Das Geld sitzt nicht mehr so locker wie vor Pandemie und Krieg. Materialkosten und Bauzinsen bremsen Investitionen aus. Eine Studie zeigt, warum Kleinhandwerker das gut verkraften und bislang weitgehend unbeschadet durch das Jahr kommen.

Die fetten Jahre am Bau scheinen vorbei. So verzeichnete das Bauhauptgewerbe im Jahr 2022 einen Umsatzrückgang von preisbereinigt 5,1 Prozent. Während sich die Branche über Jahre vor Aufträgen kaum retten konnte, scheint der Mix aus hohen Baupreisen, stark gestiegenen Finanzierungskosten und einer zunehmenden Verunsicherung bei Investoren nun den Abschwung zu beschleunigen.
Kleinbetriebe, so könnte man meinen, dürften besonders unter dieser Situation leiden. Schließlich verfügen sie häufig über weniger Mittel und Rücklagen als größere Bauunternehmen, um eine Krise abzufedern. Doch die Studie "Kleinhandwerk & Generalisten am Bau 2023" zeichnet ein anderes Bild. Demnach sind viele Betriebe mit weniger als fünf Mitarbeitern bislang fast unbeschadet durch das Jahr gekommen.
Stornierungswelle bleibt aus
Über alle Gewerke des Bauhandwerks hinweg wurden bei den Kleinbetrieben in den vergangenen sechs Monaten nur 5,2 Prozent der Aufträge von den Auftraggebern storniert. Besonders niedrig ist die Quote bei den Elektro- und SHK-Installateuren mit lediglich 3,3 bzw. 4,1 Prozent an stornierten Projekten. Das geht aus insgesamt 600 Telefoninterviews hervor, die das Marktforschungsunternehmen Bauinfoconsult mit Betrieben aus dem Kleinhandwerk geführt hat.
Die Zahlen sind erstaunlich niedrig im Vergleich zu den größeren Baufirmen, die von zweistelligen Stornierungsraten berichten. Auch die Auftragsbücher der kleinen Betriebe sind weiter voll. Im Schnitt reicht die Auftragsreichweite bereits bis ins Jahr 2024 hinein. Für die Analysten liegen die Gründe für die weitgehend entspannte Situation auf der Hand.
Während der lahmende Neubau für viele Großbetriebe zum Kerngeschäft zählt, sind Generalisten und Kleinhandwerker meist deutlich breiter aufgestellt und erzielen einen wesentlichen Teil ihres Umsatzes mit Modernisierung, Sanierung und Instandhaltung. Laut der Befragung machen diese Tätigkeiten im Durchschnitt sogar zwei Drittel des gesamten Auftragsbestandes aus. Das Umsatzvolumen dieser Aufträge liegt manchmal nur im dreistelligen, aber oftmals auch im vier- oder fünfstelligen Eurobereich. In der aktuell angespannten Situation würden solche Aufträge eher vergeben, als Investitionen in teure Neubauten getätigt.
Schlanke Strukturen und hohe Flexibilität erweisen sich für die befragten Handwerksbetriebe als besonderer Vorteil. Wer Tätigkeiten über sein Kerngeschäft hinaus anbieten kann, weist laut der Studie derzeit ein besonders hohes Auftragspolster aus.
Material fast 40 Prozent teurer
Ganz unberührt bleiben aber auch die Kleinbetriebe von der Baukrise nicht. So drücken die hohen Materialpreise auf die Gewinnspanne. Ob Beton, Mörtel, Putze, holzbasierte Dachbaustoffe, Heiztechnik, Fliesen und Natursteine oder Materialien für Beplankungen – alles ist wesentlich teurer geworden. Über alle baurelevanten Produktgruppen hinweg haben sich die Preise laut der Erhebung von Bauinfoconsult um 38 Prozent erhöht. Bei einzelnen Bauteilen liege die Steigerung sogar im Bereich von 100 Prozent.
Dennoch sind die meisten Kleinhandwerker ihren Händlern treu. Nur jeder zehnte hat seine Geschäftspartner 2022 gewechselt. Häufig sind niedrigere Preise ausschlaggebend.