Vor 25 Jahren raste der erste ICE durch Deutschland. Seit einem Vierteljahrhundert ist der Hochgeschwindigkeitszug das Aushängeschild der Bahn. Für den Konzern ist der Fernverkehr so wichtig wie nie.

Vor 25 Jahren begann in Deutschland ein neues Zeitalter im Bahnverkehr. Mit dem ersten planmäßigen ICE von Hamburg-Altona nach München startete am 2. Juni 1991 die Geschichte des Hochgeschwindigkeitsverkehrs auf deutschen Bahngleisen. Zwar ist der Geschwindigkeitsrausch längst vorbei, aber der ICE und der Fernverkehr sind für den Bahn-Konzern wichtiger denn je.
Vierte ICE-Generation steht in den Startlöchern
Aktuell werden mit dem ICE rund 216.000 Fahrgäste täglich befördert. Ab Herbst 2016 wird mit dem ICE 4 bereits die vierte Generation des Inter-City Express im Probebetrieb auf den Gleisen unterwegs sein. Die neue ICE-Generation hat selbstverständlich WLAN an Bord. Und auch die besteh ende ICE Flotte soll noch dieses Jahr mit WLAN aufgerüstet werden – in allen Klassen.
Mit der Premiere des ICE 1 im Jahr 1991 gab es für die Fahrgäste, neben der deutlichen Reisezeitverkürzung bei Fernreisen, ab sofort spürbar mehr Komfort. Außerdem durfte damals überall in den Zügen noch geraucht werden – heute unvorstellbar, und wer telefonieren wollte, musste eigens einen Konferenz-Raum mit Fax und Telefon buchen. Bereits im ersten Jahr nach dem Start des ICE reisten jährlich rund zehn Millionen Menschen mit den neuen Zügen. Heute sind es fast 80 Millionen. Schnell kamen Fahrten in das benachbarte Ausland hinzu: Schon 1992 bot die Bahn die ersten grenzüberschreit enden ICE-Verbindungen nach Zürich und Basel an. Heute verkehren ICE-Züge in sechs europäische Nachbarländer.
ICE-Flotte wächst von 25 auf 250 Züge
Zum Start hatte die Deutsche Bahn 25 ICE im Einsatz. Heute sind 250 Züge unterwegs. Sie haben seit 1991 eine Strecke zurückgelegt, die rund 4.700 Mal von der Erde bis zum Mond reicht: über 1,8 Milliarden Kilometer. Laut der Bahn kenn über 95 Prozent der deutschen Bevölkerung den ICE.
"Der ICE 1 hat 1991 den Hochgeschwindigkeitsverkehr in Deutschland eingeläutet. Und er hat neue Standards gesetzt, beispielsweise durch die Reisegeschwindigkeit", sagt der DB-Vorstandsvorsitz ender Rüdiger Grube, Seit 25 Jahren ist der Inter-City Express aus dem Fahrplan nicht mehr wegzudenken.
ICE 4: Der Geschwindigkeitsrausch ist vorbei
Allerdings ist der anfängliche Geschwindigkeitsrausch längst vorbei. Bei der neuesten ICE-Generation ist die Höchstgeschwindigkeit auf 250 Kilometer pro Stunde beschränkt. Beim Vorgängermodell wurden noch Geschwindigkeiten von über 300 km/h erreicht. Die Bahn bejubelte den ICE 3 einst als Deutschlands ersten Zug für Tempo 300.
Beim neuen Aushängeschild stehen jedoch andere Dinge Fokus. Beispielsweise weniger Energieverbrauch und stabilere Klimaanlagen. Außerdem sollen verbesserte Informationssysteme und neuentwickelte, ergonomische Sitze für mehr Komfort sorgen. Was zudem für eine geringere Höchstgeschwindigkeit spricht: Richtige Rennstrecken gibt es im ICE-Netz ohnehin nur sehr wenige. Laut der Bahn kommen die Züge auf 70 Prozent der Strecken nur auf Höchstgeschwindigkeiten zwischen 160 und 220 km/h.
ICE-Unglück von Eschede – harter Rückschlag für die Bahn
Die Erfolgsgeschichte des ICE lief jedoch nicht immer reibungslos. Die Bahn musste auch Rückschläge verkraften. 1998 entgleiste bei Eschede ein ICE und zerschellte an einer Straßenbrücke. 101 Menschen starben bei diesem schwersten Unglück eines Hochgeschwindigkeitszugs weltweit, 88 wurden schwer verletzt. Ursache war ein gebrochener Radreifen. 2008 brach die Radsatzwelle eines ICE 3. Seitdem müssen die Züge viel häufiger gewartet werden. Dies ist nicht nur teurer, sondern wirkt sich auch auf die Reserveflotte aus.
Laut einer internen Bahn-Studie, aus der die "Stuttgarter Zeitung" zitiert, laufen auch im Jubiläumsjahr nicht alle Fernzüge einwandfrei. Demnach werden 2016 nur 55 Prozent aller Fernzüge ganz ohne Funktionseinschränkungen fahren, erst 2020 dürften alle tadellos funktionieren. Allerdings: Laut der Bahn fallen unter den Begriff Funktionsstörung alle möglichen Pannen - von einer kaputten Kaffeemaschine und klemm enden Tür bis zu einem defekten Rad.
ICE wichtigster Baustein im Fernverkehr
Fakt ist, der ICE ist nach 25 Jahren für die Bahn so wichtig wie nie zuvor. Der Grund: Nachdem der Konzern in die roten Zahlen gerutscht war, besinnt man sich bei der Bahn wieder auf das Kerngeschäft. Die Eisenbahn in Deutschland. Auf dem Weg zum Global Player hatte die Bahn den Stammmarkt zunehm end vernachlässigt. Erst als immer mehr Reis ende in Billigflieger und Fernbusse stiegen, kam ein Umdenken.
Der Fernverkehr ist ein wichtiger Umsatzbringer. 132 Millionen Fahrkarten für ICE, Intercity und Eurocity verkaufte die Bahn 2015, das trug immerhin knapp jeden zehnten Euro zum Konzernumsatz bei. Anders als Regionalzüge, die die Länder mit Milliarden bezuschussen, fährt die Bahn ihre Flaggschiffe komplett auf eigene Rechnung. Zwölf Milliarden Euro investiert sie bis 2030 in ihren Fernverkehr - den Großteil davon in modernere Züge.
Anlässlich des 25-jährige Jubiläums des ICE macht die Deutsche Bahn den ICE unter www.bahn.de/25JahreICE interaktiv erlebbar. end
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