Handwerk wie vor 100 Jahren Alexander Preiß kreiert Schuhe für die Ewigkeit

Dass Alexander Preiß’ Blick meist zuerst auf die Schuhe seines Gegenübers wandert, kann er nicht leugnen. Der Wahl-Dresdner ist Schuhmacher und liebt seinen Beruf. Vor kurzem wurde ihm ein ganz besonderer Auftrag erteilt.

Hier lässt Kreativität ihren freien Lauf. Alexander Preiß macht Schuh-Träume wahr. - © Ö Grafik

Der frühere Dramaturg stellte vor circa 15 Jahren fest, dass er etwas mit den eigenen Händen kreieren möchte. Er begann eine Umschulung und bereut diesen Schritt bis heute nicht. Denn Alexander Preiß kann nicht nur stolz auf sein gut laufendes Geschäft in der Dresdner Rähnitzgasse sein, zuletzt wurde ihm die Ehre zuteil, die Stiefel Augusts des Starken nachzubilden.

Viele Tage und Nächte sind ins Land gegangen, bis Alexander Preiß und sein Geschäftspartner Christian Legler den Staatlichen Kunstsammlungen eine perfekte Kopie des Königsstiefels überreichen konnten. “Wir haben uns Schritt für Schritt an die Bauart dieses Schuhs herangetastet, recherchiert, vieles verworfen, neue Ansätze gesucht und experimentiert“, so Preiß.

Alexander Preiß arbeitet nach traditioneller Vorgehensweise an einem neuen Paar Maßschuhe. - © Ö Grafik

Für ihn gehöre es zum alltäglichen Geschäft, sich mit alten Schuhmacher-Techniken auseinanderzusetzen. Denn der 49-Jährige hat sich dem traditionellen Schuhhandwerk verschrieben. Die Schuhe werden hier noch vernäht, nicht geklebt. Hochwertige Materialien sind selbstverständlich.

“Als ich mich dazu entschlossen habe, Schuhmacher zu werden, habe ich mich auch dafür entschieden, einwandfreie Produkte zu erschaffen, die dem Träger über Jahre – vielleicht sogar Jahrzehnte – erhalten bleiben. “ Doch es gab ein Problem: Die Dichte der Schuhmacher, die nach alten Vorgaben arbeiten, ist gering, sodass sich Preiß vieles in Eigenarbeit aneignen musste. Heute bildet er selbst aus und freut sich über Kunden aus der ganzen Republik. Sogar aus der Schweiz kommen Menschen für ein Paar Maßschuhe angereist.

Gutes braucht seine Zeit

Mit einem industriell gefertigten Schuh sind die Preiß-Modelle nicht zu vergleichen. Der Fuß wird millimetergenau vermessen, sodass für den nicht ganz günstigen Preis der Schuhe keine Kompromisse eingegangen werden müssen – Standardleisten haben beim Maßschuhmacher keine Chance. Daher benötigt er für einen Halbschuh zwischen 60 und 70 Arbeitsstunden.

Mittlerweile hat sich die Qualitätsarbeit von Alexander Preiß herumgesprochen. Zu seiner Anfangszeit war er aber auf Hilfe angewiesen – wie von der Handwerkskammer Dresden. “Ich wurde regelmäßig zu Veranstaltungen eingeladen, um meine Produkte zu präsentieren, und auch heute unterstützen sie mich, wenn es um Fragen rund um die Ausbildung neuer Nachwuchstalente geht.“ So ist das traditionelle Schuhhandwerk auch für die nächsten Jahre gesichert.