Fehler am Auto, die keiner findet – Umbauten, die keiner macht: Hier fängt für Stefan Kühner der Spaß erst richtig an. Er betreibt eine Kfz-Werkstatt im Eisfelder Ortsteil Sachsenbrunn und freut sich über prominente Auftraggeber.

In den vergangenen Wochen hat Stefan Köhler im Auftrag der Mitsubishi Motors Corporation (MMC) Deutschland einen Colt C 10 umfassend restauriert. Das Auto ist im Dezember 1986 als zweites Fahrzeug dieser Modellreihe in Deutschland erstmalig in Berlin zugelassen worden und wurde im Juli 2020 außer Betrieb gesetzt. Rund 19 Monate nach seiner Außerbetriebsetzung erstrahlt es nun in neuem Glanz und kann künftig von Besuchern des historischen Fuhrparks von Mitsubishi-Motors in der Deutschlandzentrale in Friedberg bestaunt werden.
Stefan Kühner freut sich über diesen Auftrag. "Ich kann nicht leugnen, dass ich ein bisschen stolz auf diesen prominenten Auftrag bin, direkt erteilt von einem Fahrzeughersteller. "Auch wenn Kühner gelegentlich für verschiedene Zwei- und Vierradmuseen oder andere öffentliche Einrichtungen arbeitet, "so ist das hier für mich persönlich etwas ganz Besonderes." Viel war zu tun an dem alten Colt: Karosseriearbeiten, Fahrwerktechnik, Bremsen, Frontscheibenrahmen und Frontscheibe, Kotflügel, neue Seiten, Schweller, Motor, Zahnriemen und Unterboden, aber auch eine Lackaufbereitung, Chromaufbereitung und Innenraumaufbereitung. Nicht zu reden von Leitungen, Gummiteilen, Manschetten.
Ein Meister rund ums Auto
Alle Arbeiten hat Stefan Kühner selbst gemacht, ist er doch Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einer Person. Stefan Kühner hat im Jahr 1995 an der Regelschule in Sachsenbrunn seine Schulzeit abgeschlossen und im väterlichen Unternehmen sowie im Seat-Autohaus in Eisfeld seine Lehre absolviert. In der Folgezeit hieß es, sich weiter zu qualifizieren, sodass er mehrere Berufsabschlüsse erreicht hat. Dazu zählen der Kfz-Mechatroniker, Kfz-Servicetechniker, Kfz-Karosseriebauer und Kfz-Fahrzeugbauer oder auch der Kfz-Klimatechniker. Im Jahr 2006 schließlich erhielt er seinen Meisterbrief als Kfz-Technikmeister. Im Schweißtechnischen Institut in Greifswald legte er seine Schweißerprüfung ab. Die Vielzahl an Qualifikationen erlaubt es dem Sachsenbrunner auch, ein Fahrzeug umfassend zu reparieren, so wie es mit dem Colt C 10 geschehen ist.
Am liebsten würde Kühner nur alte Autos reparieren, verrät er, aber davon könne man nicht leben. So sind es letztendlich alle Fabrikate, die unter seinen Händen wieder fahrtüchtig werden. Neben der Werkstatt hat er eine Waschhalle und einen Dekra- beziehungsweise TÜV-Stützpunkt und einen Bremsenprüfstand. Ab April soll es sogar eine Selbsthilfewerkstatt für kleinere Arbeiten geben. Vorbild für Stefan Kühner war sicherlich sein Vater Jürgen Kühner, der von 1984 an eine Trabant-Werkstatt hatte und nach der Wende bis 1999 eine Mitsubishi-Vertragswerkstatt sein Eigen nannte. Nach mehreren Jahren der Ruhe auf dem Werkstattgelände kaufte es schließlich der Sohn und machte sich selbstständig.
Von weit her
Die Kunden kommen aus ganz Deutschland, der Schweiz und auch aus Österreich, sagt der Kfz-Meister. Die zu erledigenden Aufgaben seien oftmals sehr anspruchsvoll. Kontakt hält Kühner auch zu dem Mitsubishi Museum im Allgäu, über das er auch mit Ersatzteilen für alte Autos dieser Marke versorgt wird. Gegründet hat Stefan Kühner auch die "united-sigma-friends" (USF). Das ist eine Gruppe von Mitsubishi Sigma-Fahrern, die sich in der Regel jährlich einmal im Mai trifft. Auch hier kommen Sigma-Freunde bis aus Österreich und der Schweiz.
Übrigens steht der erste Mitsubishi Sigma mit der Erstzulassung vom Januar 1991 auch in Sachsenbrunn. Es war der Firmenwagen von Hanns Trapp Dies, dem Deutschland-Chef von Mitsubishi. Von diesem Fahrzeugtyp gibt es heutzutage noch 80 Stück in Deutschland.
Platz neben Größen
Die Arbeitszeit gestaltet Stefan Kühner flexibel. Da kann es auch schon einmal passieren, dass es ihm in den Sinn kommt, nachts zum Werkzeug zu greifen. "Natürlich muss ich tagsüber auch richtig arbeiten und mir meinen Lebensunterhalt verdienen. Aber meine Lieblingsbeschäftigung ist und bleibt es, nach Feierabend da anzufangen, wo andere genervt das Werkzeug wegwerfen. Fehler, die keiner findet, Umbauten die keiner macht, und nicht zuletzt, ständig aus alten Kisten etwas Neues zu erfinden. Das sind die Dinge, die mich bei Laune halten können."
Inzwischen wurde der in Sachsenbrunn restaurierte Colt C 10 abgeholt. Im historischen Fuhrpark der Mitsubishi-Zentrale Deutschland findet er nun einen Platz neben anderen seltenen und besonderen historischen Autos seiner Marke, unter anderem dem Gewinnerfahrzeug der Paris-Dakar-Rallye von Jutta Kleinschmidt. Als nächstes soll Stefan Kühner einen Colt C 50 für den Autohersteller aufwerten.
"Handwerklich ist dieser Mann richtig, richtig gut", sagt Stefan Büttner, Sprecher von Mitsubishi Deutschland. "Normalerweise werden solche zu restaurierenden Autos zu unseren Händlern gegeben, aber in dem Fall bin ich von seiner Arbeit so überzeugt und so begeistert, dass ich hier Stefan miteinbeziehe." Der Sachsenbrunner hat sich in seiner Branche offenbar einen Namen gemacht.
