Ausstellung der Jahrhundertglocke 175 Jahre Nationalversammlung – darin steckt viel Handwerk

Die Jahrhundertglocke der Frankfurter Paulskirche wurde 1948 gegossen und ist ein Wahrzeichen für Demokratie und Fortschritt – und ein Symbol für den Anteil des Handwerks an beidem. Anlässlich des 175. Jubiläums der Nationalversammlung war sie nun wieder zu sehen. 1848/49 waren auch zehn Handwerker Teil der demokratischen Revolution.

Gruppe vor Jahrhundertglocke
Bundestagspräsidentin Bärbel Bas, Bernd Ehinger, Ehrenpräsident der Handwerkskammer, Kammerpräsidentin Susanne Haus, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundesinnenministerin Nancy Faeser, Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner, Oberbürgermeister Mike Josef und Bürgermeisterin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg (v.li.n.re.) mit der Jahrhundertglocke. - © Thomas Feda, Tourist+Congress Frankfurt

Vom 15. bis 22. Mai wurde die Glocke hier neben der Kirche ausgestellt und durfte bestaunt werden. Hierfür wurde sie um ein Podest und eine Stele samt Info-Tafel erweitert. Letztere wurden stilecht durch die Metall-Innung Frankfurt-Offenbach von deren Mitgliedsbetrieb John Lohrmann Stahlhandwerk GmbH angefertigt. Die Stele erinnert an die Teilhabe des Handwerks in der Nationalversammlung von 1848 und verdeutlicht dessen Stellenwert über die Jahrhunderte bis in die heutige Zeit. Sie wurde in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Hessen erstellt.

Einheitliches Handwerkerrecht

Die Aufstellung der Jahrhundertglocke wurde im Rahmen einer Pressekonferenz gefeiert. Neben Kammerpräsidentin Susanne Haus nahmen Stephanie Wüst, Wirtschaftsdezernentin von Frankfurt am Main, und Thomas Feda, Geschäftsführer der Frankfurter Tourismus + Congress GmbH, teil. John Lohrmann, Obermeister der Metall-Innung und verantwortlich für Podest und Stele, war ebenfalls vor Ort. Susanne Haus betonte in ihrer Ansprache den Anteil des Handwerks an der Nationalversammlung 1848, der zehn Männer angehörten, die ihre Wurzeln im Handwerk hatten oder durch Handwerk geprägt waren: "Viele Details zu den zehn Handwerkern finden sich in Archiven leider nicht mehr. Es ist allerdings belegt, dass sie sich schon damals für die Schaffung eines einheitlichen Handwerksrechts einsetzten. Außerdem warben sie für eine Reform des Bildungssystems, um die Berufsausbildung zu verbessern und Handwerkern den Zugang zu höherer Bildung zu erleichtern. Beides sind Themen, die auch im Jahr 2023 für das Handwerk noch relevant sind. Dies ist etwa am Beispiel des Campus für Berufliche Bildung zu sehen, mit dem wir ebenfalls die Berufsausbildung in Frankfurt verbessern und so ein effektives Zeichen gegen den Fachkräftemangel setzen."

Klang für den Frieden

Als nationales Symbol steht die Paulskirche bis heute für Freiheit. Aufgrund ihrer Rolle als "Wiege der Demokratie" wurde sie nach dem Zweiten Weltkrieg als eines der ersten Gebäude Frankfurts wieder aufgebaut und zum 100-jährigen Jubiläum der Nationalversammlung am 18. Mai 1948 wiedereröffnet. Im Zuge dessen erhielt sie auch ein neues Geläut. So wurde als Zeichen des Friedens in Bochum die sogenannte Jahrhundertglocke gegossen, die flankiert war von vier weiteren Glocken aus dem thüringischen Apolda sowie einer verbliebenen Vorkriegsglocke. Im Jahr 1987 kam die Jahrhundertglocke schließlich in den Sammlungsbestand des Historischen Museums Frankfurt und geriet, wie auch die vier Glocken aus Apolda, in Vergessenheit.

Festakt mit Bundespräsident

Daher sei nun auch von Seiten der Stadt die Freude über die Präsentation der Glocke und die Erinnerung an den Anteil des Handwerks an der demokratischen Revolution groß, wie Dezernentin Stephanie Wüst in ihrem Grußwort erklärte: "Die Handwerker in der Nationalversammlung haben schon damals gezeigt, dass das Handwerk nicht nur eine wirtschaftliche Rolle spielt, sondern auch im politischen Leben Deutschlands. Das 175. Jubiläum der ersten Nationalversammlung bietet damit auch eine Gelegenheit, die Bedeutung des Handwerks für die Gesellschaft und politische Entwicklung Deutschlands zu würdigen und gleichzeitig dazu aufzurufen, sich gesellschaftlich und politisch einzubringen. Mein Dank gilt daher der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, die im Rahmen des Paulskirchenfestes das Engagement der Handwerker damals wie heute sichtbar macht."

Beim Festakt zum Jubiläum der Paulskirchenversammlung am 18. Mai wurde die Jahrhundertglocke öffentlichkeitswirksam von Frank- Walter Steinmeier, dem zwölften Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, mitsamt einer Delegation besucht.