Viele Kriege oder politischen Krisen der letzten Jahrzehnte – die Irak-Kriege in den 90er-Jahren oder der 11. September 2001 – stellten sich im Nachhinein als gute Einstiegszeitpunkte heraus. Auch wenn es zynisch klingt: Der Krieg in der Ukraine könnte für Anleger eine gute Gelegenheit zum Kauf sein.

Eine in diesen Tagen viel zitierte Börsenregel des Bankiers Carl Mayer von Rothschild gibt die Richtung für mutige Investoren vor. "Kaufen, wenn die Kanonen donnern und verkaufen, wenn die Violinen spielen", heißt seine Regel, die er Anfang des 19. Jahrhunderts aufstellte. Manchmal ist es richtig, antizyklisch zu investieren, also zu kaufen, wenn alle anderen entsetzt der Börse den Rücken kehren und die Kurse fallen.
Untersuchungen zeigen eindrucksvoll, dass diese Vorgehensweise eine gute Idee sein kann. Wenn es abwärtsgeht, gibt es Sonderangebote. Viele gute Unternehmen mit extrem stabilen Geschäftsmodellen werden zu Unrecht abgestraft. Ihre Aktien rauschen mit in die Tiefe. Doch jetzt bilanziell gesunde Unternehmen zu verkaufen, ist ein Fehler. Besser ist es, solche Phasen als Kaufgelegenheit zu betrachten.
Krieg in der Ukraine: Für Anleger empfiehlt sich ein Sparplan
Dabei sollten Anleger nicht versuchen, auf den besten Einstiegszeitpunkt zu warten. Diesen zu treffen ist reine Glückssache. Da niemand weiß, wie weit die Kurse noch fallen, wann der Wendepunkt kommt und welche Werte sich zuerst erholen, empfiehlt sich in solchen Marktphasen ein Sparplan. Wenn man regelmäßig einen festen Betrag investiert, stellt sich die Frage nach dem besten Einstiegszeitpunkt nicht.
Die aktuellen Verluste sind derzeit überschaubar. Sie langfristig auszusitzen, ist bei Unternehmen mit gesundem Geschäftsmodell die beste Lösung. Wer sich ein Portfolio aus robusten Qualitätsaktien aufgebaut hat, kann Verluste einfach laufen lassen. Diese Qualitätsaktien erzielen langfristig eine Rendite von sechs bis acht Prozent pro Jahr. An dieser Wertentwicklung wird auch der aktuelle Krieg wenig ändern. Ganz im Gegenteil. Die Grundsteine für die größten Vermögen werden in Krisenzeiten gelegt.
Zum Autor: Markus Richert ist Finanzplaner bei der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH in Köln.