Vor der WM Diese Rolle spielt Handwerk beim Stadionbau

Während die Fußballwelt auf die WM in den USA, Mexiko und Kanada blickt, zeigt ein Beispiel aus dem Breisgau, wie moderner Stadionbau in Deutschland funktioniert: Beim Europa-Park-Stadion des SC Freiburg haben Handwerksbetriebe aus der Region Schlüsselgewerke übernommen – mit ganz eigenen Herausforderungen.

Blick ins Stadion: Fast 35.000 Besucher finden im Europa-Park-Stadion des SC Freiburg Platz. - © Klaus Polkowski

Dass in den USA, Mexiko und Kanada demnächst Millionen Fußballfans die Weltmeisterschaft live im Stadion erleben können, ist auch ein Verdienst fähiger Handwerkerinnen und Handwerker. Um zu veranschaulichen, wie viel handwerkliche Arbeit in einer modernen Spielstätte steckt, lohnt sich ein Blick auf das jüngste Bundesliga-Beispiel hierzulande. Beim 76,5 Millionen Euro teuren Neubau des SC Freiburg haben Handwerksbetriebe aus der Region Schlüsselgewerke übernommen – von der Trinkwasserhygiene bis zur 48-Meter-Arbeitsbühne.

Einer der beteiligten Unternehmer ist Jürgen Knopf. Sein Betrieb A. Knopf Haustechnik aus Bühlertal war für sämtliche Arbeiten in den Bereichen Sanitär, Heizung und Klima verantwortlich. Den Auftrag erhielt er vom Generalunternehmer Köster, für den er bereits mehrere Projekte umgesetzt hat. Zudem ist Knopf langjähriger Sponsor des Vereins.

Hygienekonzept für ungleichmäßige Nutzung

Standhaft bei jeder Witterung: Die imposanten Stahlstützen der Heimspielstätte des SC Freiburg werden verankert. - © Klaus Polkowski

Eine der größten Herausforderungen war die Trinkwasserhygiene. Anders als in einem Mehrfamilienhaus oder Hotel wird ein Stadion sehr ungleichmäßig genutzt. An Spieltagen läuft das Wasser stundenlang in hohem Tempo, an spielfreien Tagen werden manche Duschen in den Mannschaftsräumen kaum benutzt. Damit das Wasser nicht in den Leitungen steht und die Hygieneauflagen eingehalten werden, hat Knopfs Betrieb ein eigenes Konzept entwickelt.

Alle Endstellen der Leitungen wurden mit Hygienespülungen versehen. Kein Wasserrohr ist länger als das Siebenfache des Rohrdurchmessers – so spülen sich die Leitungen schnell frei. "Wir haben keine Stagnation in den Leitungen. Wenn man eine Heißwasserleitung öffnet, ist das Wasser in weniger als einer Sekunde verfügbar", sagt Knopf. Alle 72 Stunden wird das komplette Trinkwasser im Installationsnetz erneuert. Auch die Urinalbecken spülen automatisch im Drei-Tage-Takt.

Heizen ohne fossile Brennstoffe

Arbeiten unter sengender Hitze. - © Klaus Polkowski

Beheizt werden die Vereinsbüros, Umkleiden, Business- und Sozialbereiche sowie der Rasen im Stadion und im Trainingszentrum – über Fußbodenheizungen und Heizkörper im Niedrigtemperaturbereich. Fossile Brennstoffe kommen nicht zum Einsatz. Die Fernwärme stammt aus einer Hackschnitzel-Anlage, dazu läuft eine energieeffiziente Hochtemperatur-Wärmepumpe. Für die Kühlung im Sommer sorgen zwei Kältemaschinen, deren Strombedarf eine Solarthermie-Anlage auf dem Dach unterstützt.

Arbeitsbühnen bis 48 Meter Höhe

Auch der Gerüstbau- und Arbeitsbühnenspezialist Paul Becker aus Denzlingen war beteiligt. "Beim Bau des neuen Stadions kamen von der kleinsten Arbeitsbühne mit acht Metern Arbeitshöhe bis zur großen 48-Meter-Teleskoparbeitsbühne zahlreiche Mietmaschinen zum Einsatz", sagt Geschäftsführerin Vanessa Binz, die für die Stapler- und Arbeitsbühnenvermietung verantwortlich ist. So konnten die Bauunternehmen auf unterschiedlichen Höhen arbeiten.

Geschäftsführerin Sabrina Binz, zuständig für Gerüstbau und Containerdienst, ergänzt: "Durch unseren engen Kontakt zu allen tätigen Firmen und dem täglichen Wechsel unserer Container konnten wir zum reibungslosen Baufortschritt beitragen."

Erfolgreicher Fußball auf handwerklichem Fundament

Dass sich die Arbeit gelohnt hat, zeigt der sportliche Erfolg: Der SC Freiburg stand zuletzt im Finale der UEFA Europa League. In der Bundesliga landeten die Breisgauer auf Tabellenplatz sieben und qualifizierten sich damit für die Conference League.