Mangelnde Berufsorientierung Jugendliche denken, "E-Sportler" sei ein Ausbildungsberuf

Schüler wollen mit "Du" angesprochen werden und Handwerksbetriebe sollten bei der Azubi-Suche voll auf Social Media setzen – stimmt das wirklich? Eine neue Studie zeigt, wie die junge Generation tickt – und offenbart: Von vielen Ausbildungsberufen haben Jugendliche keinen blassen Schimmer.

In Deutschland gibt es 324 Ausbildungsberufe. "E-Sportler" oder "Persönlicher Gesundheitsassistent" gehören nicht dazu. - © ronstik - stock.adobe.com

Nicht ganz die Hälfte aller Ausbildungsstellen in Deutschland waren im Sommer 2022 noch unbesetzt, so die Bundesagentur für Arbeit. Viele davon auch im Handwerk. 4.284 Schüler und Azubis sowie 1.639 Ausbildungsverantwortliche wurden jetzt vom u-form Verlag dazu befragt, warum sie nicht zueinander finden.

Die Studie des Herausgebers von Materialien zur Vorbereitung auf IHK-Prüfungen kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Knapp drei Viertel der befragten Jugendlichen sind davon überzeugt, dass es die Ausbildungsberufe "E-Sportler" und "Persönlicher Gesundheitsassistent" gibt. Zwar können Jugendliche in Deutschland zwischen 324 Ausbildungsberufen wählen, zum professionellen Videospiel-Gamer oder Gesundheitsexperten können sie sich aber nicht ausbilden lassen.

Gen Z: Mangelnde Berufsorientierung und hohe Ansprüche

Offensichtlich mangelt es an der Berufsorientierung. Das erkennen auch viele der Befragten. Die Hälfte der Schüler und Azubis und 45,3 Prozent der Ausbildungsverantwortlichen nennen das als Grund für unbesetzte Ausbildungsstellen. Ein Aspekt, der zur Verwirrung potenzieller Bewerber beiträgt, ist die ständig wachsende Zahl von Ausbildungsberufen. Darunter finden sich auch im Handwerk Berufsbilder, die vielen Jugendlichen nicht als erstes in den Sinn kommen, wenn sie an Ausbildungsberufe denken. Zum Beispiel Schilder- und Lichtreklamehersteller, Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker oder Büchsenmacher. Studienberaterin Felicia Ullrich nennt einen weiteren Grund für die Unsicherheit der Schüler: "Während der Coronapandemie sind entsprechende Präsenzangebote weggefallen."

Ein weiteres Studienergebnis: Die Generation Z blickt kritischer auf sich selbst als die Ausbildungsbetriebe. Die Frage "Ist die Anspruchshaltung der jungen Generation mitverantwortlich für unbesetzte Ausbildungsplätze" beantworten 40,6 Prozent der Schüler und Azubis mit "Ja". Bei den Ausbildern stimmen nur 35,3 Prozent zu.

Nicht alle Jugendliche geeignet

Den Hauptgrund für unbesetzte Stellen sehen Ausbildungsverantwortliche an anderer Stelle: 54 Prozent sprechen den Jugendlichen die Eignung für den Beruf ab. Eine Folge, so die Studienautoren: Aus Angst, den Falschen einzustellen, werden eigentlich geeignete Bewerber nicht genommen. Nur eine Minderheit der Ausbildungsbetriebe führe aktuell Eignungstests durch. Dabei könnten diese helfen, passende Bewerber zu identifizieren.

Du oder Sie?

Wie möchten potenzielle Bewerber auf Karriereseiten, Stellenanzeigen oder in persönlichen Gesprächen angesprochen werden? Mehr als die Hälfte bevorzugt laut Studie das "Du", jeder zehnte das "Sie" und dem restlichen Drittel ist es egal. Das Duzen wird laut der Umfrage auch häufiger in der Praxis angewandt. Zwei von drei Ausbildern wählen diese Ansprache.

Interessant für Handwerksbetriebe auf Azubi-Suche: 61,6 Prozent der befragten Schüler und Azubis würden lieber in einem Unternehmen arbeiten, das Mitarbeiter duzt.

Azubis lassen sich am besten über Social Media anwerben, oder?

Für viele Unternehmen gelten die sozialen Medien bei der Azubi-Suche als Mittel der Wahl. Die Studie zeigt jedoch: Dieser Gedankengang ist nicht immer richtig. Für die Hälfte der Zielgruppe spielen Facebook, Instagram, TikTok und Co. keine Rolle bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Komplett darauf verzichten sollten Ausbilder aber trotzdem nicht. Jeder zehnte Ausbildungssuchende nutze Social Media gezielt bei der Suche nach einer Lehrstelle. Dabei verwenden sie die Kanäle Instagram und TikTok am häufigsten. Rund 40 Prozent sehen sich selbst als Passiv-Sucher auf den Netzwerken: Erhalten sie ein entsprechendes Angebot, schauen sie es sich an, sie suchen jedoch nicht aktiv. tb