Prämien, Praktikumswochen und verpflichtende Schulaktionen: Mit unterschiedlichen Maßnahmen versuchen Politik und Handwerk, die Jugend für eine duale Ausbildung zu motivieren. Eine Auswahl.
Vorbild Sachsen-Anhalt: Dort gibt es seit 2020 eine sogenannte Praktikumsprämie. Schülerinnen und Schüler ab 15 Jahren, die dort in den Ferien ein ein- bis vierwöchiges Praktikum in einem Handwerksbetrieb machen, bekommen vom Land 120 Euro pro Woche.
"Das Schülerferienpraktikum ist gerade für die kleinen Betriebe ein Erfolgsmodell, das ihnen ermöglicht, interessierte Schüler an eine Ausbildung heranzuführen", so Dirk Neumann, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Halle. Die Zuwachszahlen in den Projektjahren 2021 und 2022 zeigten die Akzeptanz im Handwerk. Und nicht nur das. Fast jedes vierte Praktikum im Kammerbezirk mündete 2022 in einen Ausbildungsvertrag. Davon bei rund zwei Drittel im Praktikumsbetrieb.
Für die Chefin der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, ist die Sache klar. "Je mehr Praktika, desto mehr Eintritte in die berufliche Bildung", sagte sie auf einer Veranstaltung in München. Das Jahr 2023 müsse genutzt werden, die Praktikumsdelle aus der Pandemie wieder auszugleichen. Denn nicht nur die Zahl der Praktika ist seit Beginn der Corona-Krise zurückgegangen. Auch die Zahl der 2022 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge reicht noch nicht an das Vor-Corona-Jahr 2019 heran. Das gilt auch für das Handwerk.
Praktikumswochen in Baden-Württemberg: Fünf verschiedene Berufe in fünf Tagen
Den Verweis auf abnehmende Schülerzahlen ließ Nahles nicht gelten. "Es gibt keinen demografischen Effekt dieses Jahr", erklärte die frühere Arbeitsministerin mit Blick auf die potenziellen Auszubildenden. "Wenn wir sie nicht rekrutieren, dann liegt es daran, dass wir sie nicht erreicht haben", betonte sie. Als gutes Beispiel, mit dem Nachwuchs in Kontakt zu kommen, nannte Nahles die Praktikumswochen in Baden-Württemberg. Dort konnten Schüler branchenübergreifend 2022 an fünf Tagen fünf verschiedene Berufe in fünf Unternehmen kennenlernen. "Das Projekt ist sehr gut angekommen und soll dieses Jahr wiederholt werden", sagt Olaf Kierstein-Hartmann, Geschäftsführer beim Handwerkstag BW.
Auch sonst wird viel für die Nachwuchs-Rekrutierung viel gemacht. So gibt es etwa in den nächsten Wochen wieder ein Azubi-Speed-Dating der Handwerkskammer Region Stuttgart. Dort können Interessierte online freie Ausbildungs- sowie Praktikumsplätze in Handwerksunternehmen in der Region finden. Ist eine interessante Stelle dabei, kann ein 15-minütiges Kennenlerngespräch mit dem Betrieb gebucht werden.
Bayern: Verpflichtender "Tag des Handwerks" an weiterführenden Schulen
In Bayern hat die Staatsregierung zur Stärkung des Handwerks sogar einen "Tag des Handwerks" für weiterführende Schulen zur Pflicht gemacht. So sollen Schülerinnen und Schüler der oberen Jahrgangsstufen an diesem Tag gezielt mit dem Handwerk in Kontakt kommen und sich im Betrieb einen Eindruck über die praktische Arbeit machen. "Diese Chance dürfen wir nicht verstreichen lassen", sagt Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Schwaben. Jetzt liege es an den Handwerksunternehmen und -organisationen, aktiv attraktive Angebote für die jungen Menschen bereitzustellen. Der Tag des Handwerks sei ein eindeutiges Bekenntnis der Politik, dass es ihr ernst sei, die handwerkliche Ausbildung in der Berufsorientierung der Jugendlichen zu verankern.
Kölner Handwerker schauen nach Sachsen-Anhalt
Anderswo – wie etwa in Köln – könnte die Praktikumsprämie aus Sachsen-Anhalt eine Blaupause sein. "Wir setzen uns für die Umsetzung der Praktikumsprämie in unserer Region ein", sagt der frühere Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) und amtierende Präsident der Handwerkskammer zu Köln, Hans Peter Wollseifer.
