Statistik der BG BAU Baugewerbe: Diese Berufskrankheiten treten am häufigsten auf

Auf deutschen Baustellen haben sich im vergangenen Jahr weniger Unfälle ereignet als noch im Vorjahr. Die Zahl der gemeldeten Berufskrankheiten ist hingegen deutlich gestiegen, wie eine Statistik der BG BAU zeigt. Eine Berufskrankheit wurde besonders häufig gemeldet.

Gestürzter Bauarbeiter bekommt Erste Hilfe.
Die Zahl der Arbeitsunfälle auf Baustellen ist 2022 laut BG BAU im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. - © wellphoto - stock.adobe.com

Die Zahl der Arbeits- und Wegeunfälle in der Bauwirtschaft ist 2022 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Allerdings gab es 2022 deutlich mehr gemeldete Berufskrankheiten. Das teilt die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) mit. Demnach gehören zu den häufigsten Berufskrankheiten Lärmschwerhörigkeit, weißer Hautkrebs durch natürliche ultraviolette Strahlung und Lungenkrebs durch Asbest.

Arbeits- und Wegeunfälle gesunken

Die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle in der Bauwirtschaft und den baunahen Dienstleistungen sank von 103.525 im Jahr 2021 auf 99.380 im Jahr 2022. Das ist ein Rückgang um vier Prozent. Auch die Zahl der meldepflichtigen Wegeunfälle ist gesunken. Lag sie im Jahr 2021 noch bei 8.808, wurden der BG BAU im vergangenen Jahr 8.298 Wegeunfälle gemeldet. Das sind rund sechs Prozent weniger.

Mehr Menschen auf dem Weg zur oder von der Arbeit tödlich verunglückt

74 Beschäftigte sind infolge eines Arbeitsunfalls im Jahr 2022 gestorben, so die BG BAU. Das waren elf weniger als im Vorjahr. Demgegenüber ist die Zahl der tödlichen Wegeunfälle deutlich gestiegen: 22 Beschäftigte haben im vergangenen Jahr ihr Leben auf dem Weg zur oder von der Arbeit nach Hause verloren (2021: 12).

Lärmschwerhörigkeit ist die am häufigsten gemeldete Berufskrankheit

Ebenfalls ein Anstieg ist bei den Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit zu verzeichnen. Von 16.492 Verdachtsanzeigen im Jahr 2021 stieg die Zahl auf 18.228 im Jahr 2022. Dies entspricht einem Gesamtanstieg um über zehn Prozent. Die am häufigsten gemeldeten Berufskrankheiten sind Lärmschwerhörigkeit (4.010), Hautkrebs durch Sonneneinstrahlung (2.675), Lendenwirbelsäulenerkrankungen (1.666) und Lungenkrebs durch Asbest (1.291).

Asbest: Häufigste Todesursache bei Berufskrankheiten

Bei den Berufskrankheiten ist Asbest die häufigste Todesursache. In den vergangenen zehn Jahren sind 3.376 Versicherte der BG BAU infolge einer asbestbedingten Berufserkrankung gestorben, allein im Jahr 2022 waren es 320. Laut BG BAU ist der Stoff zwar seit 1992 verboten, Asbest ist aber noch immer in vielen Gebäuden enthalten. Bei Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten können Asbeststäube beispielsweise aus Fliesenklebern, Spachtelmassen, Putzen oder Estrich freigesetzt und von Beschäftigten eingeatmet werden. Mit schwerwiegenden Folgen: Asbestfasern können Krankheiten wie Asbestose oder Lungenkrebs verursachen.

Gewerkschaft fordert deutlich mehr Kontrollen

Dirk Müller, alternierender Vorsitzender des Vorstandes der BG BAU, blickt grundsätzlich positiv auf das vergangene Jahr: "2022 ist das erste Jahr, in dem wir in der Bauwirtschaft weniger als 100.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle haben. Das ist eine gute Nachricht." Zugleich mahnt Müller: "Das ist trotzdem kein Grund, dass wir uns zurücklehnen. Ganz im Gegenteil: Es bleibt viel zu tun, um den Arbeitsschutz weiter voranzubringen und noch wirksamer zu machen."

Der Bundesvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, IG BAU-Chef Robert Feiger, bewertet jeden Unfall als einen zu viel. Das Unfallgeschehen auf dem Bau sei nach wie vor hoch. "Das macht die Statistik der BG BAU deutlich. Außerdem dürfte die Dunkelziffer der Bauunfälle noch einmal deutlich höher sein. Zum einen werden viele – gerade kleinere – Unfälle gar nicht gemeldet. Zum anderen werden da, wo ausländische Beschäftigte auf Baustellen arbeiten, Unfälle oft bagatellisiert oder vertuscht", so Feiger.

Er fordert einen höheren Kontrolldruck auf die Betriebe. Allerdings, kritisiert er, mangele es in den zuständigen Behörden der Bundesländer an Personal: "Nach dem aktuellen Bericht 'Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit' des Bundesarbeitsministeriums stehen den zuständigen Behörden der Länder bundesweit insgesamt – auf Vollzeitstellen gerechnet – nur 1.468 Aufsichtsbeamte mit Arbeitsschutzaufgaben zur Verfügung. Das sind viel zu wenige. Eine wirksame und intensive Überwachung des Arbeitsschutzes ist so nicht möglich – das betrifft gerade auch den Bau." ew