Die Heini-Klopfer-Schanze in Oberstdorf wird mit Hilfe des Handwerks fit für die Weltmeisterschaft 2018 gemacht. Die Zeit ist knapp: Schon im Februar soll der Weltcup auf der umgebauten Schanze stattfinden.
Steffen Guthardt

Flüge von 230 Metern und mehr sollen die Besucher bei den Skiflug-Weltmeisterschaften 2018 in Oberstdorf bestaunen können, wenn die "Adler" um Severin Freund auf Medaillenjagd gehen. Die ganze Region will mit der Sportveranstaltung für sich werben und viele Touristen ins Allgäu locken. Drei Jahre später wird in Oberstdorf auch die Nordische Ski-WM ausgetragen.
Die für die Veranstaltungen vorgesehene Heini-Klopfer-Skiflugschanze ist derzeit jedoch noch eine Großbaustelle. Der internationale Skiverband FIS hat entschieden, dass eine Generalsanierung der Anlage nötig ist, damit die WM dort stattfinden kann. Die Anlage ist inzwischen 43 Jahre alt und entspricht nicht mehr den aktuellen FIS-Standards.
Viel Zeit für den Umbau der ehrwürdigen Sportstätte bleibt allerdings nicht. Um 2018 die Großveranstaltung ausrichten zu dürfen, muss zur Vorbereitung ein Skifliegen im Rahmen des regulären Weltcups der kommenden Saison stattfinden. Bereits vom 3. bis 5. Februar 2017 sollen die Skispringer die neue Schanze testen, so dass Umbau und Sanierung spätestens im Januar abgeschlossen sein müssen.
Stress auf der Baustelle
"Dieses Projekt fordert allen Beteiligten das Maximum ab", sagt Stephan Schmidt, Geschäftsführer des beteiligten Erdbaubetriebs Tonwerk Schmidt aus Ichenhausen. Für das Familienunternehmen, das sich von einer kleinen Ziegelei zu einem mittelständischen Betrieb mit rund 70 Mitarbeiten entwickelt hat, ist die Beteiligung an dem prestigeträchtigen Auftrag eine große Ehre. Aber auch die Herausforderung ist groß. Vor allem das enge Zeitfenster und das wechselhafte Wetter setzen alle auf der Baustelle unter Druck. Schmidt spricht von täglich neuen Grenzerfahrungen für Mensch und Maschine.
11,8 Millionen Euro stehen für Umbau und Modernisierung zur Verfügung. Dabei soll die unverwechselbare Architektur der Anlage, die von Einheimischen liebevoll "schiefer Turm von Oberstdorf" genannt wird, unbedingt erhalten bleiben.
Architekt der neuen Schanze ist Hans-Martin Renn, der bereits die Olympiaschanzen in Sotschi geplant hat. Gesamtverantwortlich für den Bau ist das Unternehmen Geiger Hoch- und Tiefbau .
Als eine wichtige Aufgabe wird der Schanzentisch um sieben Meter nach hinten und fünf Meter nach oben verschoben. Dadurch wird die Schanzengröße – die so genannte Hill Size – insgesamt von 213 auf 225 Meter verlängert. Zuschauer können sich über noch längere Flüge freuen.
Das Team von Tonwerk Schmidt ist dafür zuständig, den Aufsprunghügel neu zu gestalten. Entstehen soll ein aus Athletensicht weniger aggressiver Hang, der der Flugkurve der Skiflieger entgegenkommt. Dafür müssen rund 25.000 Kubikmeter Bodenmaterial umgegraben werden. Tonwerk Schmidt hat besonders leistungsfähige Maschinen wie eine Planierraupe von Zeppelin-Caterpillar im Einsatz. Das unwegsame Gelände erfordert es, dass Arbeiter und benötigte Geräte teils per Hubschrauber an die Baustelle gebracht werden.
Im Plan trotz Unfall
Bisher liegen die Bauarbeiten, die im April dieses Jahres begonnen haben, im Zeitplan und viele Bereiche der Baustelle stehen kurz vor der Fertigstellung. Trotzdem läuft nicht immer alles reibungslos: Bei einem Zwischenfall kippte ein Betonmischer um, der Fahrer wurde leicht verletzt. Es entstand ein Sachschaden von circa 50.000 Euro .
Stephan Schmidt ist dennoch zuversichtlich, dass die Skiflieger pünktlich zum Start des Weltcups in Oberstdorf auf Weitenjagd gehen können.
