Verfügbar für Citroën Jumpy und Peugeot Expert Neues Allrad-System von Dangel

Citroën und Peugeot vertrauen auf die Allrad-Kompetenz der Firma Dangel, die für die Umrüstung von Jumpy und Expert kräftig investiert hat. Ein Werksbesuch im Elsass.

Ulrich Steudel

Erste Probefahrten im Citroën Jumpy auf dem Testgelände hinter dem Dangel-Werk in Sentheim. - © Ulrich Steudel

Modellwechsel in der Automobilindustrie bieten auch den Zulieferern Chancen auf Weiterentwicklung. 4x4-Spezialist Dangel hat die Gelegenheit genutzt. Der neue Citroën Jumpyund der baugleiche Peugeot Expert sind die ersten Nutzfahrzeuge, die mit dem neuen Antriebsstrang des Familienunternehmens aus dem Elsass ausgerüstet werden. 90 Prozent aller Einzelteile sind dafür von Dangel neu entwickelt worden.

Dabei profitierte die Firma von der langjährigen Zusammenarbei t mit dem französischen PSA-Konzern. „Erstmals waren wir schon bei der Entwicklung der Fahrzeuge direkt eingebunden“, erklärt Dangel-Chef Robert Lacker. So sei es gelungen, die Preise für den neuen Allradantrieb mit Viskokupplungund elektronischer Traktionskontrolle um 17 Prozent zu senken.

Nicht alle Modelle umrüstbar

Für die Umrüstung eines Citroën-Jumpy-Kastenwagens mit 120 oder 150 PS werden netto 6.665 Euro fällig. Wer besonders schwere Einsatzbedingungen meistern muss, kann für 795 Euro noch eine Hinterachs-Differenzialsperre ordern. Kunden sollten jedoch unbedingt darauf achten, dass sie beim Kauf die Option K601 bestellen. Darauf weist Jörg De Bondt hin, der für den Vertrieb in Deutschland zuständig ist. Auch ist der Allradantrieb nicht mit allen Fahrzeugvarianten kompatibel, zum Beispiel alle Modelle mit 95, 115 oder 180 PS lassen sich nicht auf 4x4 aufrüsten.

Die bestellten Fahrzeuge werden vom PSA-Montagewerk im nordfranzösischen Valenciennes, wo Citroën Jumpy und Peugeot Expert gemeinsam vom Band laufen, direkt zu Dangel nach Sentheim ins Elsass geliefertund dort umgebaut. Der Kunde bekommt mit dem neuen Fahrzeug auch zwei Rechnungen geliefert, aber das Einrechnungsgeschäft soll kommen, kündigte Dangel an.

Allrad mit ESP möglich

Peugeot Expert auf dem Testgelände von Dangel. - © Ulrich Steudel

Ende vergangenen Jahres gewährte Dangel einen Einblick in sein Werk nahe der deutschen Grenze, wo rund 100 Mitarbeiter Fahrzeuge auf 4x4-Antrieb umrüsten. Rund 4,5 Millionen Euro hat Dangel nach eigenen Angaben in sein jüngstes Projekt investiert. Dabei sei es gelungen, das Eigengewicht des Antriebsstrangs um 37 Prozent auf nutzlastfreund­liche 90 Kilogramm zu senken, weil zum Beispiel Befestigungspunkte schon ab Werk vorhanden sind. Auch die Kombination mit einem elektronischen Stabilitätsprogramm ESP sei jetzt möglich.

Beim Umbau wird unter anderem die Bodenfreiheit der Transporter um 20 mm erhöht, optional werden auch 60 mm angeboten. Den Mehrverbrauch im 4x4-Modus gibt Dangel mit einem Liter an. Die Anhängelast der Transporter bleibt durch den Umbau unverändert. Insgesamt sei der Verschleiß deutlich gesenkt worden, wie sich bei zwei Dauertests über 250.000 Kilometer herausgestellt habe. So konnte das Wartungsintervall auf 40.000 km ausgedehnt werden, nur der jähr­liche Ölwechsel bleibt wegen der Viskokupplung unverzichtbar.

Eco-Modus im Zweiradantrieb

Im Testgelände von Dangel hinter der Produktionshalle hatten deutsche Journalisten Gelegenheit, den neuen Allradantrieb der PSA-Transporter Citroën Jumpyund Peugeot Expert zu testen. Besonders gelungen: der neue Wählschalter, der das Umschalten vom Eco- in den 4x4-Modus erlaubt. Im Eco-Modus wird das Allradsystem ausgekuppeltund der Kastenwagen fährt kraftstoffsparend mit Frontantrieb.

Wird das Gelände anspruchsvoller, kann während der Fahrt auf „Auto 4WD“ umgeschaltet werden. Dann überträgt die Viskokupplung einen Teil des Drehmoments auf die Hinterachse, sobald die Vorderräder die Haftung verlieren. Optional steht ein Sperr­differenzial zur Verfügung. Allerdings geht man bei Dangel davon aus, dass die umgerüsteten Transporter zu 75 Prozent auf der Straße bewegt werden.

Kurzporträt Dangel

Produktionsstraße im Werk von Dangel in Sentheim. - © Ulrich Steudel

Firmengründer Henry Dangel hat sich in den 1970er Jahren als Konstrukteur von einsitzigen Rennwagen einen Namen gemacht, bevor er sich mit Allradsystemen beschäftigte. Er entwickelte einen Bausatz für die Umrüstung des Peugeot 504 von Zwei- auf Vierradantriebund traf damit offenbar den Nerv der Zeit.

In der Folge wurde 1980 das Unternehmen Automobiles Dangel gegründet, dessen Allradsysteme später auch bei Citroënund Fiat zum Einsatz kamen. Rund 40.000 Fahrzeuge wurden bisher umgerüstet.

Von der jüngsten Entwicklung erhofft sich die Firma Dangel, deren Gründer 2006 verstorben ist, steigende Absatzzahlenund auch mehr Marktanteile im Bereich der Bulli-Klasse. Dort dominiert VW mit 78 Prozent den Markt vor Mercedes-Benz mit 20 Prozent. Der kleine Rest bleibt für Dangel.