Die Siebdruckerei Riebl aus dem bayerischen Landshut fertigt Folien für Geräte und Maschinen – als Lieferant großer Industrieunternehmen.
Frank Muck
Es ist ein bisschen wie diese Sucht, jede Tüte Kartoffelchips leerknabbern zu müssen oder die Angewohnheit, die kleinen Kammern von Luftpolsterfolien zu zerdrücken. Man kann es einfach nicht lassen. Bei Riebl Siebdruck animieren die Produkte ebenfalls zum Anfassen. Wer die grafisch ausgefeilten Folien sieht, muss unwillkürlich seinen Daumen draufdrücken, das leise Knacken hören, den kurzen Widerstand spüren oder nur die glatte, warme Oberfläche fühlen.
Riebl fertigt Folien für Geräte, Maschinen und Tastaturen. Optisch und haptisch schafft das Unternehmen also die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Das, was früher ein plumper Knopf zum Reindrücken war, ist heute eine glatte, oft unterleuchtete Oberfläche, die auf sanfte, manchmal festere Berührung reagiert. Hier steckt schon in der Bedienung Hightech, nicht mehr nur in der Maschine selbst.
Gegründet mit dem "Mut der Jugend"
Hannes Riebl präsentiert die vielen Folien. Sie werden in ganz unterschiedlichen Bereichen eingesetzt: vom Kühlschrank über Schienenfahrzeuge bis zu Zahnarztwerkzeug. Vor 40 Jahren bereits gründete der 64-Jährige seinen Betrieb – damals noch im grafisch und hauptsächlich in der Werbung eingesetzten Siebdruck. Handwerkliche Siebdruckereien gab es in diesem Segment viele. Als Ein-Mann-Betrieb verdiente er damals noch nicht wirklich viel. Aber mit dem "Mut der Jugend", wie er es nennt, wollte er unbedingt sein eigener Herr sein. Ehefrau Meta arbeitete im Finanzamt, stieg dann aber schnell in den Betrieb mit ein.
Riebl erkannte nach ein paar Jahren, dass es besser ist, sich auf Angebote zu verlegen, die nicht jeder im Programm hat. Nach und nach näherte sich Riebl dem technischen Siebdruck, also der Ausrüstung von Geräten und Maschinen mit Folien und Schildern. Anfangs noch belächelt von seinen Konkurrenten, stellte sich schnell der Erfolg ein. Denn auf diesem Markt war der Wettbewerb deutlich kleiner. Es gibt zwar einige Konkurrenten in ganz Deutschland für diese Art von Siebdruck. Doch Riebl ist einer der ganz wenigen handwerklichen Siebdruckereien in diesem Bereich.
Der Betrieb hebt sich vor allem durch seine Flexibilität und die Entwicklung neuer Techniken hervor. Durch die Zertifizierung nach ISO 9001 sicherte sich der Unternehmer viele Kunden in der Industrie. Es gibt zwar auch große Konkurrenten – Konzerne, die ihre eigenen Siebdrucke anbieten. Doch diese beschränken sich hauptsächlich auf Standardlösungen.
Gefahren für seinen Betrieb sieht er derzeit eher im Brexit und damit einhergenden Handelsbeschränkungen machen ihm etwas Sorgen. Schließlich liegt der Exportanteil seines Umsatzes bei 25 Prozent im direkten Verkauf. Über seine Kunden, die in andere Länder exportieren, werde der Anteil noch deutlich höher.
Wissen, was der Kunde braucht
Entscheidend für den Unternehmenserfolg bleibt jedoch das Know-how bei Material und Einsatz. Der Betrieb, der 28 Mitarbeiter hat und seine Auszubildenden auf diese besonderen technischen Fähigkeiten trimmt, musste sich seine Expertiste jedoch erst mit den Jahren erarbeiten. Für vieles von dem, was heute Standard ist, gab es am Anfang keine Vorlage. Die Folien und Geräteschilder mussten für ihren Einsatz hitze- und schmutzbeständig sein, hochglänzend oder aber in den letzten Jahren natürlich vermehrt mit einer Touchfunktion arbeiten. Ein Schild mit der richtigen Farbe zu bedrucken, reicht heute längst nicht mehr.
Hannes Riebl zögert deshalb leicht, wenn er erklären soll, wie sich die Mitarbeiter im Betrieb das nötige Wissen angeeignet haben. Für ihn ist es ganz wichtig, zu wissen, was die Kunden wollen. „Wir sind von Messe zu Messe gelaufen und haben neue Produkte gesucht“, erläutert er. Es ging letztlich immer um die Frage, wie man die Folie, das Schild und die Tastatur noch eleganter und anwendungsfreundlicher gestalten kann. Sei es mit neuen Werkstoffen, einer neuen Art von Kleber oder einer besseren Farbe.
Besonders anschaulich ist ein Beispiel aus dem Flugzeugbau. Die Knöpfe zum Einstellen der Radiostation an Flugzeugsitzen eines bestimmten Herstellers waren früher aus Polycarbonat. Nach ein paar tausend Tastendrucks brach jedoch immer der Kunststoff und die Folie musste erneuert werden. Riebl entwickelte eine Lösung aus Polyester, die Oberfläche bleibt sehr viel länger flexibel. Diese spezialisierten Lösungen sind sein Vorteil.
Die Schilder müssen extreme Bedingungen aushalten
Was gesucht und gebraucht wird, gibt der Kunde vor. Vor allem der grafische Entwurf einer Folie steht am Anfang meist schon, doch, "wir haben schon großen Einfluss darauf, wie sie am Ende umgesetzt wird". Letztlich ist die Beratung unerlässlich, wenn es darum geht, welchen Einflüssen die Schilder am Ende standhalten müssen. Die erfolgreichste Folie etwa liefert Riebl an einen Elektronikhersteller, der mit seinen Geräten Schienenfahrzeuge ausstattet. Die Schaltfolien für den Lokführer müssen Temperaturen von bis zu minus 60 Grad und plus 70 Grad Celsius aushalten können.
Riebl hat in all den Jahren auch einen Blick für den Bedarf der Kunden entwickelt. "Man muss in den Markt schauen", sagt er. Manchmal kommen die Ideen aber auch, wenn er sich die eigenen Geräte im Haushalt anschaut, etwa beim Geschirrspüler. Beim Anblick der Edelstahloberflächen stören oft die Fingerabdrücke. Riebl hat eine Folie entwickelt, die aussieht wie gebürsteter Edelstahl, die aber keine Fingerabdrücke annimmt. Für einen Haushaltsgerätehersteller wiederum baut Riebl eine Anzeigenleiste mit speziellen Verschwindeeffekten. Auch hier reagiert die Leiste wie ein Touchscreen.
Seine Ideen hat er nach eigenem Bekunden aber auch, weil er ein sehr kreativer Mensch ist und mit vielen Materialien hantiert: Malerei, Holzschnitzerei oder auch Linolschnitte. Riebl: "Kunst und Erfindung sind verwandt."