Goldschmiedemeister Christof Lachenmann-Fries hat sich einen Traum erfüllt und ist mit dem Fahrrad zum Nordkap gefahren. Doch damit nicht genug: Anlässlich der Aufnahme der Wasserversorgung von Augsburg in die Unesco-Welterbeliste, übergab er in Schottland einen besonderen Ring.
Steffen Guthardt

Die historische Wasserversorgung der Stadt Augsburg wurde in diesem Sommer zum UNESCO-Welterbe ernannt. Der Inhaber der Goldschmiede Fries-Arauner, Goldschmiedemeister Christof Lachenmann-Fries, hat die Auszeichnung zum Anlass genommen, einen Wasserring als Symbol des Welterbes zu fertigen. Der blaue Stein Calcedon-Cabochon ist in einem Silberring mit der Augsburger Stadtsilhouette gefasst. In Gesprächen mit der Stadtverwaltung kam er auf die Idee, den Ring persönlich an Inverness, die älteste Partnerstadt Augsburgs in Schottland, zu übergeben. Der Ring hat inzwischen einen würdigen Ausstellungsplatz in einem Museum in Inverness gefunden. Hinter Lachenmann-Fries liegt eine 6.000 Kilometer lange Reise, die er größtenteils allein mit dem Fahrrad bewältigt hat. Antrieb seiner fast achtwöchigen Tour war aber eigentlich nicht die Ringübergabe, sondern eine Expedition zum Nordkap.
Ursprünglich wollte der 58-Jährige mit dem Fahrrad quer durch Kanada reisen, bis er auf Fotos von einer Reise seines Sohnes feststellte, dass die skandinavischen Landschaften genauso viel zu bieten haben wie das nordamerikanische Land. Und so machte sich der radbegeisterte Handwerker im Juli dieses Jahres auf sein großes Abenteuer. Zweifel, ob er die Reise schafft, gab es nicht: "Wenn du ein bisschen handwerklich begabt bist, kommst du mit jeder Situation zurecht. Ich konnte mein Fahrrad selbst reparieren und unterwegs auch anderen meine helfenden Hände anbieten", sagt er. Sorgen bereitete ihm jedoch ein Meniskusschaden, den er sich kurz vor dem Start der Reise zugezogen hat. "Ich war sehr erleichtert, als mein Arzt schließlich grünes Licht gab."
Ein besonderes Erlebnis auf den Lofoten
Auf den ersten Etappen bis nach Aarhus in Dänemark wurde er von seiner Frau begleitet, "die aus Solidarität mit dem E-Bike mitgefahren ist", erzählt der Goldschmiedemeister. Während seiner weiteren Tour ließ sich Lachenmann-Fries "einfach treiben", wie er es formuliert. Station machte Lachenmann-Fries dort, wo es ihm gerade gefiel. Ohne einen Plan und ohne Zeitdruck. Keine Übernachtung wurde im Voraus gebucht. Und auch auf ein Zelt hat er verzichtet. "Ich wollte die Menschen vor Ort kennenlernen und habe im persönlichen Gespräch um eine Übernachtungsmöglichkeit gefragt."
Fast überall wurde er mit offenen Armen empfangen. Schwierig wurde es jedoch auf den Lofoten, einer Inselgruppe vor der Küste Nordnorwegens. "Es war touristisch ziemlich überlaufen und die Menschen waren verständlicherweise etwas genervt von dem Ansturm", erinnert er sich. Doch auch hier hatte der Goldschmiedemeister am Ende Glück. Nachdem er die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, öffnete im schließlich ein kleiner Junge mit großen freudestrahlenden Augen die Tür. Mit seinem roten Mantel und dem langen weißen Bart hielt der Junge den Handwerksmeister für den Nikolaus.
Schließlich erreichte Lachenmann-Fries das Nordkap und reiste vom nächstgelegenen Flughafen weiter nach Schottland. Dort übergab er seinen Wasserring und radelte weiter zur letzten Station nach England. Ein für ihn ganz besonderer Ort war sein Ziel: Eine Parkbank in der Nähe von Birmingham. Hier hatte Lachenmann-Fries während eines Schüleraustauschs im Alter von 16 Jahren sein erstes Rendezvous. sg