Ausstellung Parallelen zwischen Handwerk und Medizin

Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg besitzt eine international bedeutende Sammlung zu Handwerk und Medizin. Im Mittelpunkt der neuen Dauerausstellung stehen teils rätselhafte, teils altbekannte Objekte aus fünfhundert Jahren Kulturgeschichte.

Verschiedene alte  Armprothesen
Die Ausstellung Handwerk und Medizin zeigt interessante Zusammenhänge. Hier: Armprothesen – hinten die sogenannte Sonntagshand (1716). Durch den Einsatz von durchbrochenem Eisenblech ist diese Armprothese verhältnismäßig leicht. - © Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Zangen: Der Schmied benötigt sie, um glühendes Eisen ins Feuer zu halten, der Dentist, um einen kariösen Zahn zu entfernen. Säge: Der Zimmermann kürzt mit ihr Dachsparren und Holzbalken, der Chirurg menschliche Knochen und Gliedmaßen. Bohrer: Dem Handwerker erleichtern sie die Montage von Dübeln und Schrauben, der Facharzt öffnet mit ihrer Hilfe Schädeldecken. Handwerk und Medizin haben viel gemeinsam, denn Handwerker und Mediziner arbeiten mit vergleichbaren Werkzeugen.

Enge Verzahnung beider Themen

Nach umfangreichen Bau- und Sanierungsmaßnahmen erzählen rund 700 Exponate im neu konzipierten Teilbereich der Dauerausstellung im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg von der langen Tradition und den Gemeinsamkeiten von Handwerk und Medizin. Die enge Verzahnung beider Themen war dem Museum ein großes Anliegen, betont Generaldirektor Prof. Dr. Daniel Hess. "Beide trugen maßgeblich zur Verbesserung der Lebensqualität bei und beide waren getrieben von einem großen Drang nach Innovation und Fortschritt."

Zeitgenössische Exponate

Neben einer beeindruckenden Fülle handwerklicher Geräte und medizinischer Instrumente aus dem frühen 16. Jahrhundert bis Ende des 19. Jahrhunderts zeugen prunkvolle Repräsentationsstücke wie Zunftladen und Trinkpokale vom hohen Ansehen und gesellschaftlichen Stand, den diese Berufsgruppen über Jahrhunderte genossen. Punktuell schlagen einzelne zeitgenössische Exponate einen Bogen in die Gegenwart. Wie zum Beispiel die Vitrine von Schmuckdesignerin Silvia Weidenbach. Zusammen mit dem KI-Experten Jon Emmony entwickelte sie mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Schmuck. Dazu wurden historische Ringe aus diversen Museen eingescannt. Aus diesen Vorlagen entwickelte die eingesetzte KI ein neues Ringobjekt, das auch mittels eines Hologramms in eine dreidimensionale Ansicht umgesetzt wurde. Die Arbeit der Gold- und Silberschmiedin war es nun, dieses digitale Objekt in die analoge Welt der Materialität zu übersetzen. Hier stellen sich Fragen an das moderne Handwerk: Wo hören die traditionellen handwerklichen Fertigkeiten auf und wo fängt Innovation an? Es darf diskutiert werden.