Arbeitsschutz trotz Personalmangel Weniger Krankheitsausfälle: Wie Chefs ihr Team gesund halten

Fehlen durch Personalmangel im Team Arbeitskräfte, müssen die Übrigen mehr leisten. Das belastet körperlich und psychisch. Wie Unternehmer ihre und die Gesundheit der Mitarbeiter schützen können? Ein kleiner SHK-Betrieb aus Sachsen macht´s vor.

Lukas Herrmann (rechts) und sein Auszubildender tragen eine mobile Heizanlage.
Lukas Herrmann (rechts) und ein Auszubildender heben die mobile Heizzentrale über einen Graben und Treppen hinweg. Sie haben trainiert, wie sie solche Lasten rückenschonend bewegen können. - © Peter Schomanek

Wenn Torsten und Lukas Herrmann einen Kessel ausbauen, dann packen viele mit an. "Wir trommeln vorher die Manpower von befreundeten Firmen zusammen und helfen uns gegenseitig. So verteilen wir die Lasten auf viele Hände", beschreibt Elke Herrmann. In dem kleinen Familienunternehmen leitet sie das Büro, während ihr Ehemann, ihr Sohn und der Azubi auf Baustellen unterwegs sind. Gerne hätten die Herrmanns ein, zwei weitere Monteure. "Aber man findet ja keine", seufzt die Chefin über den Personalmangel.

Fast alle Handwerksbranchen leiden unter Fachkräftemangel. Das hat Folgen auch auf die Gesundheit. Je knapper die Belegschaft, desto höher der Druck auf den Einzelnen. Die DAK hat für ihren Gesundheitsreport gezielt Berufe untersucht, in denen der Personalmangel besonders groß ist. Das Ergebnis: Je knapper besetzt die Teams sind, desto höher der Krankenstand. Aus dem Handwerk hatte die DAK die SHK-Branche untersucht.

14.000 Fachkräfte fehlen im SHK-Handwerk

Die Betriebe für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik stehen auf der Liste der Engpassberufe der Arbeitsagentur an dritter Stelle, gleich nach den Gesundheitsberufen. Rein rechnerisch konnten hier 2022 acht von zehn Stellen nicht besetzt werden, so das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (Kofa) in seiner Studie "Fachkräftemangel und Ausbildung im Handwerk 2023". Wenn man die Zahl der ausgeschriebenen Stellen mit der Zahl der arbeitslos gemeldeten Handwerker gegenüberstellt, fehlen demnach fast 14.000 Fachkräfte.

Torsten und Lukas Herrmann bilden wegen des Mangels verstärkt aus – so wie viele Betriebe der SHK-Branche. Ein Azubi ist bereits im Betrieb, im Herbst beginnt ein zweiter. "Aber wenn sie direkt von der Schule kommen, sind sie nicht auf die körperliche Arbeit vorbereitet", sieht Elke Herrmann.

Tabelle zu Ausfallzeiten am Bau und Personalmangel
Am Bau und in baunahen Berufen herrscht Personalknappheit. Ein Zusammenhang mit den hohen Ausfallzeiten ist trotzdem nicht eindeutig. - © Quellen: Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit; Kurzbericht Gesundheit 2023 der IKK Classic; Grafik: Holzmann Medien

Hilfsmittel sollen Personalmangel ausgleichen

Der Betrieb in Bad Schandau arbeitet bereits mit vielen Hilfsmitteln, Tragegurten, akkubetriebenen Sackkarren und Hubwagen. "Aber trotzdem bleibt es nicht aus, dass die Heizung in einem engen Keller an ihren Fleck gebracht werden muss." Um die jungen Männer damit nicht zu überfordern, haben die Herrmanns mit der IKK Classic ein betriebliches Gesundheitsmanagement durchgeführt. "Wir wurden gezielt geschult: in Bewegungsthemen, zum Heben schwerer Lasten oder zum Bewegen auf Leitern, aber auch, wo wir grundsätzlich Dinge verbessern können", berichtet Elke Herrmann. Der Unterschied sei spürbar. "Sie erinnern sich jetzt immer selbst daran, dass sie sich erst einmal gerade hinstellen und vor dem Heben die Bauchmuskeln anspannen."

In den Bau- und Ausbauberufen haben Muskel- und Skeletterkrankungen seit jeher einen überdurchschnittlich hohen Anteil an den Ausfalltagen. Auch 2022 gingen 37 Prozent der Arbeitsausfälle hierauf zurück, zeigen Auswertungen der IKK Classic. Ein höheres Alter der Beschäftigten, aber auch Stress und eine dünne Personaldecke erhöhen die orthopädischen Ausfälle. "Stress kann aber auch zu Magen-Darm-Beschwerden, Gewichtsverlust, einem geschwächten Immunsystem, zu Schlafstörungen oder im schlimmeren Fall zu Burn-out führen", warnt Simone Schubert. Die Gesundheitsmanagerin hatte Herrmanns Betrieb mehrmals besucht und alle Prozesse durchleuchtet.

Muskel-Skeletterkrankungen in Bauberufen überdurchschnittlich häufig

Wegen der hohen Raten an Muskel-Skeletterkrankungen hatte die DAK in ihrem Gesundheitsreport den gebäude- und versorgungstechnischen Berufen einen erhöhten Krankenstand attestiert und dies auf den Personalmangel bezogen. Tatsächlich sind SHK-Handwerker aber seltener krank als Handwerker in anderen Bau- und baunahen Berufen, zeigt der Vergleich im Kurzbericht Gesundheit 2023 der IKK Classic. Während die Gesamtheit der Bauberufe 7,8 Prozent Ausfalltage hat, sind es im SHK-Bereich 7,1 Prozent.

In Tagen gerechnet fehlte am Bau 2022 jeder Beschäftigte im Schnitt 28,5 Tage, im SHK-Handwerk 25,8 Tage. Verglichen mit der Gesamtwirtschaft sind diese Ausfallraten sehr hoch. Dort liegt der Krankenstand bei 5,5 Prozent. Insgesamt war 2022 in allen Branchen ein schlechtes Gesundheitsjahr. Wegen sehr vieler Atemwegsinfekte hatte der Krankenstand Rekordniveau.

Zusammenhang zwischen Personalmangel und Fehlzeiten

Einen Zusammenhang zwischen dem Fachkräftenmangel im Handwerk und einem Anstieg bei den Fehlzeiten kann die IKK Classic bisher nicht bestätigen. Kurzfristig gelte sogar das Gegenteil, so Petra Laux-Kern, Fachberaterin für Prävention: "Im Handwerk sinkt die Zahl der Krankheitstage, wenn die Auftragslage sehr gut ist." Das bedeute nicht, dass es den Handwerkern besser gehe. Es spreche eher dafür, dass man in kleinen Teams die Kollegen nicht zusätzlich belasten wolle.

Familie Herrmann hat entschieden, bei ihrem Kampf gegen den Fachkräftemangel nicht nur auf Ausbildung zu setzen, sondern auch auf Prävention. "Wir machen da auf jeden Fall weiter", hat Elke Herrmann schon die nächste Schulung im Auge. Sie hat ein klares Ziel: Die jetzigen Azubis sollen lange Zeit und bei guter Gesundheit im Betrieb bleiben.