Probleme im Betrieb sind normal. Ob es technische Schwierigkeiten gibt, Streit unter Kollegen, unzufriedene Kunden odere Unstimmigkeiten zwischen Chef und der mitarbeitenden Ehefrau - immer haben Probleme auch eine menschliche Komponente. Mit Empathie lassen sie sich leichter bewältigen.
Barbara Oberst

Kurz vor Weihnachten fand Andrea Gnan die Kündigung eines Mitarbeiters im Briefkasten; ohne Vorankündigung, ohne persönliches Gespräch. "Früher wäre ich da persönlich enttäuscht gewesen“, gibt die Unternehmerfrau zu. Denn das Verhältnis zum Team ist eng, selbst wenn Fenster und Türen Gnan im oberpfälzischen Auerbach mit 48 Mitarbeitern kein kleiner Handwerksbetrieb mehr ist. Eine Kündigung aus heiterem Himmel schlägt dennoch ein.
Andrea Gnan konnte sie aber gelasse n nehmen, trotz der unpersönlichen Form, trotz der Personallücke, die der scheidende Mitarbeiter in Zeiten des Fachkräftemangels im Betrieb hinterließ. "Es sind solche Situationen, an denen ich merke, dass sich etwas verändert hat bei mir.“
Empathietraining ist ein Arbeiten an sich selbst
Vor rund einem Jahr hat Gnan ein Unternehmer-Coaching begonnen. Gruppen- und Einzelsitzungen wechseln sich ab. "Ich bringe ein Thema mit in die Sitzung, das mich beschäftigt. Das ist mal aus dem Unternehmen, mal aber auch privat“, beschreibt sie. "Und dann wird darin rumgerührt.“ Dieses „Rühren“ empfindet die Mutter zweier halbwüchsiger Kinder als sehr intensiv: "Es ist ein Arbeiten an sich selbst.“
Empathietraining nennt die Diplom-Sozialpädagogin Ursel Näther dieses Vorgehen; ein Training also, um sich besser in andere, aber auch in sich selbst einzufühlen. "Viele Probleme im Unternehmen lassen sich nicht nur auf rationaler Ebene lösen“, erklärt sie ihren Ansatz. Wie alle Menschen seien auch Unternehmer von ihrer persönlichen Geschichte geprägt. Dies führe zu immer gleichen Gedankenmustern und Handlungsstrategien. "Eine schwierige Situation, zum Beispiel im Gespräch mit Kunden oder Mitarbeitern, tritt auf und man reagiert wie ferngesteuert, jedes Mal wieder“, beschreibt sie ein typisches Phänomen.
Reibereien im Betrieb sind normal
Menschliche Reibereien im betrieblichen Umfeld sind normal. Aber in Zeiten, wo der Druck in Unternehmen ohnehin hoch ist, wirken sie sich besonders stark aus. Mitarbeiter reagieren unmotiviert, sind oft krank oder kündigen. Und viele Unternehmer empfinden ihre Arbeit selber als belastend.
Näther sieht ihr Coaching deshalb auch als Gesundheitsmanagement: „Es ist eine Burnout-Prophylaxe, eine wertschätzende Unternehmenskultur zu integrieren, in der jeder Einzelne wichtig ist.“
Empathietraining und Coaching
Empathie ist die Fähigkeit und Bereitschaft, sich auf Gefühls- und Verstandesebene in andere Lebewesen hineinzuversetzen und angemessen zu reagieren.
Voraussetzung dafür ist das Erkennen und Akzeptieren der eigenen Bedürfnisse und Gefühle.
Die Begriffe Coaching, Training und Beratung werden oft vermischt. Ein Berater analysiert ein fachliches Problem und findet für den Kunden eine Lösung. Im Gegensatz dazu hilft ein Coach dem Kunden, seine eigenen Fähigkeiten zu wecken und damit aus eigener Kraft Lösungen zu entwickeln. Ein Trainer vermittelt sein eigenes Wissen und lässt die Kunden die neu erlernten Techniken einüben, damit sie sie künftig selbstständig anwenden können.bst
Der Weg dorthin führt über intensive Gespräche. Ihre Kunden bekommen keine Verhaltensregeln, wie sie künftig anders reagieren sollen. Vielmehr hilft Näther ihnen, herauszufinden, was hinter den Situationen und den eigenen Reaktionen darauf steckt. Letztlich gehe es dabei immer um menschliche Beziehungen. "Beziehungsfähigkeit beginnt aber bei der Beziehung zu einem selbst“, erläutert die Pädagogin.
Familienbetriebe haben besondere Konflikte
Andrea Gnan hält diesen Ansatz für richtig, gerade auch wegen der besonderen Beziehungen in Handwerksbetrieben, wo oft Eheleute und weitere Verwandte zusammenarbeiten. Wenn sich dienstliche und private Befindlichkeiten mischen, berge das viel Konfliktpotenzial. "Da darf man nie aufhören, miteinander zu sprechen. Auf Augenhöhe“, ist ihre Erfahrung aus dem eigenen Führungstrio mit ihrem Mann und ihrem Schwager.
Zu gelassener Kommunikation auf Augenhöhe sieht sich Gnan inzwischen fähig, egal, ob im innerfamiliären Gespräch oder in der Kundenberatung. "Wenn ich mit mir selber zufrieden bin, begegne ich auch meinem Gegenüber auf ganz anderer Ebene.“