ZDH-Konjunkturbericht Geschäftslage im Handwerk hellt sich auf

Branchen wie das Lebensmittel-, Gesundheits- und Kraftfahrzeuggewerbe melden bessere Geschäfte. Auch die Geschäftserwartungen der Handwerksbetriebe fielen wieder positiver aus. Sorgenkind bleibt nach wie vor der Bausektor.

Hände nehmen Brille von Regal.
Im Gesundheitsgewerbe – zudem auch das Augenoptikerhandwerk zählt – hat sich die Geschäftslage wieder verbessert. - © cherryandbees - stock.adobe.com

Die konjunkturelle Lage im Handwerk hat sich nach einem Dämpfer im Herbst 2022 zum Jahresbeginn weiter verbessert. Das zeigt der aktuelle Konjunkturbericht des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). 48 Prozent der Betriebe berichteten von guten Geschäften im ersten Quartal 2023 (I/2022: 49 Prozent), 13 Prozent von schlechten (I/2022: 15 Prozent). Laut ZDH stützten die staatlichen Entlastungsmaßnahmen für Energie, die einsetzende Entspannung der Lieferketten und der sich abzeichnenden Rückgang der Inflation die Geschäftslage.

Auch die Geschäftserwartungen der Handwerksbetriebe fielen wieder positiver aus als zuvor. Der Geschäftsklimaindikator für das Handwerk stieg im Vorjahresvergleich um zwei Zähler auf 120 Punkte. Gegenüber dem Herbst 2022 betrug der Anstieg 23 Zähler.

Aufhellung in allen Handwerksbranchen

Durchweg berichten wieder mehr Handwerksbetriebe aus allen Gewerben von einer guten Geschäftslage, wie der ZDH-Konjunkturbericht zeigt:

  • Bau(haupt)gewerbe: Beinahe jeder zweite Betrieb (48 Prozent) berichtet von einer guten Geschäftslage.
  • Ausbaugewerbe: Die Ausbauhandwerke zeigten sich noch stabiler als die Gewerke des Bauhauptgewerbes. Hier meldeten drei von fünf Betrieben eine gute Geschäftslage (60 Prozent).
  • Handwerke für den gewerblichen Bedarf: Stabil zeigte sich die Geschäftslage der Handwerke für den gewerblichen Bedarf. Wie vor einem Jahr meldeten 46 Prozent der Betriebe eine gute geschäftliche Entwicklung im Quartal 2023. Zugleich sank der Anteil der Betriebe mit schlechtem Geschäftslageurteil leicht.
  • Kraftfahrzeuggewerbe: Vor einem Jahr prägte der Mangel an Fahrzeugen, Fahrzeuggestellen und Ersatzteilen die Branche. Mittlerweile hat sich die Situation teilweise gebessert, was sich im ZDH-Konjunkturbericht zeigt. Insgesamt meldeten elf Prozentpunkte der Kfz-Betriebe mehr als vor einem Jahr gute Geschäfte (39 Prozent), elf Prozentpunkte weniger schlechte (14 Prozent) – und das trotz des weiterhin bestehenden Problems bei der Belieferung mit Fahrzeuggestellen des handwerklichen Karosseriebaus.
  • Lebensmittelgewerbe: Deutlich besser als im Herbst 2022, als unter anderem die hohe Energie- und Nahrungsmittelpreise die Geschäfte belasteten, beurteilten die Lebensmittelhandwerke ihre aktuelle Geschäftslage. Der Anteil der von einer Verbesserung ausgeht, hat sich verdreifacht (33 Prozent). Die harten Konjunkturindikatoren für Bäcker, Fleischer und Konditoren verblieben allerdings durchweg im negativen Bereich.
  • Gesundheitsgewerbe: Auch in den Gesundheitshandwerken lagen die Geschäftslageurteile deutlich über dem des Herbstes 2022. 39 Prozent der Betriebe berichteten von guten Geschäften (III/2022: 32 Prozent), nur noch 16 Prozent von schlechten (III/2022: 22 Prozent).
  • Personenbezogene Dienstleistungsgewerbe: Die Geschäftslageurteile der privaten Dienstleister stiegen im Vergleich zum ersten Quartal 2022. Neun Prozentpunkte der Betriebe mehr meldeten gute Geschäfte (31 Prozent), elf Prozentpunkte weniger schlechte (24 Prozent).

Sorgenkind bleibt der Bausektor

Obwohl auch die Unternehmen der Baubranche von einer insgesamt guten Geschäftslage berichten, warnt der ZDH hier vor anderweitig zunehmenden Problemen. "Noch haben die Betriebe im Bausektor gut zu tun, doch wegen steigender Zinsen und höherer Finanzierungskosten brechen die Auftragsvorläufe teils deutlich ein", sagte Holger Schwannecke, Generalsekretär des ZDH, der Deutschen Presse-Agentur.

Er forderte die Politik zum Gegensteuern auf. "Wenn die im Baubereich in den vergangenen Jahren mühsam aufgestockten Kapazitäten nicht wegbrechen sollen, muss Politik die Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen, für eine verlässliche Förderkulisse sorgen sowie für insgesamt geeignete Rahmenbedingungen zum Beispiel bei Steuern."

Nach dem ZDH-Konjunkturbericht wird vor allem im Wohnungsbau das geschäftliche Umfeld zunehmend geprägt durch die infolge schlechterer Finanzierungskonditionen rückläufigen Bauinvestitionen. Stabilisierend wirkten die in den Vorjahren aufgebauten hohen Auftragsbestände. Die Auftragsbestände aber nehmen ab. Die traditionelle Belebung am Bau im Frühjahr werde voraussichtlich nur schwach ausfallen.

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe kommentierte in dem Konjunkturbericht, insbesondere im Wohnungsbau gehe die Nachfrage zurück. Als Gründe genannt wurden das deutlich erhöhte Niveau der Immobilien-Finanzierungskosten bei abgesenkter Förderung, aber zugleich gestiegenen Energieeffizienzanforderungen. "Seit Juni letzten Jahres sind Baugenehmigungen und Order im Wohnungsbau im Rückwärtsgang und das mit zunehmendem Tempo." Die Bauunternehmen verzeichneten demnach im Februar einen Rückgang der Aufträge im Wohnungsbau von 37 Prozent. Die großen Wohnungsbauverbände hatten bereits deutlich gemacht, dass sie den Neubau in Deutschland vor dem Kollaps sehen. Der Staat müsse seine Fördergelder für den Wohnungsbau deutlich aufstocken.

ZDH: Im Handwerk bleiben hohe Risiken

Trotz der insgesamt guten Geschäftslage und den positiven Geschäftserwartungen im Handwerk gäbe es aber nach wie vor erhebliche konjunkturelle Risikofaktoren, so Schwannecke – die Sicherheit der Energieversorgung, die Inflation und die Entwicklung der Kapitalmarktzinsen. "Unter all diesen Vorzeichen ist daher keine starke Konjunkturbelebung im Handwerk in diesem Jahr zu erwarten, bestenfalls ein in der zweiten Jahreshälfte 2023 einsetzender Aufwärtstrend." Umso wichtiger sei, dass die Bundesregierung mit ihren Entscheidungen den Betrieben keine zusätzlichen Belastungen aufbürde. dpa/ew

>>> Den vollständigen ZDH-Konjunkturbericht 1/2023 gibt es hier zum Download.