Imed Hamidi aus Tunesien Vom Erdbeerwäscher zum Betriebsinhaber

Das Herz von Imed Hamidi gehört den kleinen Köstlichkeiten. Petit Desserts. Mit frischen Früchten. Zart glasiert und mit Puderzucker bestäubt locken sie in der Vitrine. Damit verköstigte er schon Stars der Formel 1. Inzwischen hat er sich selbstständig gemacht. Wie hat er das geschafft?

Katja Simon

Imed Hamidi gibt zusammen mit der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main jungen Menschen die Chance, im Berufsleben Fuß zu fassen und Zukunft zu gestalten. - © HWK

Wenn andere frühstücken, hat Imed Hamidi schon einige Stunden Arbeit hinter sich. Wie sonst würde das blättrig-zarte Croissant auf den Teller kommen? Der gebürtige Tunesier betreibt in Hattersheim eine Konditorei mit Eiscafé. Mit Hilfe der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main hat er den Weg vom Erdbeerwäscher in die Selbstständigkeit geschafft.

Leidenschaft für die ­Gastronomie entdeckt

Geboren in Tunesien, wächst er mit drei jüngeren Geschwistern auf Djerba auf. Der Vater arbeitet als Küchenchef. Hamidi geht ihm zur Hand, entwickelt seine Leidenschaft für die Gastronomie. 1997 kommt er nach Deutschland, Schleswig-Holstein. Sofort macht er sich auf die Suche nach Arbeit. 'Ich wollte alles machen, Hauptsache Arbeit', erinnert er sich.

Und er wird fündig. 'Backstubenhelfer gesucht': Hamidi bewirbt sich. 'Hast du wirklich Lust dazu', fragt der Chef. 'Unbedingt.' Und Hamidi bekommt den Job. Die fünf Kilometer zum Betrieb legt er täglich mit dem Fahrrad zurück. Macht die Backstube sauber, wenn die Bäcker Feierabend haben, schabt Teigkessel aus, kehrt Brötchenreste zusammen.

Als eines Tages in der Produktion Personal fehlt, fragt sein Chef: 'Kannst du mithelfen?' Hamidi kann. Wäscht kiloweise Erdbeeren und stellt Erdbeertörtchen her. In Rekordzeit. 'Da kam mir alles zugute, was ich auf Djerba gelernt hatte', sagt er. Der Chef erkennt das Talent seines Backstubenhelfers. Er nimmt ihn unter die Fittiche, betraut ihn zunehmend mit Aufgaben eines Konditors. 'Das war meine Chance', sagt Hamidi. Bestellungen, Rezepturen, Backen – schnell ist er mitten im ­Betrieb.

Dann kommt der Tag, als in Tunesien seine Mutter stirbt. Der Vater war bereits verstorben; plötzlich stehen seine drei jüngeren Brüder alleine da. Hamidi reist mit Unterstützung seines Chefs in die alte Heimat; regelt die Formalitäten. Als er zurück nach Deutschland kommt, ist für ihn selbstverständlich, seine Geschwister auch finanziell zu unterstützen.

Zusätzlich zur Arbeit in der Backstube nimmt er Mini-Jobs an, putzt im Altenheim, tritt als Straßenkünstler auf, verdingt sich als DJ. 'Doch das reichte mir nicht', sagt Hamidi. 'Ich wollte beruflich weiterkommen.' Monatelang büffelt er die Theorie, an der Gewerbeschule Nahrung und Gastronomie in Lübeck legt er erfolgreich die Konditorenprüfung ab. Als aus Frankfurt ein Jobangebot als ­Patissier-Chef im Airline-Catering kommt, nimmt er an. Und verabschiedet sich schweren Herzens von seinem Betrieb. 'Anfangs konnte ich nicht realisieren, dass ein neuer Abschnitt beginnt', blickt Hamidi zurück.

Talente erkannt und weiterentwickelt

Im Cateringgeschäft kommt er herum, reist durch die Welt, verköstigt die Stars der Formel 1. 2010 fasst er den Entschluss, sich selbstständig zu machen. Das Projekt gelingt. 'Die Unterstützung der Handwerkskammer war perfekt', erinnert sich Hamidi. Gemeinsam wurden Bürokratie und Formalien bewältigt.

Inzwischen läuft das Café in Hattersheim. Seine Kunden begrüßt er mit Namen. Demnächst wird die Backstube vergrößert und das Eislabor erweitert. Den kleinen Desserts von damals ist Hamidi treu geblieben, hinzugekommen sind Kuchen und feine Torten, Gebäck und hausgemachtes Eis, für das er schon zahlreiche Auszeichnungen eingefahren hat.

Und Dankbarkeit, die er mit persönlichem Engagement zeigt: In enger Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer gibt er über die ESF-geförderte 'Passgenaue Vermittlung' Ausbildungsabbrechern eine Chance, wieder Fuß zu fassen. 'Ich will weitergeben, was ich von meinem Chef geschenkt bekommen habe', sagt der 43-Jährige. 'Wille ist alles. Wenn dann noch Leidenschaft und Begeisterung dazukommen, kann man alles erreichen.'