Er bringt seine Leidenschaft zum Klingen: David Jünger ist Gitarrenbauer. In seiner Werkstatt im Odenwald entstehen wahre Meisterstücke. Für sein Können ist der 32-Jährige ausgezeichnet geworden: mit dem Deutschen Musikinstrumentenpreis 2019.
Katja Simon

Mossautal-Hiltersklingen. Ortsrand. Saftige Wiesen. Und viel Wald mitten in der Idylle. Kaum zu erahnen, dass hier Meisterstücke entstehen, die im Frühjahr auf der Musikmesse in Frankfurt mit dem Deutschen Musikinstrumentenpreis eine der begehrtesten Auszeichnungen der Branche eingefahren haben. David Jünger lacht. “Ich habe schon immer gerne gebastelt.“
Bastelleidenschaft zum Beruf gemacht
Rasante Karts zum Beispiel. Mit dem Kumpel. Oder Geländebuggys. Und weil er in seiner Freizeit Gitarre spielt, schnappt er sich eines Tages eine Küchenarbeitsplatte und einen alten Gitarrenhals. Daraus entsteht seine erste E-Gitarre. Und sie ist spielbar. Damals ist David Jünger 15.
Zart tippt der heute 32-Jährige mit den Fingerspitzen auf das helle, sandfarbene Holz, entlockt dem noch unfertigen Klangkörper einen warmen, tiefen Ton. Der perfekte Jünger-Klang? David Jünger hat genaue Vorstellungen: Warm und kräftig muss er sein. Mit starken Bässen und schönen Höhen. Hinzu kommt die Spielbarkeit. “Musiker und Instrument müssen eins sein“, sagt er. Verschmelzen. Deshalb ist jedes seiner Instrumente ein Unikat. Und passt genau zum Besitzer.
“Ich muss mit meinen Händen arbeiten“
Sein Handwerk lernt er von Pike auf. Parallel zur Schule arbeitet er in einem Musikgeschäft, absolviert nach dem Abitur Praktika bei renommierten Gitarrenbauern. Kurzzeitig keimt der Gedanke auf, “etwas Vernünftiges zu machen“. Genauso schnell merkt er, dass das Studium der Geowissenschaften, das er begonnen hat, nichts für ihn ist. Er bricht nach dem 1. Semester ab. “Ich bin Handwerker. Ich muss mit meinen Händen arbeiten.“
In der Musikstadt Markneukirchen im sächsischen Vogtland schreibt er sich in den Studiengang Musikinstrumentenbau ein. Und weiß: “Hier bin ich richtig.“ Im Fachbereich Zupfinstrumentenbau erwirbt er den Bachelor, parallel dazu den Meisterbrief. “Auch wenn ich den Bachelor-Titel habe, war es mir wichtig, Meistergitarren anbieten zu können, da weiß meine Kundschaft direkt, was sie erwartet“, sagt Jünger.
Was der 32-Jährige auf gut 20 Quadratmetern in Hiltersklingen fertigt, ist meisterlich. Unterschiedlichste Hölzer lagern im Regal. Mindestens fünf Jahre lang. Oft über ein Jahrzehnt. Fichte, Zeder, Mahagoni. Jedes Detail wirkt auf den Ton. “Genau das ist das Großartige“, sagt Jünger und gerät ins Schwärmen: “Jedes Stück Holz, das ich in die Hand nehme, ist anders. Ich kann es sehen, riechen und fühlen. Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes in der Hand, was daraus wird.“
Kunden nehmen Warteliste für neue Instrumente in Kauf
Seine Kunden schätzen das. Und nehmen in Kauf, per Warteliste auf ein neues Instrument zu warten. Gut ein halbes Jahr dauert es, bis Jünger ein Modell fertiggestellt hat. Individuell an den Kunden angepasst, versteht sich. Circa 3.000 Euro berechnet er für eine Einsteigergitarre. Parallel dazu bietet er Reparaturservice an. “Klar sind Fabrikinstrumente günstiger“, sagt er. “Aber sie erreichen lange nicht die Qualität der handwerklich gefertigten Instrumente. Weder in Klang noch in Spielbarkeit. Und ein Instrument zu spielen, muss Spaß machen.“
David Jünger hat noch viel vor. Weitermachen. Am perfekten Klang arbeiten. Neues ausprobieren. In einer deutlich größeren Werkstatt mit mehr Platz. Er ist zuversichtlich, dass sich die Investitionen auszahlen. Auf dem Grundstück nebenan steht der Baukran bereit.
