Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sieht Fortschritte bei der Verringerung von russischen Ölimporten. Demnach könnte Deutschland davon schon bis Ende 2022 fast unabhängig sein. Bei Gas dauert es aber etwas länger.

Deutschland verringert zusehends seine Abhängigkeit von russischen Energieimporten. "Ich bin mir sicher, dass wir auf diesem Weg schnell, zügig und gut vorankommen werden", sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bei der Vorstellung des "Fortschrittsberichts Energiesicherheit". Schon in den vergangenen vier Wochen hätte die Abhängigkeit von russischem Öl, von Kohle und von Gas reduziert werden können. Fortschritte gebe es vor allem bei Öl und Kohle, aber auch beim Gas gehe es voran.
Unabhängigkeit von russischem Öl bis Ende 2022 nahezu möglich
Bei Öl erwartet Habeck eine Halbierung der Importe bis zum Sommer. Bis zum Jahresende soll Deutschland sogar fast unabhängig von russischen Ölimporten sein. Noch im vergangenen Jahr deckte Deutschland rund 35 Prozent seines Ölverbrauchs durch Russland. Bald seien es nur noch 25 Prozent.
Steinkohle-Importe aus Russland bis Herbst zu ersetzen
Bei russischer Steinkohle, die bisher rund die Hälfte des deutschen Steinkohleverbrauchs ausmacht, sinkt die Abhängigkeit nach Habecks Worten in den nächsten Wochen auf etwa 25 Prozent. Bis Herbst könne Deutschland sogar ganz unabhängig sein, sagte der Minister. Möglich werde die Umstellung bei Öl und Kohle, weil Unternehmen die Verträge mit russischen Lieferanten auslaufen ließen und sich andere Lieferanten suchten.
Bei Gas wird die Umstellung bis 2024 dauern
Bei Gas ist der Ausstieg angesichts der hohen Abhängigkeit etwas schwieriger. So lag der Anteil der russischen Gaslieferungen im Mittel bisher bei 55 Prozent. Dieser Anteil konnte nach den Worten Habecks zum Ende des ersten Quartals 2022 auf 40 Prozent verringert werden. Eine weitgehende Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen könne bis Sommer 2024 gelingen. Dabei setzt Deutschland bei der Versorgung aus anderen Ländern nicht zuletzt auf Flüssiggas (LNG). Auch arbeite Deutschland an drei schwimmenden LNG-Terminals, berichtete Habeck. Daneben werde der Ausbau der LNG-Terminals in Brunsbüttel, Wilhelmshaven und an anderer Stelle vorwärts getrieben.
Insgesamt setze die Umstellung der Gasversorgung "einen gemeinsamen Kraftakt von Bund, Ländern, Kommunen, Unternehmen und privaten Haushalten voraus", sagte der Minister. Auch brauche es einen massiven Ausbau der Erneuerbaren, den schnelleren Hochlauf von Wasserstoff und massive Einsparungen. "Jede Anstrengung, jede eingesparte Kilowattstunde hilft ebenfalls und schadet Putin", betonte er. Seit Beginn des Angriffskrieges auf die Ukraine sei ein erheblicher Anstieg bei den Sanierungsanträgen zu beobachten, fügte er hinzu.
Habeck spricht sich weiter gegen Embargo aus
Mit Blick auf die Diskussion um ein Embargo auf russische Energieimporte sagte Habeck: "Ein sofortiges Embargo hätte erhebliche soziale und ökonomische Konsequenzen." Es hätte auch Folgen, die die beschriebenen Schritte hin zu mehr Energieunabhängigkeit erschwerten. Dazu brauche es Geld und die Geschlossenheit der Gesellschaft. "Das heißt aber nicht, dass wir uns darauf nicht vorbereiten, wenn die Entscheidung von anderen getroffen wird", unterstrich er.