Garmisch-Partenkirchen Dieser Handwerker verhilft zu Skiern der Marke Eigenbau

Handwerksmeister Michael Eidenschink zeigt in Workshops, wie man in zwei Tagen seine eigenen Skier baut. Ein Besuch in seiner Werkstatt im bayerischen Farchant.

Michael Eidenschink
Der Handwerker Michael Eidenschink ist seit 2015 Teil von Build2Ride. In den Wochenendkursen stellen die Teilnehmer ihre eigenen Skier her. - © Stafanie Unbehauen

Betritt man die Werkstatt von Built2Ride, riecht es nach Holz und frisch gebrühtem Filterkaffee. An der Wand stehen fünf Paar Skier nebeneinander aufgereiht. "Alle selbst gebaut in den letzten Workshops", sagt Kursleiter Michael Eidenschink. Der Handwerksmeister trägt eine dunkle Arbeitshose, feste Schuhe und einen schwarzen Hoodie, auf dessen Rücken das Logo von Build2Ride abgebildet ist.

Build2Ride heißt so viel wie "gebaut, um zu fahren". Hier in Farchant, einem kleinen Ort im oberbayerischen Garmisch-Partenkirchen, bietet das Team von Build2Ride Workshops an, in denen Teilnehmer ihre eigenen Skier bauen. Der Kurs erstreckt sich über zwei Tage. "Etwa 90 Prozent kommen aus Deutschland", sagt Eidenschink. Der Rest stamme aus Österreich, Frankreich und der Schweiz.

Skier bauen: Eigentlich nicht schwer

Die Idee zu Build2Ride entstand im Jahr 2009. Gründer Axel Forelle war damals Projektleiter für eine Agentur. "Ein Unternehmen hat angefragt, ob ich für sie ein neues Design auf Skiern platzieren kann. Während der Arbeit haben habe ich mir gedacht: Skier sind gar nicht so kompliziert aufgebaut. Das können wir doch selbst", erinnert sich der 34-Jährige. Drei Jahre später, im Jahr 2012, wurde Build2Ride gegründet.

2015 ist Eidenschink hinzugestoßen. Der gelernte Maschinenbaumechaniker ist viel in der Welt unterwegs gewesen. "Ich war beruflich in ganz Europa, den USA und Kuwait", erinnert er sich. Heute lebt der 40-Jährige am Staffelsee in Uffing, etwa eine halbe Autostunde von Farchant entfernt.

Für Skienthusiasten 

Im Jahr stellt er gemeinsam mit den Teilnehmern zwischen 350 und 400 Skier her. Die Preise beginnen ab 690 Euro. "Das Skifahren hat sich in den letzten Jahren vom Breiten- zum Individualsport gewandelt", sagt er. Eine normalverdienende Familie mit zwei Kindern könne sich eine Woche Skiurlaub oft nicht mehr leisten. "Der Paradeteilnehmer ist zwischen 40 und 60 Jahre, männlich und finanziell unabhängig", erklärt er.

Teilnehmer Axel Schimanski hat den Workshop zu seinem 60. Geburtstag geschenkt bekommen. Der ehrenamtliche Skilehrer aus Gersthofen bei Augsburg stand im Alter von fünf Jahren zum ersten Mal auf Skiern. "Ich weiß bereits, was ich meinen Schwager zum Fünfzigsten schenke", sagt er und lacht.

Das Material bestimmt die Performance

Eidenschink beginnt mit dem ersten Arbeitsschritt. Hierfür legt er einen schwarzen Belag auf den Arbeitstisch. "Dieser Belag hier ist mit 1,6 Millimeter relativ dick", sagt er. "Ein Ski muss Gewicht besitzen, damit die Abfahrt gut wird." Eidenschink ist selbst Skifahrer. Jährlich kommt er auf 60 bis 70 Pistentage.

Mit Schleifpapier gehen die beiden Teilnehmer an den Kanten der schwarzen Beschichtungen entlang. "Dieser Arbeitsschritt ist wichtig, damit keine Kanten abstehen", erklärt er. Mit kleinen Klammern werden die Stahlkanten, die aussehen wie überdimensionale Reißverschlüsse, links und rechts an den Beschichtungen angebracht. Passt die Ausrichtung, wird mit Sekundenkleber befestigt.

Michael Eidenschink
Konzentriert beugt sich Michael Eidenschink beim Schleifen des Skis über die Maschine. - © Stefanie Unbehauen

"Kannst du mal schauen?", fragt Clemens McGinty, der zweite Teilnehmer. Er hat sich für ein Snowboard entschieden. "Ich bin noch nie selbst gefahren, aber ich will es lernen", sagt der Schüler aus Ismaning. Der 13-Jährige ist 1,80 Meter groß. Das Snowboard wird 1,60 Meter lang und 33 cm breit. "Normalerweise ist das für ein Freestyle-Board noch etwas zu groß, aber er soll hineinwachsen", sagt Eidenschink.

Das Spannungsverhältnis entscheidet über Einsatzgebiet

Eidenschink heftet die Skier mit einer Klammer auf eine Hartfaserplatte. Dazwischen hat er eine Klarsichtfolie gelegt. "Die ist dazu da, damit der Belag beim Laminieren später nicht hängen bleibt", erklärt er. Die Spitzen der Skier, die Schaufeln, liegen nun auf einem kleinen mit Zement ausgegossenem Blechdreieck, das an eine Miniatur-Skateboard-Rampe erinnert.

Verschiedene Komponenten tragen zur Funktion des Skis bei. "Das richtige Spannungsverhalten macht etwa ein Drittel aus", sagt er. Die Kombination der Materialien und die Auswahl der Ski mache den Rest aus. "Das hier wäre für Freeride-Touren abseits der Piste." Er verändert das Spannungsverhältnis, sodass der Kontaktpunkt weiter vorne liegt. "So wird es zu einem Allrounder. Sprich, die eierlegende Wollmilchsau", sagt er und fragt: "Seht ihr den Unterschied?" Die Teilnehmer nicken.

Harz, Glasfaser, Eschenholz: Mehrschichtiger Aufbau

Michael Eidenschink
Michael Eidenschink hilft den Teilnehmern beim Verteilen des Harzes. - © Stefanie Unbehauen

Nach einer Einweisung in den Arbeitsschritt "Laminieren" lässt er Epoxidharz über die Beläge fließen. Die beiden Teilnehmer beginnen, mit kleinen Rollen das Harz zu verteilen. "Ihr habt 45 Minuten Zeit, bis es trocknet", sagt Eidenschink und lacht. Nun kommen die verschiedenen Schichten. Auf den schwarzen Belag folgt ein Glasfasergehege, dann Eschenholz und wieder ein Glasfasergehege. Jede Schicht wird mit Harz befestigt. Abschließend werden die Skier und das Board mit einer Schutzfolie umhüllt und maschinell vakuumiert. "Für heute ist die Arbeit getan", sagt er und verabschiedet die Teilnehmer.  

Über Nacht hat es im garmischen Tal Neuschnee gegeben. Lediglich einzelne Schuhabdrücke durchbrechen die weiche, unberührte Schneedecke. Die morgendliche Dezembersonne scheint auf den rund 40 Zentimeter hohen Schnee herab. In der Werkstatt holt Eidenschink die vakuumierten Skier und das Board aus dem Ofen und zieht die Folie ab. Während die Teilnehmer ihre Boards ausschneiden, zieht Eidenschink seine Schutzbrille auf und nimmt den ersten Ski zum Schleifen mit. Abschließend werden die fertigen Produkte lackiert. Danach geht es in die Skischule, um die Bindungen zu montieren.

"Wir sehen uns dann an der Zugspitze"

Es ist nun früher Nachmittag. Axel Schimanski will seine neuen Skier einfahren. Er drückt nacheinander seine angewinkelten Beine durch und stößt mit Druck die Fersen seiner Skischuhe nach unten in die Bindungen. Zwei Klick-Geräusche ertönen. Skischuhe und Skier sind nun eins. Er fährt los. "Oft sind auch am Montag noch Leute hier und sagen: Wir sehen uns dann an der Zugspitze", sagt Eidenschink, der Schimanski hinterherblickt. Dort begegnen sich Teilnehmer dann häufig. Mit ihren neuen Skiern aus dem Build2Ride-Kurs.

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reportage-Projekts des Master-Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Die Deutsche Handwerks Zeitung ist Kooperationspartner für dieses Seminar.