Interview mit KfW-Vorstandsmitglied Ingrid Hengster KfW: "Wir haben unsere Tilgungszuschüsse ausgebaut“

Auch bei historisch niedrigen Zinsen hat die staatliche Förderbank KfW genug zu tun. Im Interview berichtet KfW-Vorstandsmitglied Ingrid Hengster über neue Programme zum Energiesparen

Karin Birk

KfW-Vorstand Ingrid Hengster. - © KfW

Der staatlichen Förderbank KfW geht auch bei historisch niedrigen Zinsen das Geschäft nicht aus. Ganz im Gegenteil. Die Bank hat im vergangenen Jahr beim inländischen Fördergeschäft weiter zugelegt. Und auch in diesem Jahr soll es aufwärtsgehen. „Zwar führt das historisch niedrige Zinsniveau dazu, dass sich der Vorteil unserer günstigen Refinanzierung und unserer geplanten Zinsverbilligungen nicht mehr so stark auswirken“, sagt Ingrid Hengster im Gespräch mit der Deutschen Handwerks Zeitung. Doch die Bank habe Gegenmaßnahmen ergriffen. „Wir haben unsere Tilgungszuschüsse ausgebaut“, erläutert sie. Teilweise seien sie auch neu eingeführt worden. Darüber hinaus wollten viele Kreditnehmer auch von den langen Laufzeiten und Zinsbindungsfristen profitieren.

Digitalisierung beschleunigt Förderzusagen

Daneben ist die Bank bei der Digitalisierung vorwärts gekommen. Förderzusagen bei wohnwirtschaftlichen Krediten können nach den Worten Hengsters mittlerweile innerhalb weniger Augenblicke zugesagt werden. Diese so genannte „Bankdurchleitung online 2.0“ soll es bald auch für den gewerblichen Bereich geben. Die Bank werde voraussichtlich noch dieses Jahr damit starten. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran“, erzählt die erfahrene Bankerin, die 2014 nach Stationen bei unterschiedlichen Geschäftsbanken zur KfW gekommen ist und dort seitdem im Vorstand für das inländische Fördergeschäft zuständig ist.

Ohne die Hausbank läuft auch künftig nichts

An der Zusammenarbeit mit der Hausbank soll auch künftig nicht gerüttelt werden. „Wir stellen das im KfW-Gesetz verankerte Durchleitungsprinzip nicht in Frage“, erklärt Hengster. „Die Arbeitsteilung hat sich bewährt.“ Die Hausbank prüfe die Bonität der Kunden und die Machbarkeit des Investitionsvorhabens. Die KfW entscheide anhand möglichst einfacher und transparenter Kriterien über die Förderfähigkeit.

Finanzierungsbedarf im Neubaugeschäft boomt

Der größte Batzen im inländischen Fördergeschäft der KfW betrifft die Wohnbauförderung. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen Neubaugeschäft und Sanieren. Während der Neubau boomt und sich der einhergehende Finanzierungsbedarf bei den zugesagten Förderungen widerspiegelt, fällt das Fördervolumen bei der Sanierung deutlich geringer aus. So hat die Bank 2015 im Programm „Energieeffizient Bauen“ Kredite im Wert von knapp sieben Milliarden Euro zugesagt. Ein Plus von rund 24 Prozent. Im Förderprogramm „Effizient Sanieren“ blieb das Volumen mit rund 3,6 Milliarden Euro fast unverändert.

Anreize für energetische Gebäudesanierung

Um die Anreize für energetische Sanierungen schon im Jahresverlauf 2015 zu erhöhen, hat die Bank laut Hengster Zinsen und Tilgungszuschüsse für private und gewerbliche Bauherren „deutlich attraktiver gestaltet“. So wurden die Zinsen einheitlich auf 0,75 Prozent effektiver Jahreszins gesenkt und Tilgungszuschüsse im Jahresablauf zweimal um je fünf Prozentpunkte erhöht. „Mittlerweile sehen wir wieder einen klaren Aufwärtstrend bei der Sanierung“, sagte Hengster mit Blick auf das erste Quartal 2016. Als Grund für die Investitionszurückhaltung nennt die Bank auch den niedrigen Ölpreis.

Energieeffizienzmaßnahmen für Unternehmen

Bei Unternehmen fördert die Bank neben Investitionen zur energetischen Gebäudesanierung auch Investitionen in energiesparendere Prozesse oder Produktionsanlagen. Insgesamt hat die Bank im ersten Quartal 2016 Förderkredite in Höhe von 1,1 Milliarden Euro für diese Bereiche zugesagt. Dabei entfielen 64 Prozent auf Gebäude. Und wie in den privaten wohnwirtschaftlichen Programmen gilt auch hier: „Je höher die Energieeinsparung, desto höher die Förderung“, erklärt Hengster den Fördergrundsatz.

Neues KfW-Programm für effiziente Abwärme-Nutzung

Ein großes Einsparpotenzial sieht die Bank bei der Abwärme in Unternehmen. „Auch im Handwerk finden sich zahlreiche Einsatzmöglichkeiten“, sagt Hengster. So könne beispielsweise die Abwärme eines Backofens zum Heizen eines anderen Betriebsgebäudes genutzt werden. Um mehr Unternehmen für solche und ähnliche Investitionen zu gewinnen, habe die Bank erst jüngst das KfW-Energieeffizienzprogramm Abwärme mit „außergewöhnlich attraktiven Konditionen“ auf den Weg gebracht. So würden aus Mitteln des Bundeswirtschaftsministeriums bis zum Jahr 2020 zinsverbilligte Kredite und Tilgungszuschüsse von bis zu 40 Prozent angeboten. Kleine und mittlere Unternehmen könnten sogar noch einen zusätzlichen KMU-Bonus von 10-Prozent-Punkten auf den Tilgungszuschuss erhalten.

Online-Schulungen für Handwerker

Damit die Themen bei Investoren noch besser ankommen, will die Bank ihre bestehenden Online-Seminare und Präsenzveranstaltungen zum Thema gewerbliche Energieeffizienz noch weiter ausbauen. Auf großes Interesse stößt schon jetzt die gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) organisierten Veranstaltungen zum Thema Sanierung und Barrierereduzierung. „Die Online-Schulungen sind alle schon ausgebucht“, sagt sie. Die Bank überlege, auch dieses Angebot mittelfristig auszubauen. Denn eines ist für KfW-Vorstandsmitglied Hengster klar: „Als Multiplikatoren spielen gerade Handwerker eine wichtige Rolle.“