Anfang Oktober öffnet im Allgäu die größte Ferienhaussiedlung von Center Parcs in Deutschland. Ortsansässige Handwerksbetriebe wie das Bauunternehmen Mösle haben mitgeholfen, dass die Großbaustelle rechtzeitig fertig wird.
Ulrich Steudel

Bis zu 1.500 Arbeiter pro Tag haben im Urlauer Tann südlich von Leutkirch in den vergangenen zwei Jahren den Center Parc Allgäu hochgezogen. Bei den Vergaben für eine der 20 größten Baustellen im Land sind auch Handwerksbetriebe aus der Region zum Zug gekommen.
Für den Baubetrieb Mösle aus Leutkirch-Wuchzenhofen war der Auftrag über 750 Bodenplatten mit einer Gesamtfläche von 53.000 m2 ein wahrer Kraftakt. Knapp 14.000 m3 Beton wurden dafür verbaut, außerdem rund 20 km Rohre, 31.000 Formstücke und 4.000 Abwasseranschlüsse verlegt. Das Nettovolumen des Auftrags von sechs Millionen Euro lag höher als der Jahresumsatz des 50 Mitarbeiter starken Baubetriebes. Aber mit unkonventionellen Lösungen, Überzeugungskraft und der Kooperation mit anderen Handwerksbetrieben wurde die Aufgabe ohne zusätzliches Personal und trotz voller Auftragsbücher sicher über die Bühne gebracht.
Allgäu erwartet neuen Touristenstrom
„Unser Angebot war schon riskant und bis die ersten zehn Bodenplatten fertig waren, war es eine knochenharte Zeit“, gesteht Mösle-Geschäftsführer Christian Hock. Aber der Einsatz habe sich gelohnt. „Ich würde jederzeit einen solchen Auftrag wieder annehmen“, sagt Hock rückblickend und denkt dabei auch an die faire Zusammenarbeit mit den Vertretern der Bauherren von der französisch-niederländischen Groupe Pierre & Vacances Center Parcs.
Wenn die sechste und größte Ferienhaussiedlung von Center Parcs in Deutschland ihre Tore öffnet, dann kann sich das Allgäu auf einen weiteren Zustrom an Touristen einstellen. Die Betreiber erwarten eine Million Übernachtungen pro Jahr bei rund 300.000 Gästen. Dafür wurden auf einem 184 Hektar großen Areal rund 1.000 Ferienhäuser errichtet, dazu ein 6.600 m2 großes subtropisches Badeparadies sowie der für Center Parcs typische Market-Dome mit Restaurants, Geschäften, Action-Factory, Indoor-Spielewelt und Rezeption. Eine Gesamtinvestition von 350 Millionen Euro.
Aus Munitionslager wird Ferienhaussiedlung
Als die Kunde des Bauvorhabens auf dem Gelände des ehemaligen Munitionslagers an die Öffentlichkeit drang, war das für Mösle wie ein Signal. Schließlich liegt der Firmensitz nur einen Kilometer Luftlinie von der Baustelle entfernt. Mit Unterstützung des Leutkircher Bürgermeisters Hans-Jörg Henle kam der Kontakt zu den Bauherren zustande und nach einigem Hin und Her hatte die ortsansässige Firma einen Auftrag in der Tasche, der sie fordern würde wie kein anderer zuvor.
Deshalb waren zunächst bei einer Betriebsversammlung die Mitarbeiter einbezogen worden, ohne deren Engagement es nicht gegangen wäre. „Aber der Schlüssel zum Erfolg war unsere Herangehensweise – die Fähigkeit zum Querdenken. Wir haben zuerst überlegt, was können wir technisch anders lösen, um das riesige Arbeitsvolumen zu bewältigen“, erklärt Christian Hock, der zudem auf die Hilfe befreundeter Handwerksbetriebe bauen konnte.
Den Tiefbau übernahmen die Firmen Graf aus Leutkirch und Fackler aus Aitrach, unterstützt von der Otto Birk Bau GmbH, die zur gleichen Firmengruppe wie Mösle gehört. Zimmerermeister Patrick Sonntag aus Legau entwickelte für die Schalung verzahnte Leimbinder. Für den Blitzschutz sorgte die Firma MBE aus Ravensburg.
Mösle: Alle gewohnten Abläufe hinterfragt
Im eigenen Haus bei Mösle wurden nicht nur alle Pläne digitalisiert, sondern alle gewohnten Abläufe hinterfragt. So kamen statt der üblichen Bewehrungseisen Stahlfasern zum Einsatz, die sich bereits im Beton befinden, wenn er gegossen wird. Um unabhängig vom Baustrom zu sein, wurde für die Rüttelflasche zum Verdichten des Betons ein Gerät konstruiert, das von einem Benzinmotor angetrieben wird.
Damit der Beton nicht zu schnell austrocknet und Risse bekommt, wird er mit Folien bedeckt. Mösle hat stattdessen ein Laubgebläse so umgebaut, dass man damit Sprühfolie aufspritzen kann. Auch auf die aufwändigen Schnurgerüste zum Vermessen der Außenkanten wollte Mösle verzichten. Lieber hat man 20.000 Euro in ein Tachymeter investiert und einen Mitarbeiter in Geodäsie geschult. Schlussendlich konnte Mösle die Bauherren davon überzeugen, auf die üblichen Aufkantungen zugunsten von Holzschwellen zu verzichten.
E-Vergabe: Zügiger Breitbandausbau nötig
Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, sieht in Großprojekten wie bei Leutkirch eine gute Möglichkeit für kleine und mittlere Betriebe, ihre Tatkraft unter Beweis zu stellen. „Damit sie sich aber an der Vergabe beteiligen können, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Ein zügiger Breitbandausbau ist hier nur eines von vielen Stichworten, sonst können sie sich gar nicht an E-Vergaben solcher Aufträge beteiligen“, sagt Mehlich.
Dass regionale Handwerksbetriebe auf Großbaustellen nicht als Handlanger für Generalauftragnehmer agieren müssen, ist beim Bau des Center Parcs Allgäu auf jeden Fall klar geworden. Die Bauherren waren offenbar zufrieden. Mösle arbeitet schon an Folgeaufträgen im Umfang von einer Million Euro.