Der Expressionist und Mitbegründer der Künstlergruppe "Brücke" Karl Schmidt-Rottluff stammt aus einer Handwerkerfamilie. Ein Förderverein will die alte Mühle bei Chemnitz aufpolieren.
Ulrich Steudel

Während in Bernried am Starnberger See das Buchheim Museum eine große Retrospektive auf das Werk von Karl Schmidt-Rottluff zeigt, beginnt im Geburtshaus des berühmten Malers die Sanierung der Mühlentechnik. Denn der Mitbegründer der Künstlergruppe "Brücke" stammt aus einer Handwerkerfamilie, wurde 1884 als Sohn eines Müllers in Rottluff bei Chemnitz geboren. Dort bemüht sich ein Förderverein darum, das Elternhaus des Expressionisten wiederzubeleben und damit die Bewerbung von Chemnitz als Kulturhauptstadt Europas 2025 zu unterstützen.
Begegnungsstätte für Kunstliebhaber
Seit September wird vom Mühlenbaubetrieb Gottfried Schumann aus dem erzgebirgischen Mulda die historische Anlage zunächst vom Staub der vergangenen Jahrzehnte befreit. Mit Geldern aus dem Denkmal-Sonderprogramm des Bundes soll einer der vier Mahlgänge wieder zum Laufen gebracht und die anderen sollen so gut es geht in dem Originalzustand erhalten werden. Ziel des Fördervereins ist es, das denkmalgeschützte Mühlengebäude mit dem nahen Landhaus in eine Begegnungsstätte zu verwandeln, in der Besucher die Kindheit des weltberühmten Künstlers am Originalschauplatz nachempfinden können.
Karl Schmidt-Rottluff gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Expressionismus. Gleich zu Beginn seines Architekturstudiums an der Technischen Hochschule in Dresden lernt er neben Erich Heckel, mit dem er schon seit Schulzeiten befreundet war, auch Ernst Ludwig Kirchner und Fritz Bleyl kennen. Zusammen gründen sie 1905 die "Brücke", der sich mit Emil Nolde und Max Pechstein weitere Künstler anschließen, deren Werke stilbildend für den deutschen Expressionismus werden sollten.
Später diffamierten die Nationalsozialisten Schmidt-Rottluffs Bilder als entartete Kunst und belegten den Maler und Grafiker mit einem Ausstellungsverbot. Nach dem Krieg lebte, lehrte und arbeitete der Künstler in Berlin, wo er 1976 starb.
Werke aus zwei Sammlungen in einer Ausstellung
Eine umfangreiche Werkschau Karl Schmidt-Rottluffs ist bis zum 3. Februar 2019 im Buchheim Museum in Bernried zu sehen. Erstmals werden am Starnberger See Arbeiten aus der gesamten Schaffensperiode von 1899 bis 1974 gezeigt. Denn die Exponate von Museumsgründer Lothar-Günther Buchheim, der seine Sammelleidenschaft auf die Hauptwerke der "Brücke“-Künstler konzentrierte, werden um Werke aus der Leihgabe von Hermann Gerlinger ergänzt. Anders als Buchheim hatte der Würzburger Sammler neben Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen und Druckgrafiken auch Dokumente, Skulpturen und Kunsthandwerk der "Brücke"-Künstler erworben.
Hermann Gerlinger kannte Karl Schmidt-Rottluff noch persönlich. Und wie der Künstler hat auch der Sammler seine Wurzeln im Handwerk: Bis 1987 leitete der heute 87-jährige Diplom-Ingenieur einen SHK-Betrieb, den er von seinem Vater übernommen hatte.
Information
Expertenführungen mit Hermann Gerlinger und Direktor Daniel J. Schreiber durch die Ausstellung "Schmidt-Rottluff. Form, Farbe, Ausdruck" bietet das Buchheim Museum am 21. Oktober und 15. Dezember jeweils 15 Uhr. Mehr unter www.buchheimmuseum.de
