Als erster Transporter wurde der Fiat Ducato beim Euro NCAP mit "Platin" für beste Sicherheit bewertet. Der ADAC spricht von einer Mogelpackung – und kann lediglich einen Transporter in puncto Sicherheit empfehlen.

Als erster Transporter hat der Fiat Ducato beim Euro NCAP 2022 die beste Bewertung "Platin" erhalten. Dazu gab es viermal das Prädikat "Gold", siebenmal "Silber" und sechsmal "Bronze". Der ADAC hält die Ergebnisse der neuesten Sicherheitstests jedoch für eine Mogelpackung. 18 der 19 getesteten Transporter stuft der Verkehrsclub als "nicht empfehlenswert" ein. Wie kommt es zu dieser Diskrepanz?
Bei den Crashtests und den Sicherheitsbeurteilungen des Euro NCAP wurden laut ADAC ausschließlich Transporter mit Vollausstattung untersucht. Alles, was an Sicherheitssystemen europaweit gegen Aufpreis angeboten wird, fließt also in die Bewertung ein. Gekauft werden in Deutschland nach Ansicht des ADAC allerdings hauptsächlich Standardmodelle ohne Extras. Daher stellt der Verkehrsclub der Ergebnisliste des Euro NCAP seine eigene Auswertung der gleichen Transporter mit deutscher Serienausstattung entgegen – mit gänzlich anderen Ergebnissen.
Fast alle Transporter fallen durch
Während beim Euro NCAP lediglich ein Fahrzeug als "nicht empfehlenswert" eingestuft wird, schätzt der ADAC die Sicherheit der getesteten Transporter genau umgekehrt ein. Nur der Vito von Mercedes-Benz erhält "Bronze", alle anderen Transporter fallen durch.
Für den ADAC ein ernüchterndes Ergebnis: "Keines der 19 getesteten Modelle ist serienmäßig mit Sicherheitssystemen wie dem Notbremsassistenten ausgestattet. Lediglich ein Gurtwarner gehört zur Grundausstattung. Mehr Sicherheit gibt es also nur gegen Aufpreis", beklagen die Verkehrsexperten.
Mehr als 14.000 Unfälle mit Personenschaden

Dabei würden die Unfallzahlen mit Transportern den dringenden Handlungsbedarf bei der Sicherheitsausstattung aufzeigen. Laut Statistischem Bundesamt waren 2019 Transporter in mehr als 14.000 Unfälle mit Personenschaden verwickelt. In rund zwei Drittel der Fälle, bei denen insgesamt 126 Menschen starben, waren sie Hauptverursacher. Besonders Auffahrunfälle oder Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern könnten Notbremsassistenten verhindern oder abmildern.
Aus diesem Grund und weil die Unfallfolgen mit Transportern statistisch gravierender ausfallen als bei Pkw, werden viele Assistenzsysteme ab Juli 2022 für neue Typgenehmigungen gesetzlich vorgeschrieben. So müssen Nutzfahrzeuge und Busse bis 3,5 t nach der allgemeinen Sicherheitsverordnung der EU (General Safety Regulation/GSR) ab Juli 2022 mit einem autonomen Notbremssystem ausgestattet sein. Von Juli 2024 an gilt das dann für alle Neuzulassungen. Jeweils zwei Jahre später müssen die Systeme auch Fußgänger und Radfahrer erkennen.