Studie zur Resilienz Wie Mittelständler gestärkt aus Krisen herausgehen

Hohe Energiepreise, Corona und gestörte Lieferketten: Mittelständische Firmen müssen allerhand Krisen bewältigen. Eine neue Studie zeigt, dass diejenigen Unternehmen, die Maßnahmen für mehr Widerstandsfähigkeit treffen, wirtschaftlich erfolgreicher sind. Fünf Handlungsempfehlungen, um gestärkt aus Krisen hervorzugehen.

Wer seine Daten über ein professionelles IT-Sicherheitskonzept schützt, stärkt seine Resilienz in Krisenzeiten, heißt es in einer neuen Studie. - © Bits and Splits - stock.adobe.com

Unternehmen, die Maßnahmen für mehr Resilienz treffen, sind wirtschaftlich erfolgreicher. Das zeigt eine neue Studie der Steuerberatungsgruppe ETL in Kooperation mit dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), für die knapp mehr als 500 Mittelständler befragt wurden.

Die Studienmacher haben die Resilienz von Mittelständlern anhand von vier Dimensionen gemessen: Strategie und Innovation, Kultur und Mindset, Digitalisierung und IT-Sicherheit sowie Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit. Dabei kamen sie unter anderem zu folgenden Ergebnissen:

Nur rund ein Viertel der Mittelständler sind besonders resilient

Laut der Studie sind 22 Prozent der Mittelständler Vorreiter. Diese Firmen zeigen eine besonders ausgeprägte Resilienz in ihrer Unternehmenskultur, legen Wert auf gute betriebsinterne Zusammenarbeit und auf das Verhalten der Führungskräfte. Außerdem haben sie Digitalisierung und IT-Sicherheit ständig im Blick.

45 Prozent zeigt vor allem bei der Digitalisierung und IT-Sicherheit eine hohe Widerstandsfähigkeit. 24 Prozent der Mittelständler aber fällt bei IT und Digitalisierung erkennbar zurück – vorrangig Kleinstunternehmen aus dem Produzierenden Gewerbe.

Neun Prozent der befragten Firmen schneiden im Bereich Strategie und Innovation gut ab, liegen aber in den drei anderen Bereichen deutlich zurück.

Die Bilanz der Studienautoren: "Als Resilienz-Avantgarde sehen wir nur rund ein Viertel der Unternehmen – diese sind gegen Krisen gewappnet und gehen sogar gestärkt daraus hervor. Fast die Hälfte der Firmen ist zwar resilient, agiert aber nicht wirklich nachhaltig und damit auch nicht zukunftsfähig. Knapp zehn Prozent des Mittelstands übersteht eine ernsthafte Krise nicht ohne Schaden oder gar nicht."

Was resiliente Unternehmen auszeichnet

Doch wie können Mittelständler ihre Widerständigkeit erhöhen und sogar gestärkt aus künftigen Krise hervorgehen? Die größte Herausforderung sei es, für kaum oder gar nicht bekannte Problem- und Krisenfelder frühzeitig die Weichen zu stellen, so die Studienautoren. "Resilienz und Widerstandsfähigkeit beginnt immer in den Köpfen und muss daher Chefsache sein. Die Bereitschaft zu Veränderungen ist notwendig, denn ein Unternehmen muss mit den Veränderungen arbeiten, nicht dagegen. Veränderungen und Entwicklungen im Umfeld des Unternehmens müssen frühzeitig erkannt werden und es müssen zielorientierte Maßnahmen, wie etwa die Umsetzung digitaler Prozesse und einer umfassenden Nachhaltigkeits- und Diversitätsstrategie erfolgen", fasst Marc Müller, Vorstand von ETL, zusammen.

Basierend auf den Ergebnissen der Studie haben die Autoren fünf weitere Handlungsempfehlungen herausgearbeitet, die Unternehmen dabei helfen, ihre Resilienz zu erhöhen:

1. Motivierendes Leitbild formulieren

Die Resilienz von Mittelständlern hängt laut den Studienmachern maßgeblich von der Unternehmenskultur ab. Eine klare Kommunikation steigere die Motivation der einzelnen Mitarbeiter und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Belegschaft in Krisenzeiten. Führungskräfte erfolgreicher Unternehmen handeln in krisenhaften Situationen deutlich ruhiger und überlegter als die Entscheider in weniger erfolgreichen Firmen, so die Autoren. Deshalb empfehlen sie Mittelständlern unter anderem, ein klares und motivierendes Leitbild zu formulieren und zu kommunizieren. Darin soll auf prägnante Art festgehalten werden, welche grundlegende Mission das Unternehmen verfolgt. Damit trage es zur Identifikation der Mitarbeiter bei und diene als belastbarer Orientierungsrahmen insbesondere in Krisenzeiten.

2. Vorausdenken und optimistisch bleiben

Krisen lassen sich meist nicht vorhersehen. Oftmals aber kann man sich zumindest teilweise darauf vorbereiten und so seine Resilienz stärken. Die Studienautoren empfehlen Mittelständler deshalb in die Zukunft zu denken, Was-wäre-wenn-Szenarien zu erstellen und pragmatische Notfallpläne abzuleiten. Dabei sollen Unternehmen darauf achten, dass eine Mentalität vorherrscht, die von hoher Lösungsorientierung, Eigenverantwortung, Zukunftsmut und Optimismus geprägt ist.

3. Daten über ein IT-Sicherheitskonzept schützen:

Mit Blick auf Digitalisierung und IT-Sicherheit zeigt die Studie, dass technische Maßnahmen wie Datenbackups oder regelmäßige Sicherheitsupdates mittlerweile zwar Standard sind, aber vor allem erfolgreiche Unternehmen proaktiv IT-Schutz sicherstellen. Viele Mittelständler vertrauen noch auf firmeninterne Lösungen statt beispielsweise auf professionelle ausgelagerte Cloud-Lösungen zurückzugreifen.

4. Sich vernetzen und Kooperationen bilden:

Nachdem Motto "Gemeinsam ist man stark" erhöhen Unternehmen ihre Resilienz, wenn sie sich mit anderen zusammenschließen, ihre Erfahrungen und ihr Wissen austauschen, so die Experten. Ihr Tipp: "Engagieren Sie sich in analogen, hybriden oder digitalen Netzwerken, besuchen Sie Messen und Kongresse, bauen Sie strategische Allianzen auf und finden Sie Verbündete für eine gemeinsame Vision."

5. Aus Erfolgen und Misserfolgen lernen:

Erfahrungen erweitern das Handlungsrepertoire und garantieren eine gewisse Robustheit im Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen, heißt es in der Studie. Die Autoren raten deshalb, ausreichend Raum zum Austausch von Erfahrungen zu schaffen, Erfolge und Misserfolge mitzuteilen und das Unternehmen schrittweise zu verbessern.

>>> Die komplette Studie steht nach vorheriger Anmeldung zum kostenlosen Download bereit.

ew