Kultgegenstände aus Iron Man und Zelda Filmträume aus Holz: Handwerker erobert YouTube

Zimmerer Paul Robben liebt das Handwerk, Filme und Videospiele. In seinen YouTube-Videos baut der selbsternannte Nerd Kultgegenstände nach. Beim "Oscar" für Internetvideos war er jetzt als bester Newcomer nominiert

Steffen Guthardt

"Ich baue, was mir gefällt": Filmfan Paul Robben mit seinem Iron-Man-Helm. - © Foto: Paul Robben

Dem Klischee nach sind Nerds computerverrückte Außenseiter , denen es an sozialer Kompetenz mangelt. Im Internet wird der Begriff anders definiert, eher als Auszeichnung für jemanden , der sich einer Sache mit großer Leidenschaft verschrieben hat.

So definiert auch Paul Robben aus Unterfranken den Begriff, der unter dem Pseudonym "Nerdy Timber" , was übersetzt so viel bedeutet wie "sonderbares Holz", auf dem besten Weg ist, ein YouTube-Star zu werden.

"Ich bin gern ein Nerd – ein Handwerkernerd, ein Maschinennerd ein Videospiel- und Filmnerd", sagt der gelernte Zimmerer. Wenn Paul Robben vom Nerdsein spricht, meine er damit seine Begeisterung für kreatives, handwerkliches Arbeiten , aber auch für surreale Filmwelten und ­Superhelden.

Seine verschiedenen Leidenschaften verbindet Robben in seinem YouTube-Projekt. In selbstgedrehten Videos baut er kultige Gegenstände aus Filmen nach , wie den roten Helm von Iron Man aus den Marvel-Comics, der durch die Hollywood-Filme mit Robert Downey jr . noch bekannter geworden ist. "Warum soll ich Dinge, die mir gefallen, kaufen, wenn ich sie selbst herstellen kann?", erklärt Robben seine Motivation.

Lehre statt Abi

Ob für sein Hobby im Keller der Eltern oder in der Werkstatt seines Zimmerei-Betriebs in Laufach – handwerkliches Erschaffen von Dingen bringt Robben den Spaß, der sich während seiner Schulzeit nicht einstellen wollte.

Mit dem theoretischen Unterricht im Gymnasium konnte Robben nicht viel anfangen, entsprechend gering war seine Motivation und ernüchternd die Schulnoten in der Oberstufe. Sein Vater, der selbst Schreinermeister ist, überzeugte ihn schließlich davon, eine Ausbildung im Handwerk zu absolvieren. Robben brach das Gymnasium nach der 11. Klasse ab, begann eine Ausbildung zum Zimmerer und schloss die Gesellenprüfung schließlich als Innungsbester ab.

"Die Schule abzubrechen und ein Handwerk zu erlernen, war die bisher beste Entscheidung meines Lebens", sagt Robben rückblickend. Selbst die Mathematik, zu der er in der Schule überhaupt keinen Zugang gefunden hatte, sei für ihn durch die praktische Arbeit im Handwerk endlich verständlich geworden. Über das Handwerk ist Robben schließlich auch zu seinem Hobby gekommen, das ihm "super viel Spaß bringt".

Erfolg bei YouTube

Seine pfiffig gedrehten Filme, die er mit lockeren Sprüchen und krachender Musik begleitet, kommen bei seinen YouTube-Fans so gut an, dass er in diesem Jahr gleich mehrfach bei der Jury des Deutschen Webvideopreises als „Newcomer des Jahres“ vorgeschlagen wurde. Der Preis gilt unter Branchenkennern als so etwas wie der europäische Oscar für Internetvideos.

In einer Vorauswahl wurde "Nerdy Timber" unter die zehn besten Kandidaten für den Newcomer-Preis gewählt. Schließlich schaffte er es sogar unter die letzten drei beim Finale in Düsseldorf.

"Seitdem werde ich mit E-Mail- und Telefonanfragen überhäuft", sagt Robben. Es sei krass, wenn nun die Presse im Betrieb anruft und wegen einem Interview für die Zeitung oder das Fernsehen anfragt.

Der für ihn völlig unerwartete Medienrummel hat auch zu einem rasanten Anstieg seiner Fangemeinde im Internet geführt. Binnen einer Woche nach dem Finale ist die Zahl seiner YouTube-Abonnenten um fast ein Drittel gestiegen. Inzwischen hat Nerdy Timber über 160.000 Videoaufrufe sowie mehr als 5.000 Fans, und jeden Tag kommen neue hinzu.

Sein Handwerksbetrieb lässt ihm den nötigen Freiraum für sein Hobby. "Die Arbeitszeiten sind sehr fair, so dass mir auch Zeit für meine Videos bleibt", sagt Robben.

Trotzdem reichen die paar Stunden am Abend nicht aus, um regelmäßig aufwendige Videos zu drehen. Deshalb verbringt Robben nicht selten den ganzen Sonntag im Werkstattkeller seiner Eltern, um neue Gegenstände aus Filmen und Videospielen nachzubauen, die Arbeitsschritte für sein Publikum zu kommentieren und schließlich für YouTube zusammenzuschneiden. "Zehn bis zwölf Stunden brauche ich für ein Video", sagt Robben.

Kämpfen wie bei Zelda: Paul Robben baut aus Holz das Hylia-Schild aus dem Videospielklassiker nach. - © Foto: Paul Robben

Vor rund einem Jahr hat der junge Zimmerer sein YouTube-Projekt gestartet. Probierte er damals noch viel aus, hat er inzwischen seinen Stil gefunden, wie er sagt. Anstatt wie am Anfang jede Woche ein neues Videos zu veröffentlichen, legt er jetzt mehr Wert auf Qualität und will den wachsenden Ansprüchen seiner Fans gerecht werden. Unterstützung beim Filmen bekommt er von seinem Bruder, der auch mal die Kamera oder ein Werkstück hält, und von seinem Vater, der ihm den einen oder anderen Expertentipp gibt, wenn es ums Schreinern geht.

Meister werden und ausbilden

Trotz der derzeitigen Euphorie will Robben seinem Hobby aber auch künftig nicht mehr Raum schenken als bisher. Von YouTube-Videos leben zu können, sei illusorisch, sagt er entspannt. Außerdem ginge es ihm vielmehr darum, durch seine Videos junge Leute dafür zu begeistern, selbst einen Handwerksberuf zu erlernen.

Sein nächstes großes Ziel hat Robben schon klar vor Augen: Er möchte den Meistertitel in seinem Handwerk erlangen. Nicht unbedingt um sich selbstständig machen zu können, sondern vor allem um selbst neue Junghandwerker ausbilden zu können und etwas gegen den Fachkräftemangel zu tun.

"Ich will dazu beitragen, mehr junge Menschen ins Handwerk zu holen, ob als künftiger Ausbilder oder durch meine Videos", sagt der Handwerker-Nerd entschlossen.

 Die Videos von "Nerdy Timber" auf YouTube finden Sie unter youtube.com/user/TheNerdyTimber