Interview zu hohen Energiepreisen Bäckermeister: "Werden die Preise mehrfach anheben müssen"

Energieintensive Handwerksunternehmen müssen aktuell tief in die Tasche greifen. Der Strompreis hat inzwischen ein Höchstniveau erreicht, an den Tankstellen explodieren die Preise und die Kosten für Heizung schießen durch die Decke. Im Interview erzählt Georg Schneider, Inhaber der Vollwertbäckerei Schneider aus Neusäß, wie er mit dieser Situation umgeht.

Bäckermeister in Backstube
Bäckermeister Georg Schneider bespricht sich mit seinem Backstubenleiter. - © bild-text-ton.de

Herr Schneider, wie hoch ist Ihr Stromverbrauch pro Jahr? Wie stark sind Ihre Stromkosten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen?

Georg Schneider: Wir rechnen 2022 mit einem Verbrauch von ca. 580.000 Kilowattstunden. Noch haben wir einen günstigen Strompreis, da wir vorausschauend immer feste Verträge abschließen, manchmal auch schon für zwei Jahre im Voraus. Für das nächste Jahr ist die Lage derzeit völlig undurchsichtig. Ich rechne damit, dass Steigerungen von über 100 Prozent möglich sind. Im Laufe der ersten Jahreshälfte möchte ich die Preise für 2023 wieder fixieren.

Wie hoch ist der Anteil der Stromkosten an Ihren Gesamtkosten und hat sich dieser Anteil im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erhöht – wenn ja, um wie viel Prozent?

Die Energiekosten betragen bei uns knapp drei Prozent. Die derzeitigen Steigerungen sind noch nicht eingerechnet. Die steigenden Energiekosten schlagen sich aber natürlich auch in den Vorproduktionsstufen nieder. Unsere Lieferanten haben deswegen teilweise die Rohstoffpreise schon angehoben. Auch unsere Mitarbeiter sind von den steigenden Energiepreisen betroffen. Da werden Lohnanpassungen nicht ausbleiben können.

Erwägen Sie wegen der gestiegenen Kosten, mehr in Energieeffizienz zu investieren?

Aufgrund der alten Struktur unseres Gebäudes ist dies nur sehr begrenzt möglich oder sinnvoll. Es bedarf größerer Umbauarbeiten und die verursachen hohe Kosten. In der Vergangenheit war dies nicht umsetzbar. Jetzt prüfen wir das erneut und haben dafür eine umfangreiche Energieberatung angestoßen.

Wie stark schätzen Sie die Konkurrenz von Industriebäckereien ein, die auch wegen einer reduzierten EEG-Umlage kostengünstiger produzieren können?

Die EEG-Umlage sollte von allen im gleichen Maße getragen werden! Die Befreiung sorgt meiner Meinung nach für ein großes Ungleichgewicht am Markt. Viele Tiefkühlteiglinge, die dann in SB-Backshops, Lebensmittelmärkten oder auch an Tankstellen verkauft werden, können somit noch günstiger produziert und angeboten werden.

Wo sehen Sie noch steigende Kosten und wie hoch beziffern Sie diese?

Aufgrund des Ukraine-Krieges ist dies derzeit unmöglich abzuschätzen. Aber der Weg ist ganz klar: Egal ob Rohstoffe oder Energie – es geht nach oben!

Können und werden Sie diese gestiegenen Kosten ganz oder teilweise an Ihre Kundschaft weitergeben?

Wir müssen diese weitergeben. Kurzfristige Ausschläge im Rohstoffmarkt konnten wir bisher immer abfedern. Wenn sie so drastisch sind wie derzeit, passen wir die Preise an. Ich schließe nicht aus, dass wir dieses Jahr die Preise mehrfach anheben müssen.

Haben Ihre Kundinnen und Kunden bisher Verständnis für Preiserhöhungen gezeigt?

Bisher war das meist kein Problem. Es gab nur wenige, die sich hier negativ ausgesprochen haben oder gar ferngeblieben sind. Ich denke aber, dass aufgrund der Steigerungen in allen Bereichen die Kunden diesmal etwas sensibler sind.

Wie stark belasten Sie die Folgen der Corona-Pandemie, als Sie Ihre Laden-Cafés zeitweise schließen mussten oder Ihre Kundschaft nur zum Teil oder unter Auflagen empfangen durften?

Die Pandemie war und ist für uns noch immer eine Herausforderung. Ohne unser tolles Team hätten wir das so nicht stemmen können. Alle haben mitgezogen. Von Beginn an stand ein Teil der Gäste allen Auflagen sehr kritisch gegenüber und ließ dies allzu oft an unseren Mitarbeitern aus. Zeitweise waren Diskussionen im Laden oder im Café an der Tagesordnung. Egal ob Maskenpflicht, 2G-Nachweis oder Kontaktdatenerhebung. Mit dem Wegfall der Kontaktdatenerhebung hat dies deutlich nachgelassen. Aber natürlich sind die Besuchszahlen noch nicht so wie vorher. Hinzu kommt, dass wir wegen vermehrter Krankheits- und Quarantänefälle Cafés oder Filialen teilweise schließen mussten.

Welche Forderungen an die Politik stellen Sie?

Die vollkommene Abschaffung der EEG-Umlage und eine Förderung von Energieeinsparungs-Investitionen. Eine vorrübergehende Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Mineralöle und Benzin wären eine Entlastung für Privat und Gewerbe. Außerdem sollte es ein Umdenken in der Corona-Politik geben – keine Quarantäne mehr, wir müssen lernen, normal damit umzugehen.