Interview mit Corona Feederle Die Frau, die heißt wie die Pandemie

"Corona!" – wenn beim Karlsruher Trennwandspezialisten Feco-Feederle die Geschäftsführerin gerufen wird, schaut so mancher Besucher erst einmal verdutzt. Ihren Vornamen trägt Corona Feederle in dritter Generation, auch an ihre Tochter hat sie ihn weitergegeben. Wie sie es erlebt, überall Warnhinweise mit dem eigenen Namen zu lesen – und warum die Pandemie auch für ihr Geschäftsmodell eine Umstellung bedeutet.

Corona Feederle nimmt´s mit Humor: Zwar wird die Pandemie aller Voraussicht nach eine Familientradition durchbrechen, über die Assoziationen mit dem Virus kann sie aber dennoch schmunzeln. - © Nikolay Kazakov

Anders als in Italien oder Spanien ist Corona in Deutschland ein eher seltener Vorname. Schätzungsweise tragen ihn hierzulande weniger als einhundert Frauen. Wie kamen Ihre Eltern auf den Namen?

Corona Feederle: Der Vorname geht bei uns durch die Generationen. Meine Großmutter und Mutter heißen Corona, auch meine 21-jährige Tochter. Wir leben eigentlich sehr gerne mit dem Namen, auch weil er so selten ist. Das wird er nach dieser Pandemie sicherlich auch bleiben. Zu meiner Tochter habe ich schon gesagt, dass sie nicht dazu verpflichtet ist, den Namen irgendwann einmal weiterzugeben. (lacht)

Werfen wir einen Blick zurück auf den März 2020. Können Sie sich an den Moment erinnern, in dem Sie realisiert haben: Hier rollt ein Unglück auf uns zu – und es wird ausgerechnet mit Ihrem Namen in Verbindung gebracht?

Ich erinnere mich daran, wie ich zuhause Tagesschau geschaut habe – und muss sagen, im ersten Moment habe ich mich ein wenig amüsiert. Mein Name ist keiner, den man an einem Verkaufsstand auf einer Tasse findet. Deshalb war das zunächst ein wenig irreal. Anfangs dachte ich noch, das sei nur eine Übergangsphase, weil Corona eine Gruppe von Viren beschreibt. Konkret sprechen wir ja von dem Virus SARS-CoV-2 und der Krankheit Covid-19. Irgendwann war dann nicht mehr vom Coronavirus die Rede, sondern fast nur noch von Corona. Das war gewöhnungsbedürftig.

Tatsächlich sehen Sie sich heute an nahezu jeder Ecke mit Ihrem eigenen Namen konfrontiert. In Ihrem Unternehmen gilt sicherlich eine "Corona-Arbeitsschutzverordnung", es gibt Plakate mit "Stop Corona", eine "Corona-Warn-App" – lösen diese negativen Assoziationen etwas bei Ihnen aus?  

Ich habe das natürlich stark entkoppelt inzwischen. Die Krankheit hat schließlich nichts mit meiner Person zu tun. Als allerdings die ersten Kampagnen "Zusammen gegen Corona" von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung liefen, war das schon befremdlich. Nach zwei Jahren Pandemie geht das im einen Ohr rein, im anderen wieder raus.

Wie verhält es sich bei privaten oder geschäftlichen Gesprächen: Trauen sich Ihre Gesprächspartner überhaupt das Thema anzusprechen?

Gerade neue Kontakte denken sich vermutlich, dass das schon komisch genug ist und sagen lieber nichts. Ich mache deshalb häufig selbst einen Kommentar dazu. Wenn ich zum Beispiel am Telefon meine Kontaktdaten durchgebe, warne ich vor, dass die E-Mail-Adresse kein Scherz ist. Auch bei Einlasskontrollen ernte ich verdutzte Blicke, wenn ich meine App und meinen Personalausweis vorzeige. Denen komme ich dann meist mit einem Spruch zuvor. Man kann darüber auch ganz gut ins Gespräch kommen.

"Die nächste Pandemie sollte doch bitte nach einem Mann benannt werden."

Sie machen sich inzwischen also eher einen Spaß daraus? 

Ja, wir versuchen es mit Humor zu nehmen – die Pandemie ist schließlich ernst genug. Letzten Sommer meinte ich im Scherz, die nächste Pandemie sollte doch bitte nach einem Mann benannt werden. Fair abwechselnd wie bei den Hoch- und Tiefdruckgebieten könnte sie dann "Hugo" oder "Thorsten" heißen. Mein Mann hat mir dann zum Geburtstag ein T-Shirt mit dem Spruch geschenkt.

Gab es weitere witzige oder unangenehme Erlebnisse?

Wir haben in unserem Unternehmen das Feco-Forum, eine große Ausstellungsfläche, die gleichzeitig Arbeitsplatz für unsere Mitarbeiter ist. Wenn mich ein Mitarbeiter dort ganz selbstverständlich beim Vornamen ruft und es ist jemand anwesend, der mich nicht kennt, dann sorgt das natürlich erst einmal für Irritation. Ein wirklich negatives Erlebnis hatte ich aber tatsächlich nie.

Sprechen Sie in Ihrem Unternehmen von Corona-Regeln oder Covid-19-Regeln?

Nein, schon von Corona-Regeln. Das habe ich anfangs stark gespürt, dass viele Menschen in meinem Umfeld versucht haben, in meiner Gegenwart eher von Covid zu sprechen. Manchen ist es dann durchgerutscht und haben sich sofort entschuldigt. Mir wäre das gar nicht aufgefallen, weil ich es überall höre.

Das Büro als Geschäftsmodell in Zeiten von Homeoffice

Nun wirkt sich die Pandemie auch auf Ihr Geschäftsfeld aus. In den vergangenen zwei Jahren haben viele Unternehmen Erfahrungen mit Homeoffice gesammelt. Es gibt Anzeichen, dass sich Büroflächen künftig tendenziell verkleinern werden. Fürchten Sie, dass Ihre Trennwandsysteme und Lösungen für Bürowelten in Zukunft weniger nachgefragt werden?

Wir spüren, dass es den Wunsch nach persönlicher Begegnung gibt und die Präsenz für die Unternehmen einen wirtschaftlichen Wert hat. Aber wir wissen auch, dass es eine Diskussion um die Nutzung der Flächen gibt. Einerseits wird darüber nachgedacht, Flächen zu reduzieren und Kosten zu sparen. Andererseits stellt sich die Frage, wie Bestandsflächen anders genutzt werden könnten. Das Büro der Zukunft wird noch stärker ein Ort der Begegnung – und immer weniger die ausschließliche Heimat des Schreibtisches.

"Das Büro der Zukunft wird noch stärker ein Ort der Begegnung"

Wie kann ich mir das vorstellen?

Der Schreibtisch ist ein guter Ort für persönliche Arbeiten, aber wenig geeignet für Besprechungen. Schon in den vergangenen Jahren sind zum klassischen Besprechungsraum viele Flächen dazugekommen, etwa zur informellen Begegnung, aber auch für agiles oder projektbezogenes Arbeiten. Bei offenen Bürostrukturen können zudem Rückzugsflächen für konzentriertes Arbeiten geschaffen werden – da spielen ja auch unsere Trennwände mit rein.

Sie blicken also optimistisch in die Zukunft?

Ganz bestimmt wird es an manchen Stellen Flächenreduzierungen geben. Aber als Hersteller sind wir per se nicht nur auf Volumen aus. Der Anspruch an die Akustik ist in den letzten Jahren stark gestiegen, zudem wünschen sich unsere Kunden vielfältige Oberflächen, was Farbe und Material betrifft. Die Nachfrage mag in der Menge vielleicht zurückgehen, in den Ansprüchen an die Qualität wird sie jedoch steigen. Das sehen wir als Chance. Zumal sich die Gebäude unserer Kunden meist in eigenem Besitz befinden. Flächen dürften also eher umfunktioniert als abgestoßen werden.

Wie sind Ihre eigenen Erfahrungen im Betrieb mit Homeoffice?

Bei uns hat jeder die Möglichkeit von zuhause aus zu arbeiten, sofern es mit den Aufgaben vereinbar ist. Unsere Mitarbeiter haben allerdings nicht das Bedürfnis nach einhundert Prozent Homeoffice, sondern wünschen sich eine Mischform. Das ist – finde ich – ein positiver Effekt für uns, aber auch für unsere Kunden. Man hat gelernt, dass Homeoffice möglich ist und funktionieren kann. Arbeitnehmer haben inzwischen ein Gefühl dafür entwickelt, welche Arbeiten sie wo am besten erledigen können. Wir wollen alle eine moderne Gesellschaft und Wirtschaft sein und die Digitalisierung vorantreiben – dahingehend hat uns die Pandemie wirklich geholfen.

Vorname Corona: Herkunft und Bedeutung

Der Vorname Corona stammt aus dem Lateinischen und steht für "Kranz" oder "Krone". Er geht vermutlich auf die Heilige Corona zurück – eine Märtyrin, die im zweiten Jahrhundert lebte. Im Christentum wird sie als die Patronin des Geldes, der Metzger und Schatzgräber verehrt. Ihr eigentlicher Name soll Stephana gewesen sein, was im Griechischen gleichbedeutend mit dem lateinischen Begriff Corona ist. Ein Attribut christlicher Märtyrer ist im katholischen Glauben die Märtyrerkrone (lat. martyrii corona, auch corona fidei: "Krone des Glaubens").