Energiewende Was die Installation der Wärmepumpe so komplex macht

Heizungsbauer Thermondo rühmt sich, Wärmepumpen besonders schnell einbauen zu können. Das Handwerk mahnt zur Sorgfalt bei der Installation. Denn der Einbau von Wärmepumpen ist komplex.

Wärmepumpentechnik ist komplex. Im Berufsbildungszentrum der SHK-Innung München haben Auszubildende die Möglichkeit zu üben. - © SHK-Innung München

Beim Einbau einer Wärmepumpe können viele Fehler gemacht werden. Die Anlage kann zu groß oder klein dimensioniert werden. Die Abstandsregeln in Reihenhaussiedlungen haben es in sich. Bisweilen streiten sich Nachbarn über den Lärm, der von einer Wärmepumpe ausgehen kann. Mal funktioniert die Warmwasseraufbereitung nicht richtig, dann stellt die Wärmepumpe an einem kalten Wintertag den Betrieb ein. Oder die Betriebskosten in einem unzureichend sanierten Haus steigen ins Unermessliche.

Axel Kaufmann vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) kennt die Herausforderungen: "Es gibt Anbieter am Markt, die sich darauf spezialisiert haben, Kunden Standardinstallationen in Arbeitsteilung anzubieten und damit rasant viele Wärmepumpenanlagen einbauen können." In vielen Fällen, etwa in Altbauten, stoße der standardisierte Prozess allerdings an seine Grenzen. "Die Technik ist komplex, die Installation einer Wärmepumpe dauert leicht dreimal so lange wie die einer Gas- oder Ölheizung“, sagt Kaufmann. Fachkräfte müssten spezialisiert sein, um die Planung, Installation und Optimierung der Wärmepumpen zu gewährleisten. Wenn beispielsweise die Wärmepumpe zu oft taktet, werde sie ihre Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren nicht erreichen. "Außerdem arbeitet sie dann nicht mehr so effizient. Wenn solche Fehler gemacht werden, bekommt diese Technik nicht den Stellenwert, den sie haben könnte", sagt Kaufmann.

Mehr Wärmepumpen in weniger Tagen

Das traditionelle Handwerk rechnet aktuell für die Installation einer Wärmepumpe mit einem Fachkräftebedarf von 18 Personentagen und nennt zwölf Personentage als Ziel. Thermondo konnte die Produktivität seiner Fachkräfte nach eigenen Angaben innerhalb weniger Monate fast verdoppeln. Der Berliner Heizungsinstallateur benötigt – die Daten stammen aus dem Januar 2023 – pro Installation einer Wärmepumpe zehn Personentage. Bis Mitte 2023 rechnet Thermondo sogar damit, in nur etwa sieben Personentagen installieren zu können.

Steffi Michailowa, Head of Learning & Development bei Thermondo, erklärt, warum ihr Unternehmen schneller ist als manch traditioneller Betrieb: "Thermondo fokussiert sich auf Ein- und Zweifamilienhäuser im Bestand. In diesem Bereich haben wir eine extrem hohe Expertise und können dank unserer arbeitsteiligen und digital gestützten Prozesse sehr schnell installieren. Wir sind soweit, dass wir für uns einen Standard definiert haben und auch innovieren."

Zusammenarbeit mit Helfern beim Einbau der Wärmepumpe

Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) wertet Thermondos Berechnungen als "nicht völlig unrealistisch". Die unterschiedlichen Zahlen beruhten jedoch auf unterschiedlichen Grundannahmen. Auf der einen Seite werde nur die einfache Standardinstallation betrachtet, während der ZVSHK den Durchschnitt aller Wärmepumpen-Installationen herangezogen habe, unabhängig von Komplexität und Größe der Anlage. "Zudem gibt es im Handwerk – anders als in der Industrie – nur bedingt die Möglichkeit, durch Skalierung bzw. arbeitsteiliges Handeln effizienter zu werden." Dafür seien die Bauaufgaben in der Regel zu heterogen und komplex.

Die Wärmepumpen-Installation erfolgt in drei Schritten durch verschiedene Gewerke: Fundamentbau, Elektrik und Heizungsmontage. Im Gutachten von Thermondo heißt es: "Dabei erfordert ein Großteil der Tätigkeiten keine formale Qualifikation und kann von Montagehelfern übernommen werden, beispielsweise der Fundamentbau, das Verlegen von Kabeln oder das Isolieren der Heizungsrohre." Einen formalen Abschluss als SHK- oder Elektro-Fachkraft erforderten hingegen nur Aufgaben, die ein Viertel der Arbeitszeit vor Ort ausmachten: beispielsweise Arbeiten am Trinkwassersystem oder an der Elektroverteilung. Deshalb plädiert Thermondo für eine konsequente Aufgabenteilung zwischen Fachkräften und Helfern mit dem Ziel, alle beteiligten Gewerke auf der Baustelle zu entlasten. "Ausgebildete Fachkräfte können sich so auf die anspruchsvollen und kritischen Tätigkeiten fokussieren, darunter auch Qualitätssicherung, Abnahme und Inbetriebnahme des Gesamtsystems", so Thermondo. Das biete eine deutliche Zeitersparnis und schaffe Kapazität für mehr Installationen.

Thermondo setzt also auf das Zusammenspiel von länger ausgebildeten Handwerkern und kürzer geschulten Helfern. Im Gutachten findet sich ein Satz, der zumindest in der Energieabteilung des Bundeswirtschaftsministeriums gerne gelesen wird: "Bei konsequentem Einsatz entsprechend befähigter Montagehelfer kann pro Installation einer Wärmepumpe der Personalbedarf an Fachhandwerkern – SHK- und Elektrofachkräfte mit Gesellen- oder Meisterabschluss – auf bis zu 1,7 Personentage reduziert werden. Das heißt, pro Fachhandwerker könnten 8,2 Wärmepumpen im Monat installiert werden."

Industrie nicht mit SHK-Handwerk vergleichbar

Der ZVSHK hat diese Aussagen geprüft. Er verweist darauf, dass sich Industrieunternehmen und kleine Handwerksbetriebe stark unterscheiden: "Die Rationalisierungsüberlegungen von Thermondo sind aus Sicht eines auf kurzfristigen Erfolg durch Skalierungseffekte ausgerichteten Unternehmens nachvollziehbar, nicht jedoch mit den langfristigen und nachhaltigen Planungen eines durchschnittlichen SHK-Handwerksbetriebes."

Dabei geht Thermondo noch einen Schritt weiter und kommt zu Schlussfolgerungen, die von Teilen der Politik erfreut aufgenommen werden dürften: "Eine Schlüsselrolle beim Wärmepumpen-Ausbau spielen (…) das Gewinnen, die fokussierte Schulung und der gezielte Einsatz von Quereinsteigern, Handwerkern ohne formalen Berufsabschluss oder auch von Zugewanderten ohne hierzulande anerkannte Ausbildung." Sie könnten in wenigen Wochen zur Wärmepumpen-Installation befähigt werden.

Das sehen erfahrene Handwerker durchaus kritisch. Andreas Lotter, Installateur- und Heizungsbaumeister aus Pfreimd, sagt: "Nach der Ausbildung von 3,5 Jahren zum Anlagenmechaniker dauert es nochmal zwei bis drei Jahre, bis sich ein Monteur einigermaßen gut auskennt, er muss Erfahrungen in der Praxis sammeln." Die "Ausbildung" eines guten Monteurs dauere also fünf bis sechs Jahre. "Zudem sehe ich die Gefahr, dass die Industrie so ihre eigenen Leute ausbilden würde und dann selber montiert", sagt Lotter. "Mit deren höheren Stundenlöhnen würde das unseren Personalmangel im Handwerk weiter verschärfen."

Derzeit setzen einzelne Unternehmen bereits auf private Akademien, in denen Quereinsteiger in sogenannten Bootcamps angelernt werden. Um diesen Personen eine langfristige Perspektive im Arbeitsmarkt bieten zu können, sollten nach Vorstellung von Thermondo Politik und Verbände eingreifen und neue Abschlüsse schaffen. "Instrumente, Infrastruktur und Richtlinien müssen erarbeitet und bereitgestellt werden, um zertifizierbare Teilqualifikationen anzubieten, die zu einem anerkannten Berufsabschluss führen können", heißt es im Thermondo-Gutachten. Für Unternehmen würden institutionell verankerte Abschlüsse inklusive externer Abschlussprüfungen eine zusätzliche Qualitätssicherung bieten. Und schließlich wären solche Abschlüsse auch eine Chance für kleinere Handwerksbetriebe, die nicht aus eigenen Ressourcen eine entsprechende Akademie oder eine ähnliche fokussierte Ausbildung betreiben können.

Bestehende Berufe verkürzen

Thermondo fordert gänzlich veränderte Berufsbilder: In dreieinhalb Lehrjahren zum Anlagenmechaniker SHK würden zum Beispiel der Wärmepumpe im Berufsschulunterricht heute nicht mehr als acht Stunden eingeräumt. Gleichzeitig enthalte das Ausbildungsprofil Inhalte, die für die Installation einer Wärmepumpe nicht relevant seien. "Bestehende Berufsprofile sollten daher auf zwei Jahre gekürzt und in verschiedenen Fachrichtungen (z. B. 'Installation von alternativen und regenerativen Energiesystemen') angeboten werden", fordert Thermondo. Denkbar wäre ein Berufsabschluss "Anlagenmechaniker für Energiewende-Anwendungen", der alle erforderlichen Qualifikationen für die Installation von Wärmepumpen, PV-Anlagen, Batterien, Elektrofahrzeug-Ladegeräten und Smart-Home-/Energy- Management-Systemen beinhaltet.

Ein Vorschlag, von dem die Gewerkschaft IG Metall überhaupt nichts hält. Helmut Dittke, Koordinator Handwerkspolitik beim IG Metall-Vorstand, sagt: "Einige fordern staatlich finanzierte Teilqualifizierungsprogramme um Kosten zu sparen oder weil ihr Geschäftsmodell so speziell ist, dass es inhaltlich keine Vollausbildung ermöglicht." Dies könne weder im Interesse der Politik noch der jungen Auszubildenden sein.

Allerdings gibt auch der Gewerkschafter zu, dass Plattformanbieter wie Thermondo ihre Arbeitsabläufe gut organisiert hätten. "Wo die Startups wirklich einen Schritt voraus sind, ist die Frage, wie sich im Handwerk Effizienz steigern und Prozesse verbessern lassen." Auch hier arbeite die IG Metall gemeinsam mit den Handwerksverbänden an innovativen digitalen Lösungen und Optimierungsstrategien.