Eismacher Fontanella aus Mannheim Barockes Eisvergnügen

Eine Eis-Pyramide im "Barock-Style" und die Eissorte "Quitte-Exquisit" hat Speiseeishersteller Dario Fontanella aus Mannheim neu in seinem Sortiment. Gäste erleben dort eine kulinarische Reise in die barocke Vergangenheit der Quadratestadt.

Sabine Zoller

Seit 110 Jahren offeriert die Eisdynastie Fontanella das "originale Gelato italiano" in Deutschland. Dario Fontanella führt in dritter Generation die Eismanufaktur und begleitet mit seinen Eisvariationen die kulturelle Veranstaltung der Stadt. - © Sabine Zoller

Prachtvolle Schlösser und Kirchen, dekadente Feste, gepuderte Perücken oder üppige "Rubensweiber". Lange Zeit wurde das barocke Zeitalter lediglich mit klischeehaften Vorstellungen in Verbindung gebracht. Erstmalig präsentieren die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim die Vielschichtigkeit und die Gegensätze des Barock in einer kulturgeschichtlichen Großausstellung. Die Quadratestadt selbst ist der ideale Schauplatz für Ausstellung, denn die kurfürstliche Residenzstadt erlebte im 18. Jahrhundert ein "Goldenes Zeitalter" und entwickelte sich zu einem kulturellen Zentrum von europäischer Bedeutung.

Neben Sehenswürdigkeiten im Museum bieten ausgewählte Einzelhändler eine facettenreiche kulinarische Entdeckungsreise in die barocke Vergangenheit Mannheims. Darunter auch Eismeister Dario Fontanella.

Quitte-Exquisit – Eismanufaktur Fontanella

Experimentierfreudig und leidenschaftlich unterstützt der Mannheimer Eiskonditor Dario Fontanella die Barock-Ausstellung mit neuen Kreationen. Seine "Quitte- Exquisit" hat der findige Eismachermeister nach langen Recherchen kreiert. Dazu hat er eine Frucht aus der Pfalz gewählt, die sich bereits im Barock großer Beliebtheit erfreute. Der süß-saure Geschmack und die an Birne, Apfel, Rose und Honig erinnernden Aromen der Quitte sind das Ergebnis, die er in der Tradition barocker Rezepturen mit einer extravaganten Note verfeinerte: kandierte Früchte, eingelegt in Senföl runden das barocke Geschmackserlebnis ab. Seit 110 Jahren offeriert die Eisdynastie Fontanella das "originale Gelato italiano" in Deutschland.

Dario Fontanella führt in dritter Generation die Eismanufaktur und begleitet mit seinen Eisvariationen die kulturelle Veranstaltung der Stadt. Sein Engagement begründet er damit, dass er damit sein Netzwerk erweitert und zum andren das italienische Handwerk der Eisherstellung mit Sorbets und kandierten Früchten einer neuen Zielgruppe offerieren kann.

Eispyramide "Fantasia barocca"

In Optik und Geschmack passt die opulente Eispyramide von Fontanella ebenfalls zum großen Vorbild des Barock.

Der Eisbecher "Fantasia barocca" verführt in Form einer barocken Eispyramide mit 18 bunten Eissorten, die sich auf einem Fundament von geschlagener Sahne mit Erdbeermark und Früchten auftürmen. Leuchtende Farben wie orange, gelb, verschiedene Rottöne, weiß und grün unter Verwendung von natürlichen Rohstoffen zeigen ein farbenfrohes Bild, das ohne Farbstoffe, Emulgatoren oder Konservierungsstoffe entstanden ist. Die "Natur pur" besteht aus Himbeere-, Heidelbeere-, Kirsch- oder Brombeereis. Banane, Pistazie oder Schokolade dürfen selbstverständlich nicht fehlen. Schlagsahne mit Cru de Cacau und kandierte Mandeln sind zudem als extravagante Elemente dabei. Das große Geschmackserlebnis klebt aber auf dem Grund des eisgekühlten Porzellantellers: Als zusätzliche Geschmacksnote werden kleine schwarze Oliven aus Apulien entkernt, in einer Zuckerwasserlösung eingelegt, püriert und als selbstgemachte Olivenpaste und auf den eiskalten Teller gepinselt, die der Eispyramide dadurch die besondere barocke Nuance gibt.

Süßspeisen aller Art machten das Zeitalter des Barock zu einem Paradies für Feinschmecker. Neben Pralinen und Torten erlebte auch das Speiseeis seinen Triumphzug. Von Italien ausgehend entwickelte sich Paris zur Hochburg der Eisspezialitäten die zunächst dem Adel vorbehalten waren. Eispyramiden zählten um 1700 zu den Glanzpunkten barocker Tafelkultur. Der Neapolitaner Antonio Latini beschrieb sie 1694 in seinem Traktat mit Rezepten für Sorbets und Milcheis. Auch der Mannheimer Hof war diesen Gaumenfreuden gegenüber aufgeschlossen. In Eiskellern wurden Eisblöcke konserviert, damit die gefrorenen Köstlichkeiten zu jeder Jahreszeit zur Verfügung standen.

Im Jahre 1906 wurde die Gelateria Fontanella in Conegliano bei Venedig, von Michelangelo Fontanella, Großvater von Dario, gegründet. 1931 ging Michelangelo's Sohn Mario nach Deutschland, um in der Nähe von Hannover eine Eisdiele zu eröffnen.1933 zog es Mario Fontanella nach Mannheim, das ihn mit seinem milden Klima, der herrlichen Umgebung mit vielen Weinbergen, seiner Geschichte und seiner Eleganz sehr an Italien erinnerte. In den "engen Planken", in P 5, entstand das erste Geschäft in der Kurpfalz. 2006 feierte der Eissalon sein 100-jähriges Jubiläum. Bei über 200 verschiedenen Eissorten ist die Entscheidung für den Kunden an der Eistheke schwer.

Anmerkung zur Ausstellung

Für Ausstellungsbesucher besonders sehenswert ist übrigens das Ausstellungsobjekt "Doily", das bei Konditoren sicherlich ein Augenzwinkern hervorruft. Der niederländische Künstler Hendrik Kerstens hat das Thema Barock im Bereich der Mode zeitgenössisch in Szene gesetzt. Mit einem gekonnten Griff in das Zubehör der klassischen Konditoreien zeigt er, wie man Papierspitzendeckchen (doilies), also Tortenunterlagen auch für Kunstobjekte verwenden kann. Für eine Serie streng historisierender Portraits hat er sein Modell mit Mühlsteinkragen fotografiert. Alles entspricht der niederländischen Mode des 17. Jahrhunderts – bis auf die dicht geschichteten Papierspitzendeckchen, die ironisch auf die steife, gefältelte Halskrause aus weißem Leinen anspielen, die von Frauen und Männern "von Stand" getragen wurde. Barock – Nur schöner Schein?