Produktion und Import ausbauen Wasserstoff-Strategie: Regierung drückt aufs Gas

Wasserstoff soll sowohl importiert als auch in Deutschland selbst produziert werden. In diesen Sektoren soll das Gas bei der Klimawende helfen.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing kündigte an, ein Wasserstoff-Tankstellennetz aufbauen zu wollen. - © Stock57 - stock.adobe.com

Die Bundesregierung will die Produktion, den Import und die Verwendung von Wasserstoff in Deutschland beschleunigen. "Wir haben das Ambitionsniveau für Wasserstoff noch einmal deutlich gesteigert", sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), der gemeinsam mit anderen Kabinettsmitgliedern einen entsprechenden Beschluss zur Fortschreibung der Nationalen Wasserstoffstrategie vorstellte. "Mit dem Wasserstoff dekarbonisieren wir die nicht elektrisch zu erschließenden Bereiche", sagte er mit Blick auf Teile der Industrie, des Verkehrs und der Energiewirtschaft.

Großer Importbedarf an Wasserstoff

Habeck schätzt, dass Deutschland im Jahr 2030 einen Bedarf an rund 130 Terrawattstunden Wasserstoff haben wird. Ein Drittel davon soll in Deutschland hergestellt werden, zwei Drittel sollen etwa aus Norwegen, aus Südeuropa oder anderen Teilen der Welt durch Leitungen oder – in Ammoniak gebunden – per Schiff nach Deutschland kommen. Dafür soll eine gesonderte Importstrategie entwickelt werden.

Strategie soll mehr Planungssicherheit bringen

Nach den Worten von Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) legt die Regierung mit der beschlossenen Wasserstoffstrategie nochmals Tempo zu. "Wir wollen die Energiewende schaffen, wir wollen den Klimawandel bekämpfen, wir brauchen aber auch eine wettbewerbsfähige Wirtschaft in unserem Land", sagte sie. Der Beschluss schaffe mehr Planungssicherheit für die Unternehmen und für die Kommunen.

Möglichst viel grünen Wasserstoff nutzen

Entscheidend für den Wasserstoff-Hochlauf ist nach Einschätzung der Ministerien, diesen nachhaltig und umweltfreundlich zu gestalten. Sprich: Wasserstoff sollte mit erneuerbaren Energien im so genannten Elektrolyseverfahren produziert werden. Dabei wird mit Hilfe von elektrischem Strom das Wassermolekül in die Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Der Vorteil: Es entsteht kein klimaschädliches Kohlendioxid. Der sogenannte blaue Wasserstoff wird dagegen mit Erdgas hergestellt.

Habeck rechnet mit schnelleren Hochlauf als bisher erwartet

Am Anfang des Hochlaufs wird das nicht einfach. "Die Faustformel ist deshalb: Wir fördern grünen Wasserstoff und nehmen alles", sagte Habeck deshalb mit Blick auf den so genannten blauen Wasserstoff. Jetzt gehe es darum, den Hochlauf zu organisieren, die Wasserstoffleitungen zu bauen und die Kraftwerke umzustellen. Seiner Einschätzung nach werde dies schneller gehen als bisher erwartet. Ziel sei dabei, immer mehr grünen Wasserstoff zu verwenden.

Wissing sieht große Bedeutung für den Verkehrssektor

Wie Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) betonte, spielt Wasserstoff für den Verkehrssektor eine enorme Rolle. "Ohne ihn ist klimaneutrale Mobilität und Logistik nicht denkbar." Dies gelte sowohl für den Güterverkehr, für schwere Nutzfahrzeuge als auch für den Individualverkehr. "Wir brauchen Wasserstoff direkt für die Brennstoffzelle, aber auch für die Herstellung synthetischer Kraftstoffe, die unverzichtbar sind für Klimaneutralität im Verkehrssektor", fügte er hinzu. Deswegen werde ein Wasserstoff-Tankstellennetz aufgebaut werden. Außerdem solle ein Masterplan für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie im Verkehr entwickelt werden.