Betriebliche Krankenzusatzversicherungen Gesündere Mitarbeiter mit der bKV: Auch der Betrieb gewinnt

Betriebliche Krankenzusatzversicherungen stärken die Arbeitgebermarke. In Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels wird das immer wichtiger.

Sabine Hildebrandt-Woeckel

Prävention ist beliebt: Einige Tarife schließen die Mitgliedschaft im Fitnessstudio ein. - © Kzenon – stock.adobe.com

Wettbewerbsvorteile bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter, Bindung vorhandener Mitarbeiter und eine gesündere Belegschaft. Jeder der drei Punkte, die Malte Schmidt aufzählt, steht wohl auf der Wunschliste fast aller Handwerksbetriebe. Die meisten Auftragsbücher sind prall gefüllt, aber immer häufiger kommt es vor, dass Betriebe nicht zeitnah liefern können. Das Problem: Es fehlen die nötigen Fachkräfte.

Schmidt, bei der Signal Iduna in Dortmund verantwortlich für das Thema Belegschaftsversorgung, kennt zumindest eine Lösung: die betriebliche Krankenzusatzversicherung (bKV). Durch den Abschluss entsprechender Policen, davon ist nicht nur er überzeugt, können Betriebe alten und neuen Mitarbeitern einen echten Mehrwert bieten und damit die eigene Arbeitgebermarke stärken. „Finden und Binden“, so fasst er die Effekte zusammen.

Viele Tarife greifen schon ab wenigen Mitarbeitern

Doch auch Schmidt hat ein Problem: Obwohl unabhängige Studien den Mehrwert belegen, sind viele Betriebsinhaber gerade im Handwerk zögerlich. Auch dies, so vermutet der Experte, könnte mit der derzeit großen Belastung zusammenhängen. Viele fürchten weiteren Verwaltungsaufwand oder gehen davon aus, dass solche Angebote ohnehin nur für große Betriebe relevant sind. Beides stimmt nicht wirklich. Die meisten Versicherer bieten Tarife an, die ab wenigen Mitarbeitern greifen.

Andere Betriebsinhaber fürchten zu hohe Kosten. Doch auch hier liegen sie nicht unbedingt richtig. Zwar ist die steuerliche Behandlung der bKV deutlich ungünstiger als bei der betrieblichen Altersvorsorge, aus Sicht vieler Experten ein neuralgischer Punkt. Doch rechnet man die positiven Imageeffekte dagegen, auch da ist man sich einig, bleibt mit Sicherheit ein Plus. Das sieht auch Manfred Walter, Versicherungsmakler aus Mittelfranken so. Zudem ist das Angebot breit gefächert. Zwischen 30 und 80 Euro pro Monat und Arbeitnehmer geben Arbeitgeber, die mitmachen, im Schnitt aus.

Grundsätzlich lassen sich die Angebote der Versicherer in fünf Produktbereiche unterteilen. Diese können einzeln abgeschlossen, oder auch kombiniert werden.
  1. Verbesserte Vorsorge, also Kostenübernahme bei Präventivmaßnahmen, die nicht von der GKV übernommen werden. Tarife verschiedener Anbieter schließen sogar Mitgliedschaften in Fitnessstudios ein.
  2. Bezuschussung der Zahnversorgung: Hier ist die Übernahme von bis zu 90 Prozent der Eigenleistung bei Zahnbehandlungen möglich, Zahnreinigungen sind oftmals inkludiert.
  3. Kostenübernahmen bei ambulanten Behandlungen, beispielsweise für Seh- oder Hörhilfen, Massagen, Rezeptgebühren oder Besuche beim Heilpraktiker.
  4. Verbesserung der stationären Behandlung wie Chefarztbehandlung oder Ein- oder Zweibett-Zimmer.
  5. Absicherung von Verdienstausfall bei längerer Krankheit.

Bei Arbeitgebern am beliebtesten: die Unterstützung der Vorsorge. Wohl auch deswegen, weil die Vorteile klar auf der Hand liegen. Präven­tion und verbesserte medizinische Leistungen helfen, die Belegschaft gesund zu halten oder schneller wieder in den Arbeitsprozess zu inte­grieren. Das ist gerade in der heutigen Zeit, angesichts alternder Belegschaften, ein nicht zu unterschätzender Punkt. Krankheitsbedingte Fehlzeiten sowie Kosten für Berufsunfähigkeit und Medizin können so, das zeigen verschiedene Untersuchungen, um rund ein Viertel gesenkt werden.

Wenig beliebt dagegen – und dies aus Sicht von Experten zu Unrecht – ist der letzte Bereich, also die Absicherung von Verdienstausfall. Die Argumentation, die Versicherungsvertreter immer wieder hören: Man wolle nicht das Kranksein unterstützen, sondern lieber in Vorbeugung oder schnellere Gesundung investieren. Eine Argumentation, die aus Sicht von Malte Schmidt zu kurz greift. Hier gehe es nicht um Montagsblaumacher, da greifen diese Versicherungen gar nicht, sondern um echte und langwierige Erkrankungen.

Für den Mitarbeiter lohnt es sich immer

Arbeitgeber, die hier unterstützen, zeigen soziale Verantwortung und können im Kampf um Fachkräfte gut punkten. Angst, im Krankheitsfall in Existenznöte zu geraten, hat wohl fast jeder. Gerade bei Arbeitnehmern ist gerade diese Unterstützung denn auch besonders beliebt. Wobei grundsätzlich gilt: "Egal welche Form der bKV Arbeitgeber ihren Mitarbeitern anbieten, für die lohnt sich das immer", so Manfred Walter.

Weswegen die bKV von überzeugten Arbeitgebern mitunter auch als Leistungsprämie genutzt wird. Zwar können alle Leistungen der bKV in ähnlicher Form von den Arbeitnehmern auch selbst abgeschlossen werden, aber zum einen sind die Kosten dann deutlich höher.

Zum anderen ist es für viele Arbeitnehmer gar nicht so einfach, eine Police zu bekommen. Um aufgenommen zu werden, müssen sie sich einer Gesundheitsprüfung unterziehen. Schließt dagegen der Arbeitgeber die Police ab, entfällt diese – ebenso wie die bei Einzelverträgen übliche Wartezeit.

Wermutstropfen: niedrigere Höchstsummen

Einziger Wermutstropfen: Damit das Risiko für die Versicherungen kalkulierbar bleibt, gibt es in allen Tarifen Höchstsummen, die in der Regel niedriger sind als bei Einzelabschlüssen. Bei Krankentagegeldversicherungen liegen diese in der Regel bei 20 Euro pro Tag.

Arbeitgeberwechsel dagegen sind kein Problem. Wer geht, wird entweder einfach abgemeldet oder kann seine Zusatzversicherung mitnehmen. Alle Bedingungen bleiben dann bestehen, es erfolgt auch keine nachträgliche Gesundheitsprüfung. Nur der Beitrag wird angepasst.

Tarife

Was zahlt der Arbeitgeber für private Krankenzusatzversicherungen?
  • Es gibt verschiedene Anbieter betrieblicher Krankenzusatzversicherungen, die unterschiedliche Tarife haben. Vergleichen lohnt sich.
  • Richtwerte für die reinen Versicherungskosten liegen pro Arbeitnehmer und Monat für Vorsorgetarife um 10 Euro, für Zahnvorsorge um 20 Euro. Am günstigsten ist in der Regel die Absicherung gegen Verdienstausfall, am teuersten sind Zusatzpolicen im stationären Bereich. Hier gibt es oft auch erst Angebote für Betriebe mit 20 oder mehr Mitarbeitern.
  • Steuerlich sind Beiträge für die bKV wie Barlohn zu behandeln, das heißt, für Arbeitgeber und Arbeitnehmer fallen Sozialabgaben an. Der Arbeitnehmer muss den Betrag zudem versteuern.
  • Alternativ kann der Arbeitgeber mit den Arbeitnehmern eine Nettolohnvereinbarung treffen. Dann übernimmt der Arbeitgeber die auf den bKV-Beitrag entfallenden Steuern und die kompletten Sozialabgaben. Konkret bedeutet dies, dass insgesamt etwa das 2,4-fache des Versicherungsbetrages anfallen. Eine Police für 10 Euro kostet ihn dann also 24 Euro.