Innovation in der Fassadenreinigung Surrende Saubermacher: Wenn eine Drohne die Fenster putzt

Bei Hochhäusern mit großen Fassaden ist die Glasreinigung eine Herausforderung. Üblicherweise kommen hier Industriekletterer oder Gebäudereiniger in Gondeln zum Einsatz. Das könnte sich ändern. Ein Reinigungsunternehmen hat jetzt eine Drohne entwickelt, die genau solche Arbeiten übernehmen kann. Die weltweite Nachfrage ist riesig.

Drohne zum Reinigen großer Glasfassaden
Große Glasfassaden zu reinigen, ist nicht ungefährlich. Eine Gebäudereinigung arbeitet daran, dazu eine Drohne mit Wassertank und Bürsten einzusetzen. - © Eye on Process GmbH

Seitdem Uwe Böhme öffentlich über seine Geschäftsidee spricht, bekommt er Anfragen aus der ganzen Welt. "Viele würden gerne meine Mitarbeiter samt der Technik buchen", sagt der Geschäftsführer der Gebäudereinigung Lissowski aus Aachen. Doch wie viele andere Branchen kämpft auch das Gebäudereinigerhandwerk stark mit dem Fachkräftemangel. "So viel Personal habe ich gar nicht, um die Nachfrage zu decken." Gemeint ist dabei Personal mit einer besonderen Qualifikation. Denn einige Mitarbeiter der Gebäudereinigung haben – schon jetzt oder künftig – einen Drohnenführerschein.

Sie dürfen die über zwei Meter breite Reinigungsdrohne steuern, die das Unternehmen entwickelt hat. Sie beschreibt eine Technik, die vor allem bei denjenigen auf großes Interesse stößt, die sich um die Reinigung großer Glasfassaden an Hochhäusern kümmern müssen. In wackligen Höhen, an rutschigen Flächen und dort dann alles streifenfrei zu reinigen, stellt eine große Herausforderung dar. Standardmäßig setzen professionelle Reinigungsfirmen hier entweder Gondeln ein, auf denen die Gebäudereiniger arbeiten. Oder ausgebildete Industriekletterer übernehmen den Job. Immer wieder kommt es hierbei allerdings zu Unfällen. Uwe Böhme berichtet davon, dass man für den Einsatz am Klettergurt noch schwieriger qualifizierte Mitarbeiter findet wie generell in der Branche.

Drohne soll große Glasfassaden reinigen: Motoren selbst entwickelt

Neben der Nachfrage nach der Dienstleistung ist es aber auch ein großes Interesse an der Technik, die der erfinderische Geschäftsführer erlebt. Die Drohne hat er mitentwickelt und gemeinsam mit der RWTH Aachen arbeitet er derzeit schon an der nächsten Version. Doch erst einmal muss der Cleancopter 1.0 auf den Markt kommen. Geplant war dies eigentlich für dieses Jahr, doch die Lieferschwierigkeiten einzelner Komponenten im Nachgang der Corona-Krise machten der Gebäudereinigung einen Strich durch die Rechnung.

"Uns fehlten unter anderem die Motoren. Wir sind dann dazu übergegangen, sie selbst zu bauen und das hat etwas gedauert", berichtet Böhme. Nun ist der erste Prototyp des Cleancopter fertig und die Firma testet ihn ausgiebig bzw. die Mitarbeiter mit Drohnenführerschein. Diesen muss jeder erlangen, der eine Drohne mit einem Gesamtgewicht über 250 Gramm steuern möchte. Die Reinigungsdrohne der Gebäudereinigung Lissowski hat schon mit Akku, ohne gefüllten Wassertank, ein Gewicht von rund 60 kg. Der Wassertank fasst circa 30 Liter.

Ausgestattet ist sie außerdem mit Düsen, die Wasser auf die Glasfläche sprühen und Bürsten, die durch horizontale Bewegungen den Schmutz entfernen. "Die erste Drohne hatte noch Walzen statt Bürsten, aber diese haben einen so großen Widerstand erzeugt, dass der Akku schnell leer war", erinnert sich Uwe Böhme an die ersten Versuche bei der Entwicklung der Drohne. Bevor es allerdings soweit war, musste er erst einmal testen, ob man mit einer Drohne überhaupt so dicht an Glas heranfliegen und ob man sie dann noch gut steuern kann.

Drohne zur Fensterreinigung: Nicht nur etwas für die großen Firmen

Vieles hat er ausprobiert, immer weiter ausgefeilt und teilweise verworfen – und bis heute ist das Gebäudereinigungsunternehmen damit weltweit das einzige, das bald eine Reinigungsdrohne für so große Glasfassaden anbieten kann. "Wir haben auch ein weltweites Patent angemeldet. Die Nachfrage ist aus dem Ausland noch viel größer als hierzulande", berichtet Uwe Böhme und verweist allein auf die asiatischen Großstädte mit vielen, sehr großen Hochhäusern, die vielfach eine Glasfassade haben. Vorgestellt hat das Unternehmen den Cleancopter vor rund einem Jahr auf einer Fachmesse in Amsterdam und seitdem gehen schon Bestellungen bei Uwe Böhme ein. So berichtet er etwa davon, dass für den Burj Kalifa – das mit 828 Metern höchste Gebäude der Welt in Dubai – eine größere Menge bestellt ist. Der Einzelpreis liegt derzeit bei weit über 100.000 Euro.

Drohne zum Reinigen großer Glasfassaden
Die Reinigungsdrohne ist rund 2 m breit und wiegt über 60 kg. - © Eye on Process GmbH

Trotz dieser gewaltigen Anschaffungskosten sieht Uwe Böhme das Thema allerdings nicht nur als eines der sehr großen Firmen im Gebäudereinigerhandwerk an. Es sei ein Thema für alle, die auf Glasflächen spezialisiert sind. "Es kommt darauf an, wie viel Glas ich reinige, wenn ich als Betrieb überlege, ob sich das lohnt", sagt er. Auf der Firmenwebsite cleancopter.de gibt es ein Rechentool, um die Wirtschaftlichkeit zu prüfen. Nach Rücksprache mit diversen Banken sind laut Böhme auch Leasingmodelle für den Erwerb der Drohne denkbar.

Bevor die Reinigungsdrohne allerdings auf dem Markt kommt, bedarf es noch einiger Entwicklungsschritte. Derzeit muss das Luftfahrtbundesamt nämlich noch jeden Drohneneinsatz objektbezogen genehmigen – und das bringt Wartezeiten mit sich. Der Einsatz der Reinigungsdrohne muss sich erst noch in der Praxis bewähren. Wenn bei diesen einzeln zu genehmigenden Eingriffen keine Probleme auftreten, wird laut Böhme von der Behörde eine grundsätzliche Freigabe in Erwägung gezogen. Der Geschäftsführer rechnet 2024 damit. Dann soll das Drohnengeschäft der Gebäudereinigung auch in eine neue Firma ausgelagert werden. "Dafür suchen wir noch Investoren", fügt Uwe Böhme an.

Drohneneinsatz soll automatisiert ablaufen

Doch auch während dieser Entwicklungszeit arbeitet das Unternehmen weiter an der Drohnentechnik. Ziel ist die Automatisierung – auch damit langfristig weniger speziell geschultes Personal gebraucht wird. Ist es derzeit noch so, dass die Drohne nur dann fliegt und die Fassade reinigt, wenn sie von einem Drohnenpiloten gesteuert wird und eine weitere Person dies beobachtet, um gegebenenfalls Eingreifen zu können. So soll künftig nur noch ein Flug an jeder Fassade nötig sein – sozusagen um einmal deren Abmessungen zu scannen. Später könnte dann die Drohne bei weiteren Einsätzen einfach auf die Daten zugreifen und automatisch die Fassade reinigen.

Außerdem soll es möglich sei, dass mehrere Drohnen miteinander kommunizieren. "Wenn beispielsweise bei einer Drohne ein Wassertank leer ist oder der Akku, soll dann eine zweite direkt an der Stelle ansetzen und weiterreinigen, an der die erste aufgehört hat", erklärt Uwe Böhme. Zum Einsatz kommt an den Glasfassaden übrigens keine Reinigungschemie, sondern nur entmineralisiertes Wasser. Es hinterlässt auf dem Glas weder Salz- noch Kalkflecken. So wird es streifenfrei auch in wackligen Höhen.

>>> Wie der Cleancopter technisch aufgebaut ist und wie ihn Gebäudereiniger in der Praxis einsetzen können, lesen Sie hier in einem ausführlichen Onlinebeitrag des Fachmagazins rationell reinigen.