Wohnungsbau Studie: In Deutschland fehlen Wohnungen für Senioren

Schon heute sind altersgerechte Wohnungen Mangelware. Und mit dem Renteneintritt der Baby-Boomer werden es noch mehr. Der Leiter einer neuen Studie fordert ein "Alterswohnprogramm" in Höhe von mindestens einer halben Milliarde Euro.

Rollstuhl rollt durch Tür.
Nur rund jede siebte Wohnung in Deutschland verfügt über ausreichend breite Türen, keine störenden Stufen und ein barrierearmes Bad, heißt es in der Studie des Pestel-Instituts. - © kiono - stock.adobe.com

In Deutschland fehlen schon heute mehr als zwei Millionen altersgerechte Wohnungen. "Das wird sich in den kommenden Jahren allerdings noch enorm verschlimmern", sagte Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts bei der Vorstellung einer Studie im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel. Auf die kommende Rentnergeneration der geburtenstarken Jahrgänge sei der Wohnungsmarkt ganz und gar nicht vorbereitet. Im Jahr 2040 würden rund 3,3 Millionen altersgerechte Wohnungen gebraucht.

Nur jede siebte Wohnung ist altersgerecht

Wie Günther weiter sagte, ist heute nur rund jede siebte Wohnung altersgerecht. Nur sie verfügen also über ausreichend breite Türen, keine störenden Schwellen und Stufen sowie ein barrierearmes Bad mit ebenerdiger Dusche. "Insgesamt besteht die Gefahr, dass verstärkt Haushalte mit niedrigem Einkommen in vollstationäre Pflege wechseln müssen, weil die Voraussetzungen für die ambulante Pflege in den Wohnungen nicht gegeben sind", betonte Günther. "Und eine solche Entwicklung schlägt natürlich unmittelbar auf die staatlichen Transferzahlungen durch", warnte er.

Armutsrisiko Nummer 1: Pflegebedürftigkeit

Als "Armutsrisiko Nummer 1" nennt die Studie auch die Pflegebedürftigkeit im Alter. Im Schnitt koste die stationäre Pflege heute rund 2.410 Euro pro Monat. Diese Summe müsse ein älterer Mensch selbst beisteuern. Mehr als die Hälfte der Seniorenhaushalte in Deutschland habe allerdings weniger als 2.000 Euro netto im Monat zur Verfügung. "Am Ende ist es also ganz oft der Staat, der einspringen muss", sagte Günther.

Studienleiter fordert Alterswohnprogramm

Angesichts der künftigen Baby-Boomer-Rentner-Generation braucht es nach Ansicht Günthers deshalb mehr seniorengerechten Umbau und mehr Neubau, um das von allen gewünschte selbst bestimmte Leben in der eigenen Wohnung zu ermöglichen. Ein "Alterswohnprogramm" für diese Altersgruppe sei aber weit und breit nicht in Sicht. Analog zum Förderprogramm "Junges Wohnen", für das der Bund jüngst 500 Millionen Euro zur Verfügung stellte, sollte es deshalb auch eine Förderung "Wohnen 67plus" geben. Hierfür sollte der Bund mindestens eine halbe Milliarde Euro zusätzlich zur Verfügung stellen, forderte er. Dabei seien für selbst nutzende Eigentümer zwingend Zuschuss-Programme erforderlich. Kreditprogramme nutzten ältere Menschen wenig.