Am 16. November jährt sich der Todestag von Dominikus Zimmermann zum 250. Mal. Zu Ehren des großen Baumeisters treffen sich im Kloster Sießen Handwerker und Freunde des Barock zum Stuccatorenfest.
Ulrich Steudel

Die Arbeit des Stuckateurs hat sich seit dem 18. Jahrhundert stark gewandelt, was im Kloster der Franziskanerinnen von Sießen bei Bad Saulgau deutlich wird. Als Dominikus Zimmermann hier vor rund 300 Jahren das Refektorium mit filigraner Ornamentik stuckierte, ging es vor allem um die prunkvolle Strahlkraft des Speisesaals. Dagegen hatte der Betrieb von Tobias Müller aus dem nahen Bondorf beim Umbau von Werkstätten in ein Klostercafé kürzlich vor allem auf die Energiebilanz zu achten.
„Wir haben beim Trockenbau ein Wärmedämmverbundsystem eingesetzt. Aber wir beherrschen natürlich auch die altehrwürdigen Techniken der Stuck- und Putzarbeiten“, sagt der Obermeister der Stuckateur-Innung Sigmaringen.
Nationalteam der Stuckateure zeigt historische Techniken

Erleben können das die Besucher des Stuccatorenfestes am Mittwoch, 16. November. Dann wird mit Katharina Schmitz aus Tettnang ein Mitglied des Nationalteams der Stuckateure kleine Barock-Engel gießen. Die Putten sollen nicht nur an die bevorstehende Adventszeit erinnern, sondern sind auch als Reminiszenz an Dominikus Zimmermann gedacht.
Im Kloster Sießen, damals noch unter der Obhut von Dominikanerinnen, legte Dominikus Zimmermann wohl den Grundstein für sein späteres Schaffen, das ihn zu einem der großen Baumeister seiner Epoche im süddeutschen Raum aufsteigen ließ. Die oberschwäbische Barockstraße wäre ohne sein Wirken heute kaum vorstellbar. In der Wallfahrtskirche Steinhausen und in der Wieskirche von Steingaden im Ostallgäu, die heute zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, fand Zimmermanns Werk seine Höhepunkte.
Blaupause für die Gegenwart
Als er nach den Stuckarbeiten im Refektorium von Sießen dort 1725 zum Planer und Baumeister der neuen Klosterkirche berufen wurde, schuf er zusammen mit seinem älteren Bruder einen Sakralbau, in dessen Statik Historiker heute eine Andeutung des Baustils der Wallfahrtskirche von Steinhausen erkennen.
Bei dem im Volksmund als „schönste Dorfkirche der Welt“ gepriesenen Gotteshaus tragen zwölf Säulen die Innenkuppel, die quasi als Leinwand für die prunkvollen Deckenfresken von Johann Baptist Zimmermann dient.
Weniger elegant waren die finanziellen Planungen für die Steinhausener Kirche. Statt der veranschlagten 7.000 verschlang der Bau schließlich 43.000 Gulden. Und wirkt damit wie eine Blaupause für viele große Bauprojekte der Gegenwart.