Bewerbungsgespräche Diese Fragen sollten Sie Ihren künftigen Mitarbeitern stellen

Wer neue Mitarbeiter für eine vakante Stelle sucht, braucht mehr als nur ein gutes Bauchgefühl. Es gilt, möglichst viel über einen Menschen zu erfahren – egal, ob man einen Azubi einstellen will oder eine Führungskraft. Was kann der Bewerber? Wie arbeitet er? Was treibt ihn an? Wo will er hin? Wie geht er mit Kunden und Kollegen um? Um all das herauszufinden, bleibt im Bewerbungsgespräch oft nur wenig Zeit. Dies sind die wichtigsten Fragen, um den Bewerber auf Herz und Nieren zu prüfen.

Fragezeichen
Wer seinen potentiellen neuen Mitarbeitern auf den Zahn fühlen will, sollte viele Fragen stellen: Zum Beispiel, wie die Person bei Konflikten mit Kollegen reagiert. - © strichfiguren - stock.adobe.com

Der Fachkräftemangel im Handwerk ist akut. Bei den Arbeitsagenturen sind nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) derzeit 153.000 offene Stellen gemeldet. Der Verband geht jedoch von einem weitaus größeren Fachkräftemangel aus, da viele Betriebe ihre freien Stellen nicht bei den Agenturen melden. Schätzungen zufolge fehlen bundesweit eine Viertel Millionen Handwerkerinnen und Handwerker. Eine Besserung der Lage ist aktuell nicht in Sicht. Schwer genug also, überhaupt an Personal zu kommen. Noch kniffliger wird es, wirklich gute Fachkräfte zu finden. Wie Arbeitgeber schon beim Bewerbungsgespräch erkennen können, ob der richtige Kandidat gegenüber sitzt:

Wie man den Wettbewerb um die besten Leute gewinnt

Dr. Ing. Ronald Hepper besitzt Jahrzehnte lange Erfahrung in Handwerk, Mittelstand und Konzernen. Er hat im Handwerk gearbeitet, unter anderem als Kühl- und Klimaanlagenmonteur. Mittlerweile blickt er als Geschäftsführer auf unzählige Vorstellungsgespräche zurück. Er ist in der Lage, Bewerbern schnell und effektiv auf den Zahn zu fühlen und sie anschließend im Unternehmen in den für sie individuell passenden Aufgabengebieten einzusetzen. Er weiß, worauf es ankommt.

"Wir sehen immer wieder: Das richtige Tätigkeitsgebiet ist entscheidend. Menschen blühen auf, wenn sie sich am passenden Arbeitsplatz einbringen dürfen und sichtbar wertgeschätzt werden", sagt Hepper.

Seiner Meinung nach sind zwei Aspekte zentral. "Einmal der Betrieb an sich und einmal die Tätigkeit. Beides sollte so realitätsnah beschrieben werden wie möglich", sagt er. Man wolle schließlich nicht, dass ein neu eingestellter Arbeitnehmer schon bald wieder den Job wechsle, da dieser doch nicht seinen Vorstellungen entspreche. Die Wechselwilligkeit sei momentan groß. Viele fühlten sich nicht sehr an ihren Arbeitsplatz gebunden.

"Das Ziel besteht darin, so viel über die Person herauszufinden wie möglich. Über seine Fähigkeiten, seine Persönlichkeit und seine Einstellungen", rät Hepper.

Alte Standardfragen sind überholt

Ein Vorstellungsgespräch dauert meist nur 45 bis 60 Minuten. Umso wichtiger ist es daher, gezielte Fragen zu stellen. Hepper bestätigt: "Die Klassiker von 'Erzählen Sie uns doch von Ihren Stärken und Schwächen' bis hin zu 'Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?' sind überholt." Einerseits, da die Bewerber sich bereits auf solche Frage vorbereiten und andererseits da sie hier 'gute Schwächen' nennen wie 'zu pünktlich' oder 'zu perfektionistisch' zu sein. Besser: Versetzen Sie Ihr Gegenüber in Alltagssituationen und Probleme, denen er sich in seiner zukünftigen Position realistischerweise konfrontiert sieht.

Diese 8 Fragen sollten Arbeitgeber in einem Bewerbungsgespräch stellen:

  1. Beschreiben Sie, wie Sie sich einen typischen Arbeitstag bei uns vorstellen.
  2. Auf welche Dinge sind Sie besonders stolz, die Sie in der Vergangenheit geleistet/hergestellt haben?
  3. Sie beschreiben in Ihrem Lebenslauf einige gute Charaktereigenschaften. Nennen Sie uns doch eine Situation, in der Sie diese unter Beweis stellen konnten.
  4. Sie haben einen Konflikt mit einem Kollegen. Wie würden Sie damit umgehen?
  5. Bei Ihrem letzten Arbeitgeber waren Sie nur sehr kurz/Ihre beruflichen Stationen fallen jeweils sehr kurz aus. Woran liegt das?
  6. Viele in Ihrem Alter studieren. Was treibt sie dazu an, eine Ausbildung zu absolvieren?
  7. Wie würde ein guter Freund von Ihnen Sie beschreiben?
  8. Welchen Freizeitbeschäftigungen gehen Sie nach, die für uns interessant sein könnten?

Fragen positiv formulieren

Im Gegensatz zu großen Industriebetrieben bieten kleine Handwerksbetriebe oft viel Abwechslung. Stellen Sie die Vorzüge Ihres Unternehmens in den Vordergrund und formulieren Sie Fragen positiv.

Anstatt zu fragen: "Stellt es für Sie ein Problem dar, auf Montage für mehrere Tage weg zu sein?" stellen Sie lieber das Positive heraus. "Wenn Sie sichtbar gute Arbeit leisten, dann dürfen sie gern unser Produkt bei unseren Kunden bundesweit installieren und täglich deren Dankbarkeit und Freude erleben."

Unter angehenden Azubis gäbe es häufig das Vorurteil, dass kleine Unternehmen schlechter ausbilden würden. In Wahrheit gehen die Azubis jedoch regelmäßig in dieselbe Berufsschule, welche auch Mittelständler oder Konzerne nutzen. Die vermittelte Theorie ist also gleich. Die Ausbildung in der Praxis ist sogar oft abwechslungsreicher und die Ausbilder nehmen sich mehr Zeit für den Einzelnen. "Familienunternehmen sehen dich und kümmern sich um dich", bestätigt Hepper.

Wie Sie die Antworten richtig interpretieren

Noch wichtiger als die Fragen selbst, ist die richtige Interpretation der Antworten der Bewerber. Arbeitgeber sollten Acht geben, wenn ein Bewerber über den letzten Arbeitgeber schlecht redet oder die Schuld stets bei den anderen sucht. Gibt ein Bewerber als Grund für einen Arbeitsplatzwechsel an, dass er sich dort nicht mehr weiterentwickeln konnte oder es gar eine Betriebsschließung gab, ist das hingegen eine Antwort, auf welche man sinnvolle Nachfragen stellen sollte.

"Stellt ein Bewerber überhaupt keine Fragen, ist das eher ein schlechtes Zeichen. Der Bewerber sollte schließlich auch das Unternehmen testen", sagt Hepper.

Bewerbungsgespräche auf Augenhöhe führen

Acht von zehn Bewerbern wünschen sich laut einer Umfrage des Recruiting-Softwareanbieters Softgarden, dass Bewerbungsgespräche auf Augenhöhe geführt werden. Nur knapp über ein Drittel hat das in der Realität auch so empfunden. Hepper bestätigt: "Ein Vorstellungsgespräch ist immer ein Prüfen von beiden Seiten." Wenn ein Chef unpassende Mitarbeiter einstellt, signalisiert er, dass er nicht gut selektieren und wahrscheinlich auch nur begrenzt gut führen kann. Kompensieren müssen das dann am Ende die anderen Mitarbeiter.