Wasserstofffähige Gasheizungen sind eine "Scheinlösung", kritisiert ein Bündnis von 16 Organisationen, zu denen unter anderem der gewerkschaftliche Fachverband der Schornsteinfeger ZDS zählt. Sie fordern eine Überarbeitung des geplanten Gebäudeenergiegesetzes.

Ein Bündnis aus Umweltschutzverbänden, Gewerkschaften und Fachverbänden warnt vor dem Einbau wasserstofffähiger Gasheizungen. In einem gemeinsamen Brief an Bundestagsabgeordnete rufen 16 Organisationen die Parlamentarier dazu auf, den entsprechenden Absatz aus dem Gesetzesentwurf zum Gebäudeenergiegesetz (GEG) zu streichen. "Der Einbau einer neuen Gasheizung, in der Zuversicht, diese kurz- oder mittelfristig mit klimaneutralem Wasserstoff betreiben zu können, ist mit immensen ökologischen und finanziellen Risiken verbunden", warnt das Bündnis.
Schornsteinfeger halten nichts von H2-Ready-Heizungen
Auch Norman Wegert, Vorstand für Technik und Bildung im gewerkschaftlichen Fachverband der Schornsteinfeger ZDS, einer der 16 unterzeichnenden Organisationen, hält nichts vom Einbau wasserstofffähiger Gasheizungen. "Damit werden nur falsche Anreize gesetzt", sagt er. Die Verbraucher würden zudem zu wenig über steigende Gaspreise und die späteren Umrüstkosten unterrichtet werden, warnt er. Auch ohne die sogenannten H2-ready-Gasheizungen blieben den Verbrauchern noch genügend Optionen für den Heizungstausch.
Gesetzesentwurf sieht Einbau einer H2-ready-Heizung vor
Hintergrund des Vorstoßes ist der im April vom Kabinett verabschiedete Gesetzesentwurf zum Gebäudeenergiegesetz (GEG), der in den nächsten Wochen vom Parlament beraten wird. Danach soll ab 2024 jede neu installierte Heizung zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Möglich ist nach dem derzeitigen Entwurf auch der Einbau einer Erdgasheizung, wenn diese technisch auch in der Lage ist, reinen Wasserstoff zu verarbeiten (H2-ready-Gasheizung). Daneben muss der Netzbetreiber einen Transformationsplan vorlegen, wonach das entsprechende Versorgungsgebiet bis zum Jahr 2035 auf Wasserstoff umgestellt werden soll.
Bündnis warnt: Wasserstoff bleibt knappes und teures Gut
Wie es im Brief weiter heißt, ist davon auszugehen, "dass Wasserstoff selbst im Zeithorizont nach 2030 ein knappes Gut bleibt und nur zu sehr hohen Preisen zur Verfügung stehen wird". Zudem sei es wissenschaftlicher Konsens, dass eine Umstellung der bisher auf Erdgas basierenden Versorgungsstruktur (Netze, Hausanschlüsse, Heizungen) zu Wasserstoff in der Breite des Gebäudesektors weder technisch noch wirtschaftlich umsetzbar sei. Angesichts der immer drängenderen Klimakrise bleibe keine Zeit, auf Scheinlösungen zu setzen und durch sie viele Jahre weiter an Erdgas festzuhalten. Davor warnen die Unterzeichner des Briefes, zu denen unter anderem der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), die Gewerkschaft IG Bau, der Bundesverband Wärmepumpe und der Bundesverband Gebäudeenergieberater Ingenieure Handwerker (GIH) gehören.