Energiepreise Jede dritte Wäscherei und Reinigung schreibt rote Zahlen

Durch die extrem gestiegenen Strom- und Gaspreise haben Betriebe in der Wäscherei- und Reinigungsbranche mit Verlusten zu kämpfen. Wenn sie nicht schnell entlastet werden, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es zu Versorgungsengpässen bei Krankenhäusern und Pflegeheimen kommt.

Die Energie- und Kraftstoffkosten machen rund zwölf Prozent der Gesamtkosten der Betriebe aus. - © www.d-v-c.net | Stefan Wendt

Laut einer Umfrage des Deutschen Textilreinigungs-Verbandes (DTV) erleiden zurzeit bereits über ein Drittel der Wäschereien und Reinigungen Verluste. Dies hat vor allem mit den enorm hohen Gas- und Strompreisen zu tun. Die Energiekosten machen etwa zwölf Prozent ihrer Gesamtkosten aus. Aber auch die Preise für Textilien und Chemie, steigende Personalkosten sowie Lieferengpässe bei Maschinen und Textilien machen den Firmen zu schaffen.

Schlechte Zukunftsaussichten

47 Prozent der Betriebe sind momentan noch durch Versorgungsverträge vor Preissteigerungen geschützt. Viele Verträge laufen aber entweder Ende des Jahres aus oder drohen zu platzen. Für die kommenden Monate prognostizieren deswegen sogar neun von zehn Firmen Verluste. Betriebe, die schon jetzt mit gestiegenen Kosten fertig werden müssen, melden dem DTV durchschnittlich eine Steigerung von 166 Prozent. Die Spitzenmeldung stellt eine Steigerung der Energiekosten um 840 Prozent dar.

Verband fordert schnelle Unterstützung

Der Hauptgeschäftsführer des DTV, Andreas Schumacher, fordert, dass das Energiekostendämpfungsprogramm schnellstens geöffnet werden muss. Auch die Voraussetzungen sowie der Ablauf der Beantragung müssen schnell und klar kommuniziert werden. "Darüber hinaus muss die gestern beschlossene Gas- und Strompreisbremse sofort umgesetzt werden, um den Betrieben Luft zu verschaffen, bis die Hilfen ankommen", führt er aus. Ohne rasche Unterstützung drohe sonst vielen Unternehmen das Aus. Damit einher gehe auch die Gefährdung anderer Wirtschaftsbereiche und kritischer Infrastrukturen, die auf eine hygienische Wäscheversorgung oder Schutzbekleidung angewiesen sind. Krankenhäuser und Pflegeheime müssten innerhalb von wenigen Tagen schließen.

Textilpflegebranche ist unverzichtbar

Die zum Handwerk gehörenden Wäschereien und Reinigungen versorgen in Deutschland mehr als eine Millionen Pflegekräfte mit hygienischer Bekleidung. Auch Feuerwehr, Polizei, Katastrophenschutz sowie Lebensmittelindustrie und -handel können nur mit hygienischer Berufsbekleidung und persönlicher Schutzausrüstung arbeiten. Des Weiteren beliefert die Textilpflegebranche Industrie und Handwerk mit Berufs- und Schutzbekleidung. Die Hotellerie und Gastronomie erhält frische Wäsche. Zusätzlich sind zahlreiche Endverbraucher auf ihre Reinigung angewiesen. Sollten durch die hohen Energiepreise Betriebe schließen müssen, bekommen also viele andere Branchen ebenfalls Probleme.

Optimierte Arbeitsabläufe sparen Energie

Im Bestreben Energie und damit Kosten zu sparen, werden viele Textilreinigungsbetriebe erfinderisch. Der Präsident des Bayerischen Textilreinigungsverbandes Richard Sterr, selbst Inhaber einer Wäscherei und Reinigung in München, hat einige Energiesparmaßnahmen auf den Weg gebracht, wie er dem Nachrichtensender BR24 erläutert. Laufend bemühe er sich seine Arbeitsabläufe zu optimieren. Er feile an der Auslastung der Maschinen sowie der Heizungszeit und versuche so viel wie möglich miteinander zu kombinieren. Um Öl zu sparen, hat er vor kurzem seine Dampfpressen mit einem zusätzlichen Element ausgerüstet. Wenn die Maschinen gerade nicht genutzt werden, bekommen sie jetzt eine Stoffhaube übergestülpt. Dadurch verlieren die Pressen ihre Restwärme nicht so schnell und müssen nach einer Pause weniger stark aufgeheizt werden. Der tägliche Ölverbrauch sei dadurch immerhin um acht Liter gesunken. "Es geht also immer noch irgendwo etwas", sagt Sterr. ptr