Mit nur 21 Jahren wird Gina von der Weth Konditormeisterin. Mit nur 23 Jahren hat sie sich mit ihrem "Endorphine Studio" selbstständig gemacht. Ein filmisches Schlüsselerlebnis war ausschlaggebend, warum sie jetzt für süße Glücksmomente mit Sahnecreme und Schokolade sorgt.

Mit Gina von der Weth zu sprechen, hat etwas ungemein Positives. Die junge Frau strahlt, erzählt begeistert von ihrer Arbeit als Konditorin und blickt voller Zuversicht in die Zukunft. 23 Jahre ist sie alt. Und sie hat schon eine Menge erreicht.
Sie hat den Meister gemacht, die Weiterbildung zur Schokoladen-Sommelière gleich angehängt und seit dem 1. April ist sie mit ihrer eigenen kleinen Auftragskonditorei in Heidelberg selbstständige Unternehmerin. "Endorphine Studio" heißt sie und sagt damit schon im Namen, dass sie für süße Glücksmomente mit Sahnecreme und Schokolade sorgt. Es ist eine Geschichte, von der das Handwerk träumt. Gerade jene, die verzweifelt nach qualifizierten Mitarbeitern suchen oder deren eigene Karriere sich dem Ende neigt, weshalb nach Kräften um Nachfolger geworben wird. Manchmal vergebens. Und doch gibt es sie: Junge Leute, die überzeugte Handwerkerinnen und Handwerker sind, die Ziele und Mut haben und die sich trauen, unbeirrt ihren Weg zu gehen. So wie Gina von der Weth. Sie ist ein Beispiel, von dem man gerne erzählen mag.
Zeit, um sich zu behaupten
Auch für sie war der Weg in die Selbständigkeit ein Sprung ins kalte Wasser. An ihrer Überzeugung, dass es genau das Richtige ist, hat das aber nichts geändert. Man braucht diese Einstellung, um Erfolg zu haben. Den begleitenden Optimismus auch. "Ich bin jetzt 23 Jahre alt", sagt die Konditormeisterin. "Wenn irgendetwas nicht klappen sollte, dann habe ich noch 60 Jahre Zeit, es wieder auszubügeln", sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht. Daran, dass es klappt, lässt sie derweil keinen Zweifel. "Ich komme aus einer Familie, in der die Selbstständigkeit gelebt wird", sagt sie. "Ich habe immer schon die Herausforderungen und die Menge an Arbeit gesehen, die damit verbunden sind. Aber eben auch, wie erfüllt und wie zufrieden es macht."
Handwerk macht erfolgreich und glücklich
Das Anpacken liegt Gina von der Weth also im Blut. Ein Blick auf ihren Lebensweg genügt, um zu wissen, wie zielstrebig die junge Frau ihren Weg geht. Mit 17 Jahren begann sie ihre Ausbildung zur Konditorin in einem Café in Nürnberg. Dass der Weg holprig werden würde, wusste sie an ihrem ersten Arbeitstag noch nicht. Betriebliche Gründe machten es jedoch erforderlich, dass sie drei Ausbildungsbetriebe durchlief, bis sie die Gesellenprüfung ablegen konnte. Aufgehalten hat sie das nicht. Am Ende schloss sie erfolgreich ab und übernahm gleich im Anschluss gemeinsam mit einer Kollegin die Leitung der Konditoreiabteilung. Für den Meister kam sie schließlich in ihre alte Heimat nach Heidelberg, legte nach der halbjährigen Weiterbildung in Vollzeit die Prüfung im Juli 2021 erfolgreich ab und blieb – der Liebe wegen. Es liest sich wie ein Märchen, dass natürlich auch ihr Freund Konditormeister ist und die beiden sich – wie könnte es wohl anders sein – auf der Meisterschule kennenlernten. Handwerk macht also nicht nur erfolgreich, sondern auch noch glücklich.
Jünger als mancher Lehrling
So jung Gina von der Weth auch ist, vor dem Schritt in die Selbstständigkeit hat sie dennoch schon einige Erfahrungen gesammelt. Unter anderem betreute sie als junge Meisterin in der Heidelberger Bäckerei Riegler sieben Azubis. "Natürlich kommt man als junger Mensch mit ganz anderen Ideen daher und ist modern eingestellt", sagt sie. "Aber man muss sich schon auch behaupten, vor allem dann, wenn Azubis älter sind als man selbst. Es hat also Vor- und Nachteile." Den eigenen Weg geht sie dabei konsequent weiter. Stetiges Lernen und Weiterbilden gehört für sie dazu. So passt auch der Abschluss als Schokoladen-Sommelière, den sie an der "chocolate academy" in Köln und der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk in Weinheim machte, zu ihrem Werdegang. Den Schokoladen-Kaviar, den sie dabei entwickelte, gibt es zwar noch nicht in ihrer Auftragskonditorei in Heidelberg, aber so zielsicher Gina von der Weth ihre berufliche Karriere plant, so sicher scheint es auch, dass dies irgendwann der Fall sein wird. Bislang ist die fragile Köstlichkeit aus der experimentellen "Molekular-Konditorei" noch nicht transportsicher und eine Kostbarkeit, die Kügelchen für Kügelchen in Einzelarbeit entsteht.
Schön und geschmackvoll
Um das Besondere und Einzigartige geht es ihr auch in ihrem Geschäft. Die Auftragskonditorei hat Öffnungszeiten nach Absprache und bietet insbesondere individuell kreierte Torten für Hochzeiten, Geburtstage und sonstige Events, ergänzt von passenden Petit Fours. Verarbeitet werden ausschließlich hochwertige Rohstoffe, angefangen von den Eiern von "glücklichen" Hühnern bis hin zu jeder ausgesuchten Frucht, die einer Füllung die besondere Note verleiht. "Ich finde, das schmeckt man. Und Geschmack ist mir sehr wichtig", so die Konditormeisterin. Er ist ihr Trumpf neben all der Kreativität und Liebe, die in die Konzeption und Optik jedes Produkts fließt, allesamt Einzelstücke, individuell und passend zum jeweiligen Anlass und Kundenwunsch entworfen. Convenience kommt für Gina von der Weth schon deshalb nicht in Frage. Neben den süßen Auftragsarbeiten bietet die Jungunternehmerin mit einem im selben Haus befindlichen unter Denkmalschutz stehenden sanierten Eiskeller eine attraktive Eventlocation zur Vermietung an. Diese möchte Gina von der Weth auch für eigene Veranstaltungen im "süßen" Auftrag nutzen. So hat sie beispielsweise Schokoladen-Tastings geplant.
Am Anfang steht ein Traum
Dass die junge Frau irgendwann an der Stelle stehen würde, an der sie heute steht, scheint schon in jungen Jahren festgeschrieben worden zu sein. "Ich wollte immer in der Backstube arbeiten", sagt Gina von der Weth. "Backen ist mein Ding, seitdem ich denken kann. Ich stand immer bei meiner Mama in der Küche und wollte mitmachen. Eigentlich war sie gar keine große Bäckerin. Aber zuzusehen, wie Kuchen entstehen, hat mich einfach fasziniert." Und dann war da noch das Schlüsselerlebnis im Jahr 2009. Ein Film, den wohl alle Mädchen aus dieser Zeit kennen: "Küss den Frosch". Eine Walt-Disney-Inszenierung mit allem, was dazugehört: Herzschmerz, Sehnsucht, Träume und viel Musik rund um die Kellnerin Tiana, die von einem eigenen Restaurant träumt. So wie Gina von der Weth von der eigenen Konditorei. "Ich bin ganz nah dran", singt Tiana in dem Film und sie sang es auch bei der Geschäfts-Eröffnung in Heidelberg. "Als ich das Lied abspielte, dachte ich nur, jetzt bin ich nicht mehr ganz nah dran, jetzt habe ich es eigentlich schon geschafft", so die Konditormeisterin. Sie sagt es mit Stolz und im Wissen, dass sie als Jungunternehmerin im Handwerk viel Arbeit, aber auch Erfüllung erwartet.