Architekturwettbewerb würdigt auch Handwerker "geplant + ausgeführt": Wertschätzung für beide Seiten

Der Preis „geplant + ausgeführt“ würdigt Architekten und Handwerker. Die Bewerbungsfrist für 2017 läuft bis zum 19. Januar.

Andreas Ritter

Heustadel mit Kuhstall wird zum 4-Sterne-Hotel: Für dieses Projekt haben das Architekturbüro Berschneider + Berschneider und die Zimmerei Blomenhofer in diesem Jahr den Publikumspreis der Deutschen Handwerks Zeitung erhalten. - © Erich Spahn

Architektur geht nicht ohne Handwerk. Denn nur, wenn Planer und Praktiker auf der Baustelle an einem Strang ziehen, können Gebäude oder Räume von hoher Qualität und Ästhetik entstehen.

Herausragende Beispiele solcher Kooperationen werden beim Wettbewerb „geplant + ausgeführt“, veranstaltet von der Internationalen Handwerksmesse, ausgezeichnet. Was den Wettbewerb ausmacht, darüber gibt die Vorsitzende der Jury, Lydia Haack, Auskunft.

DHZ: Im März 2017 erlebt „geplant + ausgeführt“ seine sechste Auflage. Was ist das Besondere daran?

Lydia Haack: Das Besondere zeigt sich schon im Titel: Es geht darum, Planung und Ausführung als gemeinschaftliches Werk zu würdigen. Als der Wettbewerb ins Leben gerufen wurde, war er meines Wissens der erste und einzige, der das Ergebnis einer erfolgreichen Zusammenarbeit von Handwerkern und Architekten oder Innenarchitekten ins Rampenlicht stellte.

DHZ: Welche Rolle spielt das Handwerk beim Studium zum Architekten bzw. Innenarchitekten?

Haack: Im Architekturstudium geht es vor allem darum, das Verständnis von bautechnischen Lösungen in Einklang mit gelungener Baugestaltung zu bringen, sowie um Bauabläufe und Koordinierungsprozesse. Die Zusammenarbeit und der Dialog mit dem Handwerk werden hier eher theoretisch behandelt. Gut wäre es, wenn in der Ausbildung die jeweils andere Seite und die Zusammenarbeit mehr Raum bekämen, um das Verständnis für die Herausforderungen und die Wertschätzung für die jeweiligen Leistungen zu fördern.

DHZ: Inwieweit können sich Architekten und Handwerker gemeinsam zu Spitzenleistungen antreiben?

Haack: Um Großartiges entstehen zu lassen, bedarf es der richtigen Kommunikation. Man muss herausfinden, was der andere braucht. Das benötigt Zeit und die ist bei vielen Projekten heutzutage leider nicht mehr gegeben. Außerdem werden immer weniger Aufträge direkt an kleine Betriebe vergeben. Stattdessen dienen sie häufig nur als Subunternehmer. So findet mit den kleinen Betrieben kein wirklicher Austausch mehr statt und ihr handwerkliches Know-how wird nicht ausgeschöpft.

DHZ: Bei „geplant + ausgeführt“ muss die Kommunikation auch nach Projektende funktionieren. Schließlich können sich Handwerker und Architekten/Innenarchitekten nur gemeinsam bewerben.

Haack: Um einen Auftrag zu bekommen, sind es Architekten gewohnt, nach außen zu gehen und ihre Ideen zu präsentieren. So geht auch bei „geplant + ausgeführt“ die Initiative meist von den Architekten oder Innenarchitekten aus. Ich würde mich freuen, wenn mehr Handwerker ihre Architekten und Innenarchitekten auf den Preis aufmerksam machen. Schließlich können sie beide stolz sein auf ihre Leistung.

DHZ: Auch in der Jury ist Teamwork gefragt, denn hier müssen Architekten, Innenarchitekten und Handwerker gemeinsam entscheiden.

Haack: In der Jury funktioniert das hervorragend. Bei der letzten Sitzung herrschte sehr großes Einvernehmen, welche Projekte in der Ausstellung auf der Internationalen Handwerksmesse präsentiert werden sollen. Viel schwieriger war es, die vier Preisträger zu bestimmen, weil alle Projekte der Ausstellung wirklich richtig gut waren. Von daher ist es schon eine Auszeichnung, für die Ausstellung ausgewählt zu werden.

DHZ: Neben dem Votum der Jury gibt es noch einen Leserpreis der Deutschen Handwerks Zeitung. Ist es eine Besonderheit, dass wirklich jeder Beitrag eine Chance auf eine Auszeichnung hat?

Haack: Alle Projekte, die bei „geplant + ausgeführt“ gezeigt werden und damit zur Auswahl für den DHZ-Leserpreis stehen, sind Top­leistungen. Der Leserpreis offenbart, was die Menschen interessiert, was sie vielleicht auch emotional anspricht. Das ist etwas, das für den Architekten sehr wichtig ist. Für uns bleibt der Publikumspreis immer ­eine große Unbekannte, weil wir bis zum Schluss nicht wissen, wer gewinnt. Das ist wirklich spannend.

DHZ: Zum ersten Mal wurde der Preis 2012 verliehen. Hat sich die Auszeichnung inzwischen einen Namen gemacht und ist vielleicht auch eine Art Sprungbrett geworden, was weitere Auszeichnungen angeht?

Haack: „geplant + ausgeführt“ ist ein sehr junger Preis. Und auch wenn er nicht zu den führenden Architekturpreisen in Deutschland gehört, ist er doch zu einer Marke geworden. Ein Preis, auf den die Gewinner zu Recht sehr stolz sind. Ich würde mir aber mehr Würdigung von Seiten der Politik wünschen. Gerade weil es um kleinere Strukturen geht, die miteinander arbeiten und oft einen regionalen Bezug haben. Was den Wettbewerb als Sprungbrett angeht: Zumindest war die Jury bisher sehr treffsicher. Es gab einige Projekte, die später mit großen Preisen ausgezeichnet wurden.

Bewerbung

Das Anmeldeformular für 2017 und Infos zu Teilnahmebedingungen finden Sie unter www.ihm.de. Einsendeschluss ist der 19. Januar 2017.

Kurzportät Lydia Haack

Lydia Haack - © Haack

Lydia Haack, Architektin und Stadtplanerin BDA, studierte Architektur in London und München. 1995 gründete sie zusammen mit John Höpfner das Büro Haack + Höpfner in München. Von 1995 bis 2011 lehrte sie an der TU München, den Hochschulen Augsburg und Coburg sowie an der Queens University in Belfast. Seit 2011 ist sie Professorin für Baukonstruktion und Entwerfen an der Fakultät für Architektur und Gestaltung der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung Konstanz. Im vergangenen Jahr übernahm sie den Vorsitz der Jury bei „geplant + ausgeführt“.