet.

Sachliche Gliederung als Hilfestellung

Dem Vertrag zur Einstiegsqualifizierung wird eine sachliche Gliederung beigefügt. Die wird passend zum Qualifizierungsprofil und späteren Lehrberuf erstellt. Dabei helfen die Fachleute der Ausbildungsberatung örtlich zuständiger Kammern.

Ein Beispiel aus den Holzberufen:

Bearbeiten von Holz

Tätigkeiten:

  • Vorbereiten von Arbeitsabläufen, Auswerten von Informationen
  • Anfertigen und Anwenden von technischen Unterlagen, Durchführung von Messungen
  • Holz- und Holzwerkstoffe auswählen
  • Be- und Verarbeiten von Holz- und Holzwerkstoffen
  • Transportieren, Lagern und Pflegen von Holz, Rohmaterialien und Erzeugnissen
  • Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit, Umweltschutz

Ein Beispiel aus den Kraftfahrzeugberufen:

Kraftfahrzeugservice

Tätigkeiten:

  • Prüfen, Einstellen und Warten von Fahrzeugen
  • Montieren und Demontieren von Bauteilen
  • Betriebliche und technische Kommunikation
  • Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit
  • Umweltschutz

Die möglichen Kandidatinnen und Kandidaten vermitteln die Fachkräfte aus dem Jobcenter oder der Agentur für Arbeit. Der Vertrag, mit dem Plan, wird dort eingereicht und dann bestätigt, dass die Qualifizierung gefördert wird. Mit dieser Bestätigung gelangt beides zur zuständigen Kammer.

Rechtzeitig vor Ende erstellen die im Betrieb Verantwortlichen eine Leistungsbeurteilung. Eine Kopie bekommt die zuständige Sachbearbeitung der Kammer. Dort wird ein Zertifikat ausgestellt.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.