Fachkräfte im Handwerk sind weiter gefragt – daran ändern auch steigende Kosten und Krisenstimmung nichts. Das berichten das Elektrohandwerk, Maler- und Lackierer sowie die SHK-Branche.

Fachkräfte sind im deutschen Handwerk händeringend gesucht. Und daran ändert sich trotz schwächelnder Konjunktur und düsterer Aussichten für die Gesamtwirtschaft voraussichtlich kaum etwas.
Das Elektrohandwerk geht sogar von einer Verschärfung des Fachkräftemangels aus. Der Auftragsrückgang in der Baubranche macht sich nach Angaben des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) zwar bemerkbar. "Die wirtschaftliche Situation der Elektrohandwerke ist jedoch sehr stabil." Photovoltaik-Anlagen, Wärmepumpen und Speichertechnologien erlebten durch die rasant steigenden Energiepreise einen Nachfrageboom. "Das spiegelt sich in vollen Auftragsbüchern wider."
Laut einer Konjunkturumfrage aus dem September hat mehr als die Hälfte (58 Prozent) der Betriebe im Elektrohandwerk Aufträge für mehr als zwei Monate. Bei fast einem Drittel (30,8 Prozent) sind die Auftragsbücher demnach sogar für mehr als vier Monate im Voraus gefüllt. Viele Betriebe könnten Aufträge allerdings wegen fehlenden Materials gar nicht so schnell abarbeiten wie gewünscht.
Weil durch die Energiewende und die zunehmende Digitalisierung neue Aufgabenbereiche für die Elektrohandwerke entstehen, geht das Elektrohandwerk nicht von einer Entspannung aus: "Der Fachkräftemangel wird sich verschärfen."
Maler und Lackierer: Keine Entspannung beim Fachkräftemangel in Sicht
Auch Maler und Lackierer sind weiterhin gut beschäftigt. "Die Auftragsbücher sind aktuell noch gefüllt", lautet die Bilanz des Bundesverbands Farbe Gestaltung Bautenschutz. Allerdings seien seit Anfang 2021 kräftige Preisanstiege etwa bei Farben und Lacken oder Bodenbelägen zu beobachten, genau wie bei Kraftstoffen und Energie. "Es bleibt offen, wie weit und wie lange die explodierenden Preiserhöhungen an den Kunden weitergereicht werden können."
Betriebe berichteten im Neubau- genau wie im Sanierungsbereich vermehrt über Auftragsverschiebungen und –stornierungen. Der Auftragsvorlauf bei Maler- und Lackiererleistungen hat sich nach Angaben des Verbands allein von Frühjahr 2021 bis zum ersten Quartal 2022 um weitere zwei Wochen auf durchschnittlich 14,3 Wochen erhöht. Auch für die kommenden Jahre sei für das Maler-, Lackierer- und Fahrzeuglackiererhandwerk keine Entspannung beim Fachkräftemangel abzusehen.
SHK-Branche: "Auftragsbücher sind voll"
Im Bereich Sanitär und Heizung sieht es ähnlich aus: "Im Moment spüren die Betriebe weiterhin eher die Folgen von Lieferproblemen denn eine Zurückhaltung der Kunden", sagte der Sprecher des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima, Frank Ebisch. Von Lieferproblemen seien besonders Heizungsprodukte mit hoher Nachfrage betroffen - so wie Wärmepumpen und Heizkessel. Die Auftragsbücher seien dagegen voll.
"Derzeit ist gerade die Nachfrage nach neuer Heiztechnologie ungebrochen hoch", so der Sprecher. "Das ist natürlich getrieben durch die steigenden Energiepreise und die klimapolitischen Entscheidungen aus Berlin." Allein 500.000 Wärmepumpen sollten bis 2030 sollen jedes Jahr installiert werden. Ebischs Fazit: Der Fachkräftebedarf sei ein langfristiges Problem der Branche.
IG Metall: "Reicht nicht, sich ständig nur zu beklagen"
IG-Metall-Vorstandsmitglied Ralf Kutzner kritisierte, es reiche nicht, wenn die Arbeitgeber im Handwerk ihre Situation ständig nur beklagten. "Wer zu viele Aufträge und zu wenige Leute dafür hat, muss nachhaltig attraktiver für Beschäftigte werden", sagte Kutzner. "Seit Jahren laufen dem Handwerk zwei Drittel der jungen, gut ausgebildeten Fachkräfte weg, weil die Arbeitsbedingungen nicht passen." Kutzner forderte eine breite Tarifoffensive im Handwerk, die den Mitarbeitern Sicherheit bei Arbeitszeiten, Bezahlung und Weiterbildung biete. dpa